Verpackungsmüll Deutschland verfehlt Recyclingziele bei Glas und Getränkekartons

Deutschland sieht sich gern als Recycling-Musterschüler. Zurecht? In einigen Müllkategorien sieht es tatsächlich gut aus, wie Behördenzahlen zeigen. In anderen Kategorien gibt es dagegen noch Luft nach oben.

Dienstag, 27. Januar 2026, 15:33 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Deutschland verfehlt mehrere Recyclingvorgaben deutlich, obwohl die Plastik-Recyclingquote weiter steigt. Bildquelle: Getty Images

Deutschland verfehlt mehrere Recyclingvorgaben deutlich, obwohl die Plastik-Recyclingquote weiter steigt. Wie die Zentrale Stelle Verpackungsregister und das Umweltbundesamt mitteilten, liegt die Quote bei Kunststoffverpackungen inzwischen bei 70,8 Prozent und damit fast 30 Prozentpunkte höher als 2018. Bei Glas, Getränkekartons und sonstigen Verbundverpackungen werden die gesetzlichen Mindestvorgaben hingegen deutlich verfehlt.

Im Jahr 2024 landeten über die dualen Systeme rund 1,1 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne, davon wurden rund 0,8 Millionen Tonnen recycelt. Die Recyclingquote lag damit 1,9 Prozentpunkte höher als 2023. „Das ist eine extrem gute Leistung“, zitierte die Behörde ihre Chefin Gunda Rachut in der Mitteilung. Die EU-Mindestvorgabe von 63 Prozent übertrifft Deutschland damit deutlich. Ein Grund für die steigende Quote ist moderne Technik in den Sortier- und Verwertungsanlagen. Allerdings sind 13 Prozent der Menge, die im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne landet, nicht recyclingfähige Kunststoffverpackungen.

Bei Glas sieht es schlechter aus. Die Recyclingquote lag 2024 nur noch bei 82,9 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte niedriger als 2023. Der Abstand zum gesetzlichen Minimum von 90 Prozent ist groß. Umweltbundesamt-Expertin Bettina Rechenberg begründete die Situation mit einer gesunkenen Anzahl von Glascontainer-Standorten. „Das ist eine problematische Entwicklung“, zitierte die Behörde die Expertin. Sie appellierte an den Handel und die Kommunen, wieder mehr Container-Standorte zu schaffen.

Deutsche Umwelthilfe fordert Abgabe auf Einwegflaschen

Besonders schlecht schneiden Getränkekartons ab. Die Recyclingquote dieses Segments lag 2024 nur bei 69,5 Prozent und damit 1,8 Prozentpunkte niedriger als 2023. Das gesetzliche Minimum liegt bei 90 Prozent. Rachut verwies auf deutlich geringere Verwertungskapazitäten für diese Art von Abfall in Deutschland. Bei Papier und Pappe sank die Quote von 93,6 Prozent im Jahr 2023 auf 91,8 Prozent im Jahr 2024. Die EU-Vorgabe von 90 Prozent wird damit noch übertroffen.

Umweltschützer kritisieren, dass in Deutschland zu viel unnötiger Verpackungsmüll anfalle. „Die Erfolge beim Recycling von Kunststoffverpackungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Deutschland viel zu viel unnötiger Verpackungsmüll anfällt“, zitierte die Mitteilung Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. Deutschland gehöre europaweit zu den größten Müllsündern. Fischer forderte eine Abgabe von mindestens 20 Cent auf Einweg-Plastikflaschen und Getränkedosen, um Verbraucher zum Umstieg auf Mehrweg-Angebote zu bewegen. Zudem sprach er sich dafür aus, die Pfandpflicht auf Getränkekartons auszuweiten.

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