Schokoladenhersteller Ritter ist trotz Umsatzplus unzufrieden

Auch angesichts hoher Rohstoffkosten beim Kakao blickt der Schokoladenhersteller Ritter auf ein schwieriges Geschäftsjahr zurück. Das Familienunternehmen steigert zwar 2024 den wechselkursbereinigten, konsolidierten Umsatz auf 605 Millionen Euro (2023: 561 Millionen Euro), bezeichnet die Ertragslage aber als nicht zufriedenstellend.

Freitag, 31. Januar 2025, 10:11 Uhr
Thomas Klaus
Schokolade mit Kult-Status: Ritter-Sport-Täfelchen werden in mehr als 100 Länder verkauft. Bildquelle: Santiago Engelhardt

Der Schokoladenhersteller Ritter hat seinen Umsatz 2024 auf 605 Millionen Euro erhöhen können, nachdem es im Vorjahr 561 Millionen Euro gewesen waren. Die Umsatzangabe ist wechselkursbereinigt und konsolidiert. Zufrieden ist das Unternehmen nach eigenen Angaben jedoch trotzdem nicht.

Heimatmarkt bleibt hinter den Erwartungen zurück

Umsatzzuwächse erzielte Ritter vor allem in wichtigen Auslandsmärkten wie Großbritannien, Italien und Österreich sowie außereuropäischen Märkten wie den USA und China. Der Heimatmarkt Deutschland bleibt indes hinter den Erwartungen zurück.

Im Zuge von Preisverhandlungen waren Ritter-Sport-Produkte bei einigen Händlern über mehrere Wochen nicht erhältlich, was sich nach Unternehmensangaben in einem Absatzrückgang widerspiegelt. Die Exportquote des Unternehmens aus dem schwäbischen Waldenbuch steigt damit 2024 auf über 60 Prozent.

Für 2025 weiter hohe Preise erwartet

Als einer der ersten größeren Hersteller hatte Ritter aufgrund der massiv gestiegenen Kakaopreise die Abgabepreise an den Handel 2024 angehoben. Diesen Schritt haben inzwischen auch weitere Unternehmen wie Milka-Hersteller Mondelez vollzogen oder angekündigt. Ritter-CEO Andreas Ronken sagt dazu: „Das aktuelle Preisgefüge spiegelt die komplette Kostensituation nicht wider.“

Nachdem die Kakaopreise zuletzt leicht nachgegeben hatten, startet 2025 erneut mit Höchstpreisen. Daher erwartet Ritter für das laufende Jahr weiterhin eine hohe Volatilität und Preise, die mindestens auf dem aktuellen und damit weiterhin hohen Niveau bleiben.

Engagement für nachhaltigen Kakaoanbau

Sorge bereiten dem Familienunternehmen laut Ronken vor allem die Ursachen für diese enorme Preissteigerung. Die drei aufeinanderfolgenden Missernten in Westafrika führen Fachleute auf Auswirkungen des Klimawandels zurück, der in kakaoanbauenden Länder bereits heute massiv zu spüren sei.

Vor diesem Hintergrund geht Ritter aktuell nicht davon aus, dass die Erntemengen auf das langjährige Ertragsniveau zurückfinden und die Preise damit langfristig wieder spürbar sinken.

Im Rahmen seiner Kakaoprogramme arbeitet der Schokoladenhersteller seit vielen Jahren mit Partnern vor Ort sowie vor allem mit den Kakaobauern daran, den Kakaoanbau durch nachhaltige Methoden wie den Aufbau von Agroforstsystemen resilienter zu machen – ein Nachhaltigkeitsengagement, das dem CEO zufolge auch der langfristigen Rohstoffsicherheit diene.

Ambitionierte Ziele auch für den US-Markt

Die erfolgreiche Entwicklung in vielen internationalen Märkten macht aus Sicht des CEO deutlich: Die deutsche Traditionsmarke Ritter Sport sei auf dem Weg zur globalen Marke. So sei es Ritter binnen weniger Jahre gelungen, in einem so anspruchsvollen Markt wie Großbritannien umfassend gelistet zu sein.

Ähnlich ambitionierte Ziele formuliert das Unternehmen für den weltweit größten Süßwarenmarkt, die USA: „Wir wollen in fünf bis sechs Jahren dort eine führende Marktposition erreicht haben und unter den Top fünf sein“, erklärt Andreas Ronken. Dazu setzt Ritter mit einer Anfang 2024 gegründeten Vertriebstochter eine neue Distributionsstrategie um, die darauf abzielt, die Präsenz der Marke bei großen Händlern wie Walmart, Kroger oder Ahold auszubauen.

CEO: Ritter-Sport-Fans sind treu

Dass auch im Heimatmarkt Deutschland gute Voraussetzungen für erneutes Wachstum bestehen, zeigen nach Auffassung des Firmenchefs aktuelle Umfragen, die Ritter zum beliebtesten Familienunternehmen Deutschlands küren oder hervorragende Imagewerte der Marke Ritter Sport belegen. „Die Ritter Sport Fans bleiben unseren Produkten treu. Ihr Vertrauen ist für uns Verpflichtung. Abstriche bei der Qualität wird es bei uns nicht geben und wir werden auch nicht bei der Nachhaltigkeit sparen“, betont Ronken.

Das 1912 gegründete Familienunternehmen mit Hauptsitz im schwäbischen Waldenbuch, einem zweiten Produktionsstandort im österreichischen Breitenbrunn sowie  Tochtergesellschaften in weiteren internationalen Märkten beschäftigt heute rund 1.900 Mitarbeiter.

Ritter-Sport-Verkauf in mehr als 100 Länder

Als erster großer Tafelschokoladenhersteller bezieht die Alfred Ritter GmbH & Co. KG für das gesamte Sortiment, das die Marken Ritter Sport und Amicelli umfasst, ausschließlich zertifizierten Kakao. Für sein Engagement im nachhaltigen Kakaoanbau wurde das Familienunternehmen 2024 mit dem SDG Innovation Award ausgezeichnet. Seit 2020 ist Ritter ein bilanziell klimaneutrales Unternehmen (Scope 1, 2, 3 beeinflussbar).

Die bunten Ritter-Sport-Quadrate werden in mehr als 100 Ländern weltweit verkauft.

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