Interview mit Messe-Macher Prowein-Chef Schindler will persönliche Begegnungen digital erweitern

Hintergrund

Auf der Prowein versammelt sich bald wieder die internationale Wein- und Spirituosenbranche. Der neue Chef der Messe spricht im LP-Interview über Chancen und Herausforderungen der Winzer und Händler.

Freitag, 13. März 2026, 07:40 Uhr
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Prowein-Chef Schindler will persönliche Begegnungen digital erweitern
Die diesjährige Prowein findet vom 15. bis 17. März in Düsseldorf statt. Jahr für Jahr präsentieren inzwischen rund 4.000 Aussteller, die 65 Länder vertreten, ihre Neuheiten.
Frank Schindler (50) leitet seit Oktober 2025 die weltweit führende Fachmesse für Weine und Spirituosen in Düsseldorf sowie die sechs internationalen Prowein-Messen in Asien und Südamerika. Bildquelle: www.fotografie-wiese.de

Herr Schindler, wie stellen Sie sicher, dass die Prowein trotz Globalisierung und Digitalisierung relevant bleibt?

Die Relevanz einer Messe entsteht heute aus dem intelligenten Zusammenspiel von physischer Begegnung und digitaler Erweiterung. Globalisierung und Digitalisierung verstehen wir daher nicht als Konkurrenz zur Messe, sondern als strategische Weiterentwicklung. Das Thema Digitalisierung ist im modernen Messealltag längst angekommen.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Mit unserem Insights to Action framework – kurz I2A – bilden wir die gesamte Prowein digital ab, weit über klassisches Match­making hinaus. Alle Informationen zum Aussteller sowie jedem Produkt können dort selektiv und kaskadierend gefiltert werden. Es kann direkt Kontakt aufgenommen, Termine vereinbart und gechattet werden. Und natürlich zeigt der interaktive Hallenplan bei aktiviertem GPS den eigenen Standort sowie den Standort des Ausstellers an. Und das alles nicht nur zur Messelaufzeit, sondern ganzjährig. Man kann die Prowein-App also auch nutzen, um Favoriten anzulegen, die man im Nachgang der Messe erst kontaktiert, weil die Zeit nicht ausgereicht hat.

Sorgen Sie sich für Ihre Branche vor den Auswirkungen von künstlicher Intelligenz?

Nein. Man darf nicht vergessen, dass KI ein (smartes) Rechenmodell auf Basis vergangener Ereignisse und statistischer Wahrscheinlichkeiten ist. Und noch eines kann KI in absehbarer Zeit nicht leisten: Weine verkosten, soziale Interaktionen ersetzen und die sprichwörtliche Chemie zwischen Aussteller und Besucher sowie Einkäufer erfassen und interpretieren.

Welche Neuerungen planen Sie konkret für die diesjährige Prowein?

Ein neues Hallenkonzept mit kürzeren Laufwegen und besserer Orientierung, ein verbessertes Matchmaking sowie eine stärkere thematische Verdichtung sorgen für mehr Relevanz für Aussteller und Besucher. Der Business-Fokus, unterstützt durch eine strikte Akkreditierungslogik, bleibt unverändert. Formate wie Prospirits, Prowein Zero, Organic Visions und Sparkling Visions wurden geschaffen oder weiterentwickelt, um sich schnell einen umfassenden Überblick verschaffen zu können und damit mehr Klarheit in einem zunehmend komplexen Marktumfeld zu bieten. Ergänzend haben wir mit der Prowein Agora ein neues Bühnenformat geschaffen: 42 international renommierte Speaker aus aller Welt präsentieren an 3 Tagen in über 13 Stunden geballtes Fachwissen.

Welche größten Chancen sehen Sie aktuell für die Wein- und Spirituosenbranche?

Der Konsum von Wein und Spirituosen wird immer bewusster und Konsumenten interessieren sich heute mehr für Produktionsbedingungen, soziale Verantwortung und den CO₂-Fußabdruck als für Terroir oder das Ausgangsprodukt. Premiumisierung funktioniert hauptsächlich dort, wo sie glaubwürdig und nachvollziehbar ist und darüber hinaus einen Mehrwert bietet. „LoNo“ (Produkte mit wenig oder gar keinem Alkoholgehalt; Anm. d. Redaktion) ist als Kategorie weiterhin auf dem Vormarsch, volumenseitig jedoch auf einem niedrigen Niveau. Erstaunlich ist, dass alkoholfreie Spirituosen in der Bar-Szene heute stärker etabliert sind als LoNo-Weine. Alkoholfreie Produkte und Ready-to-Drink haben das Potenzial, junge Konsumenten an Wein und Spirituosen heranzuführen.

Welche Herausforderungen erwarten Winzer und Fachhändler?

Einerseits geht es im Weinbau um die veränderten klimatischen Bedingungen, andererseits haben die veränderten Konsumgewohnheiten dazu geführt, dass der Anpassungsdruck im Weingarten und im Keller weiter zunimmt. Die Nachfrage ändert sich derzeit schneller, als die Branche mit ihren langen Zyklen reagieren kann. Die geopolitischen Unsicherheiten, Kostensteigerungen und ein zunehmend fragmentierter Markt verschärfen diese Situation. Diese Themen lassen sich nicht einzeln lösen und verlangen eine stärkere gemeinsame Haltung innerhalb der Branche.

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