Tierhaltung Verbände wollen Ausweiten der Kennzeichnung verhindern

Ein breites Verbändebündnis aus Gastronomie, Industrie, Handwerk und Gemeinschaftsverpflegung lehnt eine verpflichtende Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung sowie auf verarbeitete tierische Lebensmittel entschieden ab. Zum Bündnis gehört unter anderem das Deutsche Tiefkühl-Institut.

Dienstag, 28. April 2026, 10:40 Uhr
Thomas Klaus
Fleisch mit guter Herkunft schmeckt am besten, doch die Ausweitung der Haltungskennzeichnung stößt auf Kritik. Bildquelle: Getty Images

Ein breites Verbändebündnis aus Gastronomie, Industrie, Handwerk und Gemeinschaftsverpflegung hat sich mit einem Positionspapier zur geplanten Änderung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes an politische Entscheidungsträger in Bund und Ländern gewandt. Darin lehnen die Verbände eine verpflichtende Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung sowie auf verarbeitete tierische Lebensmittel entschieden ab.

Verbraucher würden stärker belastet

In dem Papier wird argumentiert: Die neuen Kennzeichnungspflichten würden die Unternehmen mit erheblichen zusätzlichen Kosten und bürokratischem Aufwand belasten, die letztlich an die Verbraucher weitergegeben werden müssten. Besonders betroffen wären Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung in Schulen, Kitas, Mensen oder Kliniken. Die höheren Preise träfen so vor allem Familien und Senioren. Das Informationsbedürfnis von Verbrauchern nach Tierhaltungsformen sei beim Verzehr außer Haus zudem sehr gering ausgeprägt. Nach Auffassung des Bündnisses stehen für die Gäste vor allem Preis und Geschmack der Speisen im Mittelpunkt.

Unternehmen droht neue Bürokratiewelle

Das Verbändebündnis unterstützt ausdrücklich bessere Tierwohlstandards und eine starke heimische Landwirtschaft. Viele Unternehmen engagierten sich seit Jahren mit eigenen Programmen und in bestehenden Brancheninitiativen beim Aufbau höherer Tierhaltungsformen, heißt es. Aber die neue Kennzeichnungspflicht in Deutschland schaffe nicht mehr Tierwohl, sondern sorge vor allem für mehr Bürokratie.

Konkret prognostiziert das Bündnis: Um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, wäre der Aufbau neuer IT-Systeme bei Herstellern, Händlern und Gastronomen erforderlich; eine lückenlose Chargenrückverfolgung getrennt nach Tierhaltungsformen müsste eingerichtet werden. Dies würde auch eine getrennte physische Lagerung sowie laufende Anpassungen von Speisekarten, Apps und Bestellsystemen mit umfangreichen Dokumentationspflichten erfordern. In den Betrieben würde dies dauerhaft Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe auslösen. Insbesondere kleine und mittelständische Betriebe könnten diese zusätzlichen Belastungen in der bereits jetzt stark angespannten wirtschaftlichen Lage kaum stemmen.

Felanreize beim Tierwohl befürchtet

Aus Sicht des Bündnisses steht die geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung daher im klaren Widerspruch zu den politischen Zusagen, den Bürokratieaufwand für die Unternehmen abzubauen.

Statt höhere Tierhaltungsformen zu stärken, könnte die Reform nach Auffassung des Verbändebündnisses sogar gegenteilige Effekte auslösen. Wenn Rohwaren, Logistik und betriebliche Prozesse teurer werden, könnten Betriebe aus wirtschaftlichem Druck verstärkt auf günstigere Produkte niedrigerer Haltungsformen ausweichen. Die Ausweitung der Kennzeichnungspflicht würde somit das Gegenteil des Gewollten bewirken und freiwillige Fortschritte beim Tierwohl ausbremsen.

Dialog mit allen Beteiligten gefordert

Das Verbändebündnis appelliert an die Entscheidungsträger, jetzt schnell zu handeln, die Ausweitung der verpflichtenden Tierhaltungskennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung sowie auf verarbeitete tierische Lebensmittel nicht weiterzuverfolgen und aus dem Gesetzentwurf zu streichen. Statt neuer Bürokratie sollten im Dialog mit allen Beteiligten in den Wertschöpfungsketten der Gastronomie praxistaugliche Lösungen und gezielte Anreize für mehr Tierwohl im Dialog erarbeitet werden.

Zu den Unterzeichnern gehören der Bundesverband der Systemgastronomie, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband,  das Deutsche Institut für Gemeinschaftsgastronomie, der Deutsche Fleischer-Verband, das Deutsche Tiefkühlinstitut der Großhandelsverband Foodservice und der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.

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