„Weniger ist mehr“ Kaufen Verbraucher bewusster Fleisch?

Qualität statt Masse – liegt hochwertiges Fleisch im Trend? Transparente Produktion, Tierwohl und regionale Qualität sollen Vertrauen zurückgewinnen. Auch Bundesagrarminister Alois Rainer wollte mit einem Besuch bei einer besonderen Fleischerei in Wildau ein entsprechendes Zeichen setzen.

Freitag, 31. Juli 2026, 12:17 Uhr
Manuel Glasfort (mit dpa)
Hochwertiges Fleisch ist kostspielig, doch manche Verbraucher sind bereit, weniger und dafür besseres Fleisch zu essen. Bildquelle: Mirco Moskopp

Da geht Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer das Herz auf: Rumpsteak, T-Bone-Steak, Schweinebauch und unzählige andere Fleisch-Varianten begutachtet der CSU-Politiker in großen, gekühlten Vitrinen. „Hall of Meat“ heißt die Fleischerei im brandenburgischen Wildau, die Rainer als Aushängeschild bezeichnet. Das Unternehmen will mit einer gläsernen Produktion zeigen, wie Fleisch verarbeitet wird und Misstrauen bei Verbrauchern abbauen – nicht nur zur sommerlichen Grillzeit.

Zuletzt war der Fleischkonsum in Deutschland insgesamt wieder leicht gestiegen. Dagegen sank die Produktion von vegetarischen oder veganen Alternativen in Deutschland erstmals etwas.

„Wie eine gute Flasche Wein“

„Es muss nicht mehr Fleisch sein, sondern gutes Fleisch“, sagte Agrarminister Rainer, selbst bayerischer Metzgermeister, am Donnerstag beim Besuch in Wildau. Von einem Stück Kultur am Esstisch ist bei Landwirten die Rede. „Fast wie eine gute Flasche Wein“, sagte Brandenburgs Bauernpräsident Henrik Wendorff.

Angesichts schrumpfender Tierhaltung und Discounter-Ware rufen Verbände der Branche zu mehr Wertschätzung gerade für die heimische Produktion auf. Die 2024 gegründete Initiative Fleisch teilte mit: „Die wachsende Nachfrage nach hochwertigem Fleisch zeigt, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher Qualität, Herkunft und Verarbeitung zunehmend bewusster wahrnehmen.“ Sie wirbt mit dem Slogan „Iss, was Dir schmeckt“ und der Botschaft, dass Essen ohne schlechtes Gewissen möglich sein muss.

Vor allem die Nachfrage nach Geflügel ist laut der Branche gestiegen. Von der Fachmesse Anuga hieß es, auch der Protein-Trend aus Fitness- und Social-Media-Kontexten» verstärke die Wahrnehmung von Fleisch als unkomplizierte Proteinquelle.

Motto „Weniger ist mehr“

Das Unternehmen Meat Bringer in Wildau – rund 35 Kilometer von Berlin entfernt – gibt das Credo aus, der Verbraucher solle weniger Fleisch essen, dafür auf regionale Qualität setzen. Geschäftsführer Olaf Mahr, der sein Geschäft auch als Fleischerei 2.0 bezeichnet, nennt als seine Maximen kurze Transportwege, Tierwohl, Transparenz.

„Gegenmodell“ sei auch nicht die vegetarische oder vegane Ernährung, sondern die anonyme Massenproduktion, bei der Herkunft, Haltung, Transport und Verarbeitung für Verbraucher kaum nachvollziehbar seien. Zudem hätten Vorwürfe der Tierquälerei das Vertrauen in die gesamte Fleischbranche beschädigt.

300 Gramm Fleisch pro Woche empfohlen

„Wer Fleisch verkauft, sollte erklären und zeigen können, woher es kommt und wie es verarbeitet wurde“, sagte Fleischsommelier Mahr. Sein Geschäft verzeichne eine wachsende Nachfrage. Die Kilo-Preise liegen dort bei 46 Euro etwa für Flanksteak, 50 Euro für Rumpsteak und 70 Euro für Rinderfilet. Schweinebauch beispielsweise ist für 15 Euro je Kilo zu haben.

Mit der Haltung, weniger Fleisch ist mehr, trifft Meat Bringer den Nerv von Ernährungs-Experten. „Wenn Sie Fleisch und Wurst essen, dann nicht mehr als 300 Gramm pro Woche“, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die dabei auch Einflüsse aufs Klima berücksichtigt. In Deutschland lag der Verbrauch 2025 nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung bei 54,9 Kilo pro Kopf und Jahr.

Fleischer-Verband: Preisfrage wichtig

Der Deutsche Fleischer-Verband erklärte, die Betriebe würden gut von den Kunden nachgefragt. „Die Verbraucher sind zwar bereit, für gute Ware etwas mehr Geld zu zahlen, zu groß darf der Abstand zu Produkten, die industriell und in Masse gefertigt und verpackt verkauft werden, jedoch nicht werden.“

Vor allem den Schweinehaltern in Deutschland machen weiter sinkende Preise zu schaffen. Am Donnerstag wurde bekannt, dass ein großes Schweinezuchtunternehmen in Niedersachsen insolvent ist. „Es gibt ja immer diesen sogenannten Schweinezyklus, dass die Preise etwas hoch und etwas runter gehen, aber das bricht jetzt nach unten schwer aus“, sagte Landwirtschaftsminister Rainer, der nach Lösungen suchen will. Der Bauernverband forderte bereits Millionenhilfe für Schweinehalter. 

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