Der Agrarhandelskonzern Baywa muss seinen Sanierungsfahrplan um zwei Jahre verlängern. Statt wie ursprünglich geplant bis Ende 2028 soll die finanzielle Gesundung des Münchner Traditionsunternehmens nun erst Ende 2030 abgeschlossen sein. Vorstand und Aufsichtsrat hätten sich mit den Gläubigerbanken und den beiden Großaktionären im Grundsatz darauf verständigt, teilte das Unternehmen mit. Bis Herbst soll eine neue Sanierungsvereinbarung stehen.
Auslöser für die Verzögerung ist die Krise der Ökostromtochter Baywa r.e., die eigentlich für 1,7 Milliarden Euro verkauft werden sollte. Da die Tochtergesellschaft selbst in erheblichen Schwierigkeiten steckt, hatte die Baywa-Führung im Frühjahr eingeräumt, dass der erhoffte Verkaufspreis nicht zu erzielen ist. Die Beteiligten gehen laut der Mitteilung nun davon aus, dass die r.e. 800 Millionen Euro weniger einbringen wird. Der ursprüngliche Sanierungsplan sah vor, die Schuldenlast bis Ende 2028 um vier Milliarden Euro zu senken – dieses Ziel ist damit nicht mehr zu halten.
Im Zuge der neuen Vereinbarung sollen sich sowohl die Gläubigerbanken als auch die beiden Großaktionäre – die Beteiligungsgesellschaften der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken sowie der österreichischen Genossenschaften – zu weitreichenden Zugeständnissen bereit erklären. Die beiden Großaktionäre, die zusammen gut 67 Prozent an der Baywa halten, sollen ihre Anteile an einen Treuhänder übertragen. Nur wenn sie im Jahr 2029 mindestens 220 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung bereitstellen, sollen sie die Papiere zurückerhalten. Andernfalls darf der Treuhänder das Aktienpaket verkaufen. Die Banken wiederum wollen den Angaben zufolge 700 Millionen Euro an Baywa-Krediten in ein nachrangiges Instrument umwandeln – im Falle eines Scheiterns der Sanierung hätten andere Gläubiger dann Vorrang bei diesen Forderungen.
Baywa will kreditfinanzierte Expansion rückgängig machen
Die Baywa steckt seit 2024 in einer existenzbedrohenden Krise. Das 1923 gegründete Unternehmen ist vor allem im Süden und Osten Deutschlands ein wichtiger Akteur in der Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung: Es kauft Ernten an und beliefert Landwirte mit Saatgut, Dünger und Landmaschinen. Die Krise geht nach Darstellung in der Mitteilung auf eine kreditfinanzierte Expansion auf den internationalen Agrarmärkten im vergangenen Jahrzehnt zurück. Der langjährige Vorstandschef Klaus Josef Lutz hatte während seiner Amtszeit von 2008 bis 2023 das Ökostromgeschäft aufgebaut, die niederländische Agrarhandelsgruppe Cefetra und den neuseeländischen Apfelplantagenbetreiber Turners & Growers übernommen. Die Sanierung läuft nun darauf hinaus, diese Expansion rückgängig zu machen und die Baywa wieder weitgehend auf den heimischen Agrarmarkt zu konzentrieren. Lutz hat laut der Mitteilung jede Verantwortung für das Debakel zurückgewiesen.
Neben der Sanierung hat die Krise auch strafrechtliche Folgen: Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere ehemalige Vorstände – teils wegen des Verdachts einer geschönten Konzernbilanz 2023, teils wegen möglicher Untreue.