Am Freitag blockierten Mitglieder der radikalen Tierschutzgruppe „Animal Rebellion“ für mehrere Stunden die Zufahrt zur Sachsenmilch-Molkerei in Leppersdorf im Ostsachsen. Inzwischen laufen nach Angaben der Polizei Strafverfahren gegen die beteiligten Personen.
Mit Händen an der Straße festgeklebt
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) berichtete, dass sich während der Aktion zeitweise bis zu 150 Lastwagen in Richtung Autobahn gestaut hätten, weil sie nicht auf das Gelände gelangt seien.
Nach Angaben der Polizeidirektion Görlitz waren 41 Personen an der Blockade beteiligt. .„Animal Rebellion“ sprach von 60 Personen. Mehrere Menschen hätten sich mit ihren Händen an der Straße festgeklebt und drei einen Milch liefernden Lkw besetzt, so die Polizei. „Die Einsatzkräfte lösten die Situation vor Ort kommunikativ, die blockierenden Personen räumten sowohl den Lkw als auch die Straße freiwillig“, heißt es im Polizeibericht.
Gruppe fordert Vergesellschaftung von Sachsenmilch
„Animal Rebellion“ behauptet, das Unternehmen sei mitverantwortlich für millionenfaches Tierleid. Sachsenmilch beziehe und verarbeite Milch aus der so genannten ganzjährigen Anbindehaltung. Bei dieser Form der Tierhaltung stehe die Kuh ihr Leben lang angekettet an einem Platz im Stall und könne sich nicht einmal umdrehen.
Nach Ansicht von „Animal Rebellion“ steht das Unternehmen „exemplarisch für ein System aus Tierausbeutung und Machtkonzentration“. Die Gruppe fordert: „Dieser Standort muss aus unserer Sicht in öffentliches oder genossenschaftliches Eigentum überführt und die Produktionskapazitäten konsequent auf pflanzliche, nachhaltige Produkte umgestellt werden.“
Günther Felßner unter Druck gesetzt
„Animal Rebellion“ ist ein bundesweit organisierter Zusammenschluss. Er entstand 2019 als eine Art Ableger der internationalen Protestgruppierung „Extinction Rebellion“, die ebenfalls so genannten Zivilen Ungehorsam praktiziert.
Im März hatten Mitglieder von „Animal Rebellion“ mit Bengalos und Plakaten auf dem Hof des Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes und CSU-Wunschkandidaten für den Posten des Bundesagrarministers, Günther Felßner, protestiert. Dieser gab schließlich seinen politischen Rückzug bekannt und begründete das mit Sorgen um die Sichrheit.
Einer der modernsten milchverarbeitenden Betriebe Europas
Sachsenmilch gehört zur Unternehmensgruppe Theo Müller. Die Molkerei in Leppersdorf hat rund 3.000 Mitarbeiter und verarbeitet nach eigenen Angaben jährlich rund 1,7 Milliarden Kilogramm Milch zu Produkten wie Milch, Butter, Joghurt oder Käse. Nach eigener Darstellung handelt es sich um einen der modernsten milchverarbeitenden Betriebe Europas, der in der Region fest verankert sei.
