Die Warenhauskette Galeria steckt offenbar erneut in Schwierigkeiten. Mehrere Vermieter beklagen laut einem Bericht der „Immobilien Zeitung“ ausgebliebene Mietzahlungen für den Monat April. Auch ein Sprecher der Commerz Real, Eigentümerin der Immobilie am Berliner Alexanderplatz, bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die April-Miete bislang nicht gezahlt worden sei. „Wir beobachten das mit Sorge. Bisherige Kontaktversuche sind ins Leere gelaufen“, zitierte die dpa den Sprecher. Ein weiteres Unternehmen erklärte demnach, die Miete sei nicht pünktlich und vollständig eingegangen. In einigen Fällen soll Galeria Berichten zufolge um eine Stundung gebeten haben.
Das Unternehmen selbst äußerte sich nicht zu den Vorwürfen und verwies lediglich darauf, interne Vertragsdetails sowie laufende Gespräche nicht zu kommentieren. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rät nach Angaben eines Sprechers weiterhin von Krediten für Galeria ab. Der Bonitätsindex des Unternehmens liege bei 500 – auf einer Skala, die dem Schulnotensystem ähnelt und bei der 600 den schlechtesten Wert darstellt.
Galeria hatte Anfang 2024 zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz angemeldet. Gründe waren unter anderem die finanzielle Schieflage des Mutterkonzerns Signa und hohe Mietkosten. Am Ende des Verfahrens schloss die Kette neun von 92 Standorten. Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die neuen Eigentümer kündigten Investitionen von bis zu 100 Millionen Euro in den folgenden zwei bis drei Jahren an. Im Herbst 2025 erklärte Geschäftsführer Christian Sailer, erstmals seit mehr als zehn Jahren sei wieder ein Geschäftsjahr operativ profitabel abgeschlossen worden. „Das unterstreicht die Stabilität unseres neuen Geschäftsmodells und zeigt: Galeria funktioniert wieder aus eigener Kraft“, zitierte das Unternehmen Sailer in einer Mitteilung. Zum Jahresende 2025 berichtete die „Textilwirtschaft“ allerdings, dass sich die Geschäftslage verschlechtert habe und Umsatz sowie Gewinn eingebrochen seien.
Handelsexperte Berentzen warnt vor vierter Insolvenz
Im März 2026 kündigte Galeria an, die Mietverträge von acht Standorten neu verhandeln zu wollen – darunter Filialen in München, Berlin, Köln, Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Sollten die Verhandlungen scheitern, drohten Schließungen.
Handelsexperte Johannes Berentzen von der Beratung BBE sieht zwar positive Ansätze wie gesunkene Mieten und Partnerschaften etwa mit Lidl oder Decathlon. „Doch ohne ausreichend Investitionskapital lässt sich ein Kaufhaus nicht transformieren – das rächt sich jetzt“, sagte er laut dpa. Eine vierte Insolvenz sei „eine reale Gefahr“. Auch Jörg Funder von der Hochschule Worms sieht die Lage kritisch: Am Konzept habe sich kaum etwas verändert, aus den gescheiterten Sanierungen sei wenig gelernt worden. Dennoch sieht er im deutschen Markt Potenzial für 45 bis 50 Filialen eines zentralisierten Warenhauses.
Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Unternehmensführung. Vorstandsmitglied Silke Zimmer erklärte, seit mehr als zehn Jahren kämpften die Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze und faire Löhne. Gemeinsam mit ihnen müsse ein tragfähiges Zukunftskonzept erarbeitet werden.