Der Fischmarkt in Hamburg an jedem Sonntag ab 5 Uhr ist eine touristische Attraktion, aber auch für viele Einheimische eine reizvolle Einrichtung. Doch der frühe Beginn steht nun auf dem Prüfstand. Denn die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen erwägen geänderte Öffnungszeiten. So wollen sie auch andere Zielgruppen als Nachtschwärmer zu dem seit mehr als 300 Jahren bestehenden Markt locken und die wirtschaftliche Grundlage des Marktes langfristig sichern. Über einen entsprechenden Prüfantrag, der noch weitere Vorschläge macht, soll die Hamburgische Bürgerschaft am 6. Mai entscheiden.
Lorenzen: Vielfalt als Chance
Wenn um 5 Uhr morgens kaum Besucher vor Ort seien, sollten wir prüfen, ob ein späterer Start des Fischmarkts sinnvoll sei. Das sagte der tourismuspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Arne Platzbecker.
Und sein Grünen-Kollege Dominik Lorenzen betonte, hätten sich früher auf dem Fischmarkt vorrangig Menschen aufgehalten, die frühmorgens nach dem Feiern noch ein Fischbrötchen wollten, kämen heute immer mehr Touristen aus aller Welt, Tagesgäste und Familien aus der Umgebung. Diese Vielfalt sei eine große Chance, die unbedingt genutzt werden sollte. Dafür brauche es aber eine moderne Infrastruktur, zusätzliche Aufenthaltsqualität und passende Marktzeiten.
Fischmarkt existiert seit 1703
Wie Platzbecker erläuterte, wollen SPD und Grüne die vorhandenen Stärken sichern und gezielt weiterentwickeln, damit der Fischmarkt auch künftig ein lebendiger Anziehungspunkt bleibe. Auch die Organisation des Marktbetriebs müsse sich an veränderte Besucherströme anpassen, so der SPD-Politiker.
Der Hamburger Fischmarkt gegenüber der Fischauktionshalle existiert seit dem Jahr 1703. Bereits seit dem frühen 18. Jahrhundert wurden nach Angaben der Stadt auf dem Altonaer Fischmarkt neben Fisch auch Obst, Gemüse und Pflanzen verkauft. Dass der Markt auch sonntags früh geöffnet ist, liege daran, dass der frische Fisch bereits morgens vor dem Kirchgang in die herrschaftlichen Küchen gelangen sollte.
Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind die Marktschreier, die lautstark und in deutlicher Sprache ihre Produkte feilbieten. Zu den bekanntesten von ihnen zählt Aale-Dieter, der erstmals im Juni 1959 Fisch – vor allem Aale und Lachs – auf dem Fischmarkt verkaufte und es mit seinen Sprüchen zu bundesweiter Prominenz schaffte.