Konsumverhalten Menschen in Deutschland sparen an Schnittblumen

Die Menschen in Deutschland haben im vergangenen Jahr fast 10 Prozent weniger Schnittblumen gekauft als im Vorjahr. Ökonomen sehen darin ein Zeichen wirtschaftlicher Unsicherheit. Gleichzeitig steigen die Preise für Sträuße deutlich. 

Donnerstag, 30. April 2026, 11:03 Uhr
Manuel Glasfort (mit dpa)
Zuletzt deutlich weniger begehrt: Schnittblumen zählen zu den Konsumgütern, an denen die Deutschen 2025 gespart haben. Bildquelle: Getty Images

Die Menschen in Deutschland kauften 2025 deutlich weniger Schnittblumen. Die Menge sank im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent, wie Zahlen des Marktforschungsunternehmens Yougov zeigen. Käufer griffen im Schnitt 6,2-mal zu Sträußen oder einzelnen Stielen und damit seltener als 2024 mit 6,5-mal. Zudem kauften weniger Menschen Blumen.

Süptitz: Sparneigung auf hohem Niveau

Die Zahlen umfassen neben einzelnen Schnittblumen auch Kränze, Gestecke, Gebinde, Trockenblumen sowie Mono- und Mischsträuße. Ein Strauß zählt als eine Einheit. Abgebildet sind ausschließlich private Käufe. Die Mengen sinken bereits seit einigen Jahren. 2025 lag die Zahl der gekauften Schnittblumen 19 Prozent unter dem Niveau von 2022. Die Absätze gingen im Lebensmittelhandel sowie im Blumenfachhandel zuletzt in ähnlicher Höhe zurück.

Yougov-Marktforscherin Petra Süptitz sieht mehrere Gründe für den Rückgang. „Wir leben in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Die Sparneigung liegt auf hohem Niveau. Die Menschen hinterfragen beim Einkaufen, was sie wirklich brauchen“, zitierte die Nachrichtenagentur dpa die Marktforscherin. Schnittblumen seien etwas, was man sich gönne oder für andere kaufe, wenn man ihnen eine Freude machen wolle. „Aber man braucht sie nicht unbedingt, sie sind verzichtbarer Luxus“, sagte Süptitz.

Betriebe geben höhere Kosten weiter

Steigende Preise verstärken die Entwicklung. 2025 kostete ein Bund im Schnitt 7,26 Euro, im Vorjahr 6,59 Euro. „Die Teuerung der Betriebsmittel wie Energie, Transport und Arbeitskraft wirkt ebenso stark auf die Produktionskosten ein wie die Preissteigerungen bei Dünger und Pflanzenschutzmaßnahmen“, sagte Britta Tröster, Marktanalystin der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, laut dpa. Die Betriebe seien gezwungen, höhere Produktionskosten weiterzugeben. Andrea Kirchhoff vom Verband des Deutschen Blumen-, Groß- und Importhandels nannte weitere Gründe: Die Produktionsfläche von in Deutschland produzierten Schnittblumen nehme immer weiter ab, das erhöhe die Notwendigkeit von Importen. Sie verwies auf erhöhte Transportkosten sowie auf die in Krisenzeiten zunehmende Konkurrenz um Transportkapazitäten.

Blumen verschwinden aus täglicher Wahrnehmung

Die sinkende Nachfrage hat laut Kirchhoff weitere Ursachen wie die demografische Entwicklung sowie das Verschwinden von Blumen aus der täglichen Wahrnehmung. Dies sei auch auf den Rückgang von Blumengeschäften und öffentlichen Blumendekorationen zurückzuführen. Nach Angaben des Fachverbandes Deutscher Floristen gibt es in Deutschland derzeit etwa 8.000 Blumenläden, vor zehn Jahren waren es noch rund 12.000.

Die meisten Schnittblumen werden den Marktforschern zufolge in Supermärkten und Discountern gekauft. Der Mengenanteil lag zuletzt bei etwa zwei Dritteln, der Rest entfällt unter anderem auf Blumenläden, Gartencenter und Tankstellen. Die Absätze gingen im Lebensmittelhandel sowie im Blumenfachhandel laut Yougov zuletzt in ähnlicher Höhe zurück.

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