Mehr als jeder zweite Verbraucher in Europa nutzt beim Online-Einkauf bereits Künstliche Intelligenz. In Deutschland stieg der Anteil innerhalb von neun Monaten von 44 auf 52 Prozent. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte hervor, für die im Mai 2026 insgesamt 13.500 Konsumenten in 15 europäischen Ländern online befragt wurden, davon 1.500 in Deutschland.
Am häufigsten setzen die Befragten KI-Werkzeuge ein, um Preise zu vergleichen (32 Prozent), Produkte gegenüberzustellen (24 Prozent) oder Produktbewertungen zusammenfassen zu lassen (22 Prozent). Die Kaufentscheidung vollständig an die KI abzugeben, kommt dagegen nur für wenige infrage: Europaweit sind es laut der Studie 8 Prozent, in Deutschland sogar nur 6 Prozent. Drei Viertel derjenigen, die KI beim Einkaufen bereits eingesetzt haben, greifen den Angaben zufolge immer häufiger darauf zurück.
Zwischen den europäischen Ländern zeigen sich deutliche Unterschiede. Spanien liegt mit 67 Prozent KI-Nutzern an der Spitze, Großbritannien bildet mit 48 Prozent das Schlusslicht. Deutschland ordnet Deloitte im unteren Mittelfeld ein. Auffällig ist, dass die Datenschutzbedenken deutscher Verbraucher im Zusammenhang mit KI-gestützten Einkaufshilfen laut der Studie deutlich zurückgegangen sind: 2025 nannten noch 52 Prozent der Befragten Datenschutz als ihr Hauptbedenken, 2026 waren es nur noch 30 Prozent.
Deloitte-Experte Wege: Handel muss auch die Aufmerksamkeit der KI gewinnen
Insgesamt bleiben Vorbehalte gegenüber KI im Handel aber verbreitet. Europaweit nennen 37 Prozent der Befragten Datenschutz- und Sicherheitsbedenken als häufigstes Hemmnis, gefolgt von der Sorge vor Manipulation (32 Prozent) und dem Verlust des menschlichen Kontakts (30 Prozent). Besonders offen zeigen sich junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren: Sie vertrauen KI-Werkzeugen der Studie zufolge bereits stärker (39 Prozent) als Mitarbeitenden im stationären Handel (34 Prozent). Mit zunehmendem Alter wächst die Skepsis.
„Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wie umfassend die KI-Einkäufe künftig übernehmen und steuern wird“, sagte Egbert Wege, Handelsexperte und Partner bei Deloitte, laut der Mitteilung. Der Handel müsse nun nicht nur die Aufmerksamkeit der Menschen, sondern auch die der KI gewinnen. Zugleich betonte Wege, dass Akzeptanz nicht allein durch leistungsfähige Technologie entstehe: „Unternehmen müssen KI-Anwendungen transparent, sicher und nachvollziehbar gestalten, denn am Ende entscheidet das Vertrauen der Menschen über den Erfolg von KI im Handel.“
