Bonner Wirtschafts-Akademie BWA-Chef warnt vor historischen Jobverlusten

Die Energie- und die KI-Krise werden zu einem Arbeitsplatzverlust historischen Ausmaßes in Deutschland führen, warnt die Bonner Wirtschafts-Akademie (BWA). Die Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), wonach die Unternehmen noch 2026 fast 30 Prozent aller Stellen streichen wollen, sei erst der Anfang, So bewertet BWA-Geschäftsführer Harald Müller (Foto) die Entwicklung.

Freitag, 03. Juli 2026, 09:45 Uhr
Thomas Klaus
Langjähriger Experte: Harald Müller ist Geschäftsführer: BWA Akademie („Consulting, Coaching, Careers“). Bildquelle: BWA

Geschäftsführer Harald Müller von der Bonner Wirtschafts-Akademie skizziert eine düstere Zukunft: „Die Kombination aus Energie- und KI-Krise wird Hunderttausende von Arbeitsplätzen sowohl in der Industrie als auch im Büro vernichten.“ Diese Entwicklung komme noch „on top“ auf die Jobverluste in der Automobil­industrie, heißt es bei der BWA. Mit dem Begriff „KI-Krise“ umschreibt die Bonner Wirtschafts-Akademie die rasant zunehmende Übernahme von Büroarbeitsplätzen durch KI-Systeme und von Industriejobs durch eine künftige Generation humanoider Roboter.

US-Umfrage mit deutlichen Hinweisen

BWA-Chef Harald Müller verweist auf eine aktuelle Umfrage der Beratungsfirma Mercer in den USA unter rund 1.000 CEOs, wonach 99 Prozent Einschnitte beim Personal aufgrund von Künstlicher Intelligenz erwarten. Die befragten Firmenchefs schätzen, dass derzeit etwa die Hälfte der Arbeitsleistung in ihren Unternehmen ausschließlich von Personal ohne KI-Unterstützung erbracht wird. In den kommenden Jahren soll dieser Anteil nach KI-Einführung und dem damit verbundenen Personalabbau auf etwa 35 Prozent sinken.

„Zwei Drittel der Arbeitsplätze, die nicht der Rationalisierung zum Opfer fallen, werden mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet“, fasst Müller zusammen. Er befürchtet: „Wir werden eine ähnliche Entwicklung auch in Deutschland erleben.“

Müller: Firmen unterschätzen Angstfaktor

Für den „Global Talent Trends 2026“-Report wurden rund 12.000 Teilnehmer befragt. Darunter waren nicht nur CEOs, sondern auch personal­verantwortliche Beschäftigte. Demzufolge steigt die Angst vor der KI-Krise. Während sich 2024 noch 28 Prozent der Beschäftigten durch Künstliche Intelligenz bedroht fühlten, sind es inzwischen 40 Prozent.

„Der Angstfaktor wird in den Firmen völlig unterschätzt“, hat Harald Müller in Gesprächen mit zahlreichen Personalverantwortlichen festgestellt. Er erläutert die Zusammenhänge: „Wir stellen zusehends einen passiven Widerstand gegen KI in den Belegschaften fest, weil sie befürchten, sich selbst wegzurationalisieren. Diese Unsicherheit führt dazu, dass KI-Projekte häufig nicht an der Technik scheitern, sondern an fehlender Akzeptanz innerhalb der Arbeitnehmerschaft. Transparente Kommunikation, betriebliche Qualifizierungsoffensiven und die aktive Einbindung der Betroffenen stellen entscheidende Voraussetzungen für eine erfolgreiche KI-Transformation dar.“

Appell an Gewerkschaften

BWA-Geschäftsführer Harald Müller appelliert an Politik und Gewerkschaften, den Wandel der Arbeitswelt durch Künstliche Intelligenz aktiv mitzugestalten und nicht allein der Wirtschaft zu überlassen. „Die absehbaren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt werden gewaltig sein und bedürfen einer politischen Antwort“, sagt der Chef der Bonner Wirtschafts-Akademie.

Den Gewerkschaften empfiehlt er, sich in die KI-Transformation zukunftsgewandt zu involvieren. „Eine bloße Abwehr­haltung wird nicht zum Erfolg führen“, mahnt Harald Müller, und begründet: „Eine verzögerte KI-Einführung in der deutschen Wirtschaft wird letztlich die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen beeinträchtigen und am Ende zu noch höheren Arbeitsplatzverlusten führen.“

Verstärkte Abwanderung durch hohe Energiekosten

Vielmehr gelte es, den „Spagat zwischen demografischem Wandel und KI-Einführung hinzukriegen.“ Konkret: „Wenn die Baby Boomer in Rente gehen und der Fachkräftemangel weiter zunimmt, eröffnet Künstliche Intelligenz die Chance, diesen Verlust an Arbeitskraft auszugleichen, ohne Produktivität zu verlieren.“

Harald Müller gibt zu bedenken, dass bis 2036 voraussichtlich beinahe 20 Millionen Beschäftigte der Babyboomer-Generation aus dem Erwerbsleben ausscheiden werden. Gleichzeitig rückten schätzungsweise nur etwa 12 Millionen jüngere Arbeitskräfte nach. Er sagt: „KI kann helfen, diese Lücke auszugleichen.“

Allerdings würden vor allem die hohen Energiekosten in Deutschland zu einer verstärkten Abwanderung des Produzierenden Gewerbes ins Ausland führen, die von der KI-Entwicklung nicht kompensiert werden könne, sondern im Gegenteil in ihren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt verstärkt werde, weist der BWA-Geschäftsführer auf die Zusammenhänge zwischen Energie- und KI-Krise hin. „Der Arbeitsmarkt steht im Feuer“, sagt er, „und das ist erst der Anfang.“

Humanoide Roboter werden immer größerer Faktor

Eine aktuelle Studie der Bonner Wirtschafts-Akademie gemeinsam mit der Gewerkschaft IGBCE kommt zu dem Schluss, dass die sogenannte „Physical AI“ (KI in der realen Welt) auf dem Vormarsch ist. Darunter versteht man humanoide Roboter, die viele körperliche Arbeiten übernehmen könnten.

Laut Umfrage gehen 62 Prozent der Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter davon aus, dass in Zukunft humanoide KI-Roboter, also dem Menschen nachkonstruierte und mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Maschinen, selbstständig betriebliche Aufgaben planen und ausführen können. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Befragten erwarten diese Entwicklung innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Die BWA Akademie („Consulting, Coaching, Careers“) ist seit über 25 Jahren unter der Geschäftsführung von Harald Müller und Astrid Orthmann am Markt vertreten. Sie sieht sich als Spezialist für Personalentwicklung, Outplacement, Personalberatung und Training sowie für Arbeitsmarktprogramme wie Beschäftigtentransfer. Die BWA Akademie versteht sich als neutraler Vermittler zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften zum Vorteil der Arbeitnehmer.

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