Tarifpolitik Erste Tarifrunde im hessischen Einzelhandel endet ergebnislos

Die erste Verhandlungsrunde für die 240.000 Beschäftigten im hessischen Einzel- und Versandhandel ist ohne Ergebnis geblieben. Die Arbeitgeber legten kein Angebot vor – Verdi fordert 250 Euro mehr pro Monat. Beide Seiten streiten über die wirtschaftliche Lage der Branche.

Dienstag, 28. April 2026, 10:49 Uhr
Manuel Glasfort
Die Interessen der Arbeitnehmerseite vertritt in den hessischen Tarifgesprächen des Einzelhandels die Gewerkschaft Verdi. Bildquelle: Getty Images

Die erste Tarifverhandlung für die rund 240.000 Beschäftigten im hessischen Einzel- und Versandhandel ist ohne Ergebnis geblieben. Beide Seiten trennten sich am Montag in Frankfurt am Main nach zwei Stunden ohne Einigung. Die Arbeitgeberseite legte kein Angebot vor. Die Verhandlungen sollen am 18. Mai fortgesetzt werden.

Die Gewerkschaft Verdi fordert eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 250 Euro pro Monat je Entgeltgruppe sowie 150 Euro mehr an Ausbildungsvergütung pro Monat und Lehrjahr. Die geforderte Laufzeit beträgt zwölf Monate. Bezogen auf das Verkäuferendgehalt entspräche die Forderung laut dem Handelsverband Hessen einer Steigerung von annähernd 8 Prozent.

Verdi-Verhandlungsführer Marcel Schäuble kritisierte das Ausbleiben eines Angebots scharf. „Das ist ein Affront gegenüber den Beschäftigten und unangemessen angesichts der enormen Belastungen“, zitierte ihn die Gewerkschaft in einer Mitteilung. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sei für viele Beschäftigte in der Branche bereits kaum mehr finanzierbar. Schäuble verwies darauf, dass der hessische Einzelhandel im Jahr 2025 ein Umsatzplus von 5 Prozent erwirtschaftet habe.

Handelsverband Hessen verweist auf steigende Kosten

Die Arbeitgeberseite zeichnete ein anderes Bild der wirtschaftlichen Lage. „Der hessische Handel wird von vielen mittelständischen, inhabergeführten Unternehmen getragen. Die Kosten steigen seit Jahren spürbar, während die Umsätze nicht Schritt halten“, erklärte Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen, laut einer Mitteilung des Verbands. Eine Umfrage des Handelsverbands unter seinen Mitgliedsunternehmen ergab demnach, dass bei knapp 70 Prozent der Betriebe die Kosten im Jahr 2025 um 6 bis 15 Prozent gestiegen seien. Als größte Kostentreiber nannten die Unternehmen demnach Personal und Energie.

Nico Lehm, Vorsitzender der Tarifkommission in Hessen, betonte laut der Mitteilung des Verbands, die Arbeitgeber seien an einer schnellen Lösung interessiert, bräuchten aber eine unter den wirtschaftlichen Bedingungen tragbare Einigung. Er bemängelte eine begrenzte Gesprächsbereitschaft auf Gewerkschaftsseite.

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