Timocom-Umfrage Fahrermangel belastet Logistikgeschäft

Knapp die Hälfte der befragten Logistikverantwortlichen bewertet die Lage im europäischen Straßengüterverkehr als gut. Doch die Stimmung bleibt nüchtern: Fahrermangel und reduzierte Kapazitäten belasten das Geschäft. Das zeigt eine Umfrage des IT-Unternehmens Timocom, deren Ergebnisse Gunnar Gburek (Foto), Head of Business Affairs, vorstellte.

Donnerstag, 05. März 2026, 11:47 Uhr
Thomas Klaus
Verhaltener Optimismus trifft auf strukturelle Hindernisse: Gunnar Gburek berichtet unter anderem von Kostendruck, der das Stimmungsbild dominiert. Bildquelle: Timocom

In einer Umfrage hat das IT-Unternehmen Timocom 200 Logistikverantwortliche um deren Einschätzung der aktuellen Marktlage gebeten. Die Ergebnisse zeichnen laut Gunnar Gburek, Head of Business Affairs, ein differenziertes Bild der derzeitigen Situation im europäischen Straßengüterverkehr.

Knapp jeder zweite Befragte aus Speditionen, Transportunternehmen sowie Industrie und Handel beurteilt die Lage als „eher gut“. 8,5 Prozent bewerten sie sogar als „sehr gut“. 41 Prozent stufen sie als „eher schlecht“ ein, nur ein Prozent als „sehr schlecht“. 

Angebotsseite bleibt angespannt

Dass die extremen Einschätzungen wie „sehr gut“ und „sehr schlecht“ nur im einstelligen Prozentbereich liegen, zeigt aus Sicht von Gburek: Das Gesamtbild sei weder von Dynamik noch von flächendeckender Skepsis geprägt. Vielmehr könne die aktuelle Marktphase als ungewiss mit strukturellen Herausforderungen gedeutet werden.

In den Begründungen der Befragungsteilnehmer für ihre Bewertung wird wiederholt auf eingeschränkte Laderaumverfügbarkeiten hingewiesen. Genannt werden unter anderem anhaltender Fahrermangel im Fernverkehr und reduzierte Kapazitäten im internationalen Transport.

Trotz konjunktureller Abkühlung bleibt die Angebotsseite damit angespannt. Eine deutliche Entlastung ist nicht zu erkennen. Vor allem die strukturellen Faktoren beeinflussen weiterhin Preisbildung, Disposition und Planungssicherheit im Tagesgeschäft.

„Die aktuellen weltpolitischen Ereignisse im Nahen Osten könnten mittelfristig zusätzliche Auswirkungen mit sich bringen, etwa auf Sprit- und Energiepreise sowie die globalen Lieferketten“, so Gunnar Gburek.

Nüchterne Marktbeurteilung statt Aufbruchsdynamik

Fast die Hälfte der ausgewerteten Einzelaussagen (48 Prozent) enthält explizit negativ eingefärbte Begriffe wie „angespannt“, „Rückgang“, „Mangel“ oder „Druck“. Demgegenüber stehen lediglich 10 Prozent klar positiv formulierte Einschätzungen wie „stabil“, „gut“ oder „solide“. Das Stimmungsbild zeigt damit nach Darstellung von Timocom keine Aufbruchsdynamik, sondern eine nüchterne Marktbeurteilung. Die Lage werde mehrheitlich als tragfähig eingeschätzt, zugleich aber operativ als kostenintensiv, kapazitiv herausfordernd und wirtschaftlich anspruchsvoll beschrieben.

Am häufigsten thematisieren die Befragten steigende Kosten und zunehmenden Wettbewerbsdruck. Hervorgehoben werden gestiegene Personal- und Betriebskosten, regulatorische Belastungen sowie eine eingeschränkte Durchsetzbarkeit von Preiserhöhungen.

Tragfähigkeit einzelner Transporte verstärkt im Fokus

Der Margendruck bleibe entsprechend hoch. Damit liege die zentrale Herausforderung im Markt nicht allein in der maximalen Auslastung, stattdessen rückt die wirtschaftliche Tragfähigkeit einzelner Transporte verstärkt in den Fokus. „Denn auf Routen, auf denen nur begrenzte Rücktouren verfügbar sind oder strukturelle Ungleichgewichte zwischen Fracht- und Laderaumangebot bestehen, verschlechtert sich die Deckungsbeitragsrechnung signifikant“, erläuterte Gburek. „Leerfahrten, lange Standzeiten sowie volatile Spotraten erhöhen das betriebswirtschaftliche Risiko.“

Für die kommenden Monate wird deshalb sowohl die weltpolitische Lage entscheidend sein als auch die Entwicklung der Transportnachfrage im europäischen Binnenmarkt, und ob sich Preisniveaus und Kapazitäten in ein nachhaltiges Gleichgewicht einpendeln.

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