Krisendestillation Winzer dürfen überschüssigen Wein zu Industriealkohol verarbeiten lassen

Die EU fördert die Destillation von überschüssigem Wein aus Württemberg und Rheinhessen zu Industriealkohol. Dafür stehen 14,16 Millionen Euro bereit. Der gewonnene Alkohol darf allerdings nicht in Lebensmitteln oder Getränken verwendet werden.

Mittwoch, 22. Juli 2026, 09:35 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Das Anbaugebiet Württemberg gilt als besonders betroffen: Rund 65 Prozent der dort angebauten Rebsorten sind Rotweinsorten, für die die Krisendestillation vorgesehen ist. Bildquelle: Getty Images

Winzer aus Württemberg und Rheinhessen können ihre überschüssigen Weine künftig zu Industriealkohol destillieren lassen und erhalten dafür eine finanzielle Förderung. Die EU-Kommission habe einem entsprechenden deutschen Antrag zugestimmt, teilte das rheinland-pfälzische Weinbauministerium mit.

Hintergrund ist der seit Jahren rückläufige Weinkonsum in Europa. Das Angebot an Wein übersteigt laut dem Ministerium deutlich die Nachfrage. Als Gründe gelten demnach die Inflation, eine alternde Gesellschaft, veränderte Konsumgewohnheiten und ein stärkerer Preisfokus der Verbraucher.

Für die sogenannte Krisendestillation von Rot- und Roséweinen erhalten Winzer den Angaben zufolge 43 Cent pro Liter sowie zusätzlich 16 Cent pro Liter für Logistik- und Brennkosten. Die EU stelle dafür insgesamt 14,16 Millionen Euro bereit, was einer Höchstmenge von rund 24 Millionen Litern entspreche. Zugelassen seien Weine des Jahrgangs 2025 und älter.

Deutsches Weininstitut sieht Württemberg besonders betroffen

Der gewonnene Alkohol darf laut dem Ministerium ausschließlich für industrielle Zwecke verwendet werden – etwa für Desinfektionsmittel oder zur Energiegewinnung. Eine Nutzung in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sei nicht zulässig. Damit wolle man Wettbewerbsverzerrungen vermeiden.

Das Weinanbaugebiet Württemberg ist nach Angaben des Deutschen Weininstituts das viertgrößte in Deutschland. 65 Prozent der dort angebauten Sorten sind demnach rote Rebsorten, die von der Maßnahme besonders betroffen sind.

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