Non-Food-Discounter wie Action, Tedi und Woolworth verdrängen in Deutschland zunehmend den klassischen Fachhandel. Das geht aus einer Auswertung des Handelsforschungsinstituts IFH Köln hervor. „Non-Food-Discounter rücken für viele Konsumenten zunehmend in den Mittelpunkt ihres Alltags“, sagte IFH-Experte Ralf Deckers. Die Ketten ersetzten in zahlreichen Produktbereichen bereits andere Einkaufsstätten und nähmen dem Fachhandel Geschäft weg.
Laut einer repräsentativen IFH-Umfrage unter rund 500 Menschen ab 18 Jahren kauften 85 Prozent der Befragten in den vergangenen zwei Jahren bei Non-Food-Discountern ein. Besonders gefragt waren demnach Dekorationsartikel, Schreib- und Spielwaren sowie Haushaltswaren. Jeder zweite Käufer gab an, dort Produkte zu erwerben, die er bei einem teureren Anbieter nicht kaufen würde. Fast jeder Dritte betrat eine Filiale, ohne etwas Bestimmtes zu benötigen. Als zentralen Grund für den Erfolg der Discounter nannte IFH-Experte Deckers die günstigen Preise und das ausgeprägte Preisbewusstsein der Kunden. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass ihnen die Preissteigerungen Angst machten.
Die Folgen treffen den dpa-Angaben zufolge auch die Baumärkte. Bei Werkzeug, Gartengeräten und Haushaltswaren sanken die Erlöse 2025 laut Branchenverband BHB um jeweils rund 4 Prozent. Die Branche verzeichnete damit das dritte Umsatzminus in Folge. Branchenexperte Klaus Peter Teipel schätzt, dass allein Action, Woolworth und Tedi im Bau- und Gartenmarktsortiment 2025 rund 1,4 Milliarden Euro umsetzten – knapp dreimal so viel wie 2020. „Action mutiert ein bisschen zu einer Art Baumarkt light“, sagte Teipel laut dpa.
Fachhandel schrumpft, Insolvenzen steigen
Insgesamt bauten die Non-Food-Discounter ihren Marktanteil im Einzelhandel zwischen 2006 und 2024 laut IFH Köln von unter 14 auf knapp 18 Prozent aus. Der Anteil des nicht-filialisierten Fachhandels sank im selben Zeitraum von gut 25 auf knapp 12 Prozent. Die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel erreichte den höchsten Stand seit zehn Jahren: Der Kreditversicherer Allianz Trade zählte im vergangenen Jahr 2.571 Fälle. Auch Fachhändler gerieten in Schwierigkeiten – die Unternehmensgruppe Brüder Schlau mit der Fachmarktkette Hammer stellte im Juni 2025 einen Insolvenzantrag und Anfang 2026 erneut. Der Dekohändler Depot schloss insolvenzbedingt einen großen Teil seiner Filialen.
Zusätzlichen Druck erzeugen dem Bericht zufolge asiatische Onlineplattformen wie Temu und Shein. Das Forschungsinstitut IW Consult ermittelte im Auftrag des Handelsverbands Deutschland, dass dem deutschen Einzelhandel dadurch jährlich Umsätze von 2,5 Milliarden Euro entgehen. Laut einer Prognose des Handelsverbands dürfte die Zahl der Geschäfte in Deutschland in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken. „Mit dem Niedergang der kleineren Fachhändler verlieren viele Innenstädte ihre Unverwechselbarkeit und damit ihr Herz“, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.