Viele Menschen begreifen Essen als Pause, Belohnung und ein Stück Lebensqualität im Alltag – auch und gerade im Job. Gleichzeitig stehen viele vor einer Herausforderung: Sie wollen genießen, sich zugleich bewusst ernähren und dabei ihr Budget im Blick behalten. Wie diese Erwartungen das Essverhalten prägen, zeigt eine aktuelle Yougov-Befragung im Auftrag von Sodexo Deutschland.
Yougov Deutschland hat im Auftrag von Sodexo Services das Essverhalten in Deutschland erforscht. Befragt wurden insgesamt 1.009 Arbeitnehmende in einer Online-Befragung im Yougov Panel Deutschland. Befragungszeitraum war der 21. bis 26. April 2026.
Faktor Nachhaltigkeit spielt relativ geringe Rolle
Ein zentrales Ergebnis: Der Geschmack ist entscheidend. Für 63 Prozent der Befragten ist er der wichtigste Faktor bei der Essenswahl. Gesundheit folgt mit 45 Prozent, bleibt aber klar nachgeordnet. Der Preis spielt für 42 Prozent eine Rolle und hat insbesondere in einkommensschwächeren Haushalten eine hohe Bedeutung. Der Faktor Nachhaltigkeit spielt im Vergleich eine geringere Rolle und beeinflusst die Essenswahl insgesamt nur bei rund jedem Zehnten spürbar.
Fertigprodukte als gezielt gewählter Genussmoment
In diesem Kontext zeigt sich ein differenziertes Bild. Zwar haben 33 Prozent der Befragten eigenen Angaben zufolge den Konsum von Fertigprodukten im vergangenen Jahr reduziert, gleichzeitig bleiben gerade diese ein fester Bestandteil von Genussmomenten. Wenn Menschen Essen genießen wollen, greifen 35 Prozent auf Gerichte wie Tiefkühlpizza, Pommes oder salzige Snacks zurück sowie 22 Prozent auf Süßes beziehungsweise Desserts. Dieses Paradoxon zeigt: Fertigprodukte verlieren zwar an Bedeutung im Alltag, bleiben aber emotional als bewusste Ausnahmekategorie bestehen, weniger als Routine, sondern als gezielt gewählter Genussmoment.
Mittagessen bei Jüngeren wichtiger Tagesanker
Am Arbeitsplatz zeigt sich: Verpflegung hat für Beschäftigte eine sehr unterschiedliche Bedeutung. 41 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen das Mittagessen im Arbeitsalltag wichtig ist, während 32 Prozent ihm weniger Bedeutung beimessen. Besonders ausgeprägt ist die Wichtigkeit bei jüngeren Erwerbstätigen: Mehr als die Hälfte (52 Prozent bei den 18- bis 34-Jährigen) begreift das Mittagessen als wichtigen Tagesanker. Vor allem die junge Generation legt somit einen großen Wert auf das Verpflegungsangebot im Job. Auch zeigt sich: Mit steigendem Bildungsabschluss nimmt die Bedeutung des Mittagessens im Arbeitsalltag zu.
Individuelles Budget wird bedeutsamer
Gleichzeitig spielt das individuelle Budget eine immer größere Rolle. 31 Prozent der Befragten sagen, sie nutzen die Essensangebote am Arbeitsplatz nicht aufgrund des Preises. Die Schmerzgrenze für ein Mittagessen im Betriebsrestaurant liegt daher bei 6,99 Euro. Danach fallen die Akzeptanzwerte stark. Damit sind die Befragten etwas preissensitiver geworden: Akzeptierten im Jahr 2024 noch 80 Prozent der Befragten einen Preis von maximal 6,99 Euro, sind es diesmal nur 78 Prozent.
Christian Niemeyer, Head of Food bei Sodexo Deutschland, kommentiert: „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich Ernährung im Alltag sowie im Job in einem Spannungsfeld bewegt: Menschen wollen gleichzeitig genießen, sich bewusst ernähren und dabei faire Preise bezahlen. Diese Erwartungen lassen sich nicht isoliert bedienen. Genau darin liegt die Herausforderung für Foodservice-Anbieter. Wer heute erfolgreich sein will, muss diese Faktoren zusammenbringen – nicht nacheinander, sondern in einem Angebot. Denn Verpflegung im Arbeitsumfeld ist längst ein Teil der Employee Experience und damit ein wichtiger Faktor für Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit und Bindung.“
Das eine typische Essverhalten gibt es nicht
Die Befragung zeigt dabei vor allem eines: Es gibt nicht das eine typische Essverhalten. Vielmehr sind die Erwartungen, Routinen und Entscheidungslogiken so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Um diese Vielfalt besser greifbar zu machen, hat Sodexo Deutschland auf Basis der Ergebnisse vier typische Profile identifiziert.
Die Profile basieren nicht auf einer statistischen Segmentierung, sondern auf einer qualitativen Verdichtung des Antwortverhaltens. Sie sind damit als interpretative Profile zu verstehen, ohne den Anspruch zu erheben, trennscharfe oder vollständig homogene Gruppen abzubilden.
Profiltyp „Urbaner Genussmaximierer“
Der „urbane Genussmaximierer" ist überdurchschnittlich jung, meist unter 40 Jahre alt, häufiger männlich, lebt oft allein und eher in urbanen Räumen. Für ihn ist Essen eng mit Genuss, Belohnung und Emotion verbunden. Wenn er sich etwas gönnt, greift er gezielt zu Komfortgerichten wie Pizza, Snacks oder Süßem. Gesundheit spielt zwar eine Rolle, steht aber selten im Vordergrund seiner Entscheidungen. Gleichzeitig nutzt er Essen auch als mentalen Ausgleich im Arbeitsalltag.
Profiltyp „Preisgetriebene Pragmatikerin“
Die „preisgetriebene Pragmatikerin" hingegen trifft ihre Entscheidungen vor allem entlang von Budget und Alltagstauglichkeit. Sie verfügt über ein eher niedriges Einkommen, befindet sich häufig im mittleren Alter zwischen 30 und 55 Jahren und lebt tendenziell eher ländlich. Für sie ist der Preis der dominierende Entscheidungsfaktor beim Essen. Entsprechend nutzt sie Essensagebote am Arbeitsplatz seltener, wenn sie diese als zu teuer wahrnimmt. Bei Zeitmangel greift sie häufig zu schnellen und einfachen Lösungen.
Profiltyp „Gesundheitsorientierte Selbstoptimiererin“
Die „gesundheitsorientierte Selbstoptimiererin“ legt großen Wert auf bewusste Ernährung. Sie verfügt über einen höheren Bildungsabschluss, lebt eher in urbanen Räumen und hat ein mittleres bis höheres Einkommen. Sie legt großen Wert auf natürliche Zutaten sowie Transparenz bei Lebensmitteln und reduziert aktiv den Konsum von Fleisch und verarbeiteten Produkten. Entsprechend ist ihr Konsum von Gemüse und Obst überdurchschnittlich hoch. Essen versteht sie im Arbeitskontext klar funktional: als Beitrag zu Energie, Leistungsfähigkeit und Self-Care (Selbstfürsorge).
Profiltyp „Routinierter Gewohnheitsesser“
Der „routinierte Gewohnheitsesser“ schließlich setzt auf Verlässlichkeit und Kontinuität. Er ist häufig älter als 50 Jahre, öfter männlich, lebt in festen Haushaltsstrukturen und ist eher in ländlichen Regionen zu finden. Für ihn hat das Mittagessen nur eine geringe Bedeutung als Erlebnis, vielmehr ist sein Essverhalten stark routiniert und von Gewohnheiten geprägt. Er probiert selten neue Gerichte bei der Arbeit und greift stattdessen bevorzugt auf Bekanntes zurück. Pflanzliche Alternativen steht er eher skeptisch gegenüber. Trends oder Empfehlungen spielen für ihn kaum eine Rolle, entsprechend bleiben seine Essgewohnheiten stabil und verändern sich nur wenig.