Gesundheitspolitik Suchtforscher fordern höhere Alkoholsteuern

Deutschland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Alkoholkonsum in Europa – und hat zugleich eine der lockersten Alkoholgesetzgebungen. Suchtforscher fordern nun deutlich strengere Regeln, etwa höhere Steuern auf Bier und Wein. Besonders auffällig: Junge und gebildete Frauen trinken heute mehr als noch vor Jahrzehnten.

Donnerstag, 16. April 2026, 09:56 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Obwohl die Deutschen inzwischen weniger Alkohol trinken als noch vor Jahrzehnten, mahnen Mediziner mehr Maß an. Warum Suchtforscher auch die Politik am Zug sehen. Bildquelle: Getty Images

Suchtforscher fordern strengere Regeln für den Verkauf von Alkohol in Deutschland. Wie aus dem aktuellen Jahresbericht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen hervorgeht, gehört Deutschland zu den Ländern mit dem höchsten Alkoholkonsum in Europa – bei gleichzeitig einer der am wenigsten restriktiven Alkoholgesetzgebungen auf dem Kontinent. Im Durchschnitt tranken die Deutschen im Jahr 2024 den Angaben zufolge etwa elf Liter reinen Alkohol pro Kopf und lagen damit über dem europäischen Durchschnitt.

Die Mitautorin des Berichts, Carolin Kilian, die am National Institut of Public Health in Kopenhagen forscht, sieht vor allem in höheren Verbrauchsteuern einen wirksamen Hebel. So erhebe Deutschland keine Weinsteuer, und auch die Biersteuer sei sehr gering. „Wenn hier die Steuersätze steigen, ist das eine sehr einfache Maßnahme, die direkt und wirkungsvoll Verhaltensänderungen herbeiführen kann“, zitierte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen die Forscherin in der Mitteilung. Darüber hinaus nannte Kilian Einschränkungen bei der ständigen Verfügbarkeit von Alkohol sowie Marketingverbote als mögliche Maßnahmen. Als konkretes Beispiel führte sie ein Verkaufsverbot von Alkohol an Tankstellen an – „zumindest ein Anfang“, so Kilian. Wissenschaftliche Belege aus Ländern wie Schweden oder Litauen zeigten laut Kilian, dass solche regulativen Maßnahmen den Konsum und die damit verbundenen negativen Folgen senken könnten.

Zwar ist der Alkoholkonsum in Deutschland insgesamt rückläufig, doch laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen stagniert der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum auf einem nach wie vor hohen Niveau. Zudem gelte der Rückgang nicht für alle Bevölkerungsgruppen. „Insbesondere junge und gebildete Frauen trinken heute eher mehr als noch vor 20 oder 30 Jahren“, erklärte Kilian. Auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen selbst beklagte „große Defizite in der Alkoholpolitik“.

WHO zählt bis zu 200 alkoholbedingte Krankheiten

Suchtmediziner betonen in dem Jahrbuch, dass Alkohol kein gewöhnliches Genussmittel sei. Schon gelegentliches Trinken erhöhe das Risiko für gesundheitliche Schäden. Laut der Weltgesundheitsorganisation steht Alkohol in Verbindung mit bis zu 200 verschiedenen Krankheiten. Etwa 44.000 Todesfälle pro Jahr ließen sich den Angaben zufolge auf Alkoholkonsum zurückführen.

Das Jahrbuch der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen bündelt Aufsätze zu verschiedenen Entwicklungen beim Konsum von Alkohol, Tabak, Cannabis, Medikamenten und illegalen Drogen. Neben der Alkoholpolitik kritisierten die Experten auch eine mangelhafte Tabakkontrollpolitik und verwiesen auf einen längerfristigen Anstieg beim Cannabiskonsum.

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