Der Münchner Agrarhandels- und Mischkonzern Baywa kann seinen Sanierungsfahrplan nicht einhalten. Der Verkauf der Ökostromtochter Baywa r.e. wird deutlich weniger Geld einbringen als geplant, teilte das Unternehmen mit. Ursprünglich sollte der Verkauf 1,7 Milliarden Euro erlösen. Der Vorstand geht nun davon aus, dass der Erlös „signifikant“ niedriger ausfallen wird.
Grund für die Planänderung ist die schwierige Lage der Baywa r.e., die in den kommenden Jahren nicht die erwarteten Ergebnisse erwirtschaften wird. Das Gemeinschaftsunternehmen mit einem Schweizer Investor plant und entwickelt Solar- und Windparks. Das Management der r.e. hat seine Ergebnisziele drastisch nach unten korrigiert. Die Sanierung der Tochter wird laut einer eigenen Mitteilung der r.e. voraussichtlich zwei Jahre länger dauern als geplant. Das neue Zieldatum ist das Jahr 2030.
Die Baywa führt nun Gespräche mit Großaktionären und Banken über eine Änderung des Sanierungsplans. Kurzfristig will das Unternehmen eine Stillhaltevereinbarung abschließen, die dem Konzern eine Atempause bis Herbst 2026 verschaffen soll. „Der Vorstand geht davon aus, dass eine Einigung erreicht werden kann“, hieß es in der Mitteilung. Wie der geänderte Sanierungsplan aussehen könnte, teilte das Unternehmen nicht mit. Eigentlich sollte der Konzern bis Ende 2028 wieder auf finanziell soliden Füßen stehen.
Baywa geriet 2024 in Schieflage
Der größte deutsche Agrarhändler war 2024 nach missglückter internationaler Expansion in finanzielle Schieflage geraten. Das Unternehmen konnte die Zinsen seiner Milliardenschulden nicht mehr zahlen. Das Gesundungskonzept sieht im Wesentlichen vor, die in den 2010er Jahren auf Kredit gekauften beziehungsweise aufgebauten Töchter wieder zu verkaufen. Damit soll der Schuldenberg um vier Milliarden Euro verringert werden.
Die Veröffentlichung des Konzernabschlusses für 2025 wird sich möglicherweise bis ins vierte Quartal verzögern, teilte das Unternehmen mit. Die Baywa ist in Süd- und Ostdeutschland von großer Bedeutung für die Landwirtschaft. Der Konzern kauft einerseits Ernten an und beliefert die Bauern andererseits mit Landmaschinen, Saatgut und Dünger.
