Die Auswahl der Märkte, die im vergangenen Jahr an den Start gegangen sind, ist der Redaktion nicht leichtgefallen. Die spektakulären Highlights im europäischen Ladenbau fehlen – anders als in den Jahren zuvor. Das mag daran liegen, dass auch im Ausland die Kaufleute mit ihren Investitionen zurückhaltender sind als in der Vergangenheit. Kein Wunder, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den meisten europäischen Ländern geben wenig Anlass zur Freude.
Außerhalb Europas sind Einkaufstempel ans Laufen gekommen, die für große Aufmerksamkeit sorgen. Das beste Beispiel kommt aus Ägypten. Manch einer, der im Urlaub Basare und Souks kennengelernt hat, mag davon ausgehen, dass überall im Land geschächtete Lammhälften ungekühlt auf überdachten Marktplätzen hängen und um die Ware gefeilscht wird. Mit den modernen Einkaufsstätten des Familienunternehmens Seoudi allerdings hat diese Vorstellung nichts gemeinsam. Der „Seoudi Supermarket Madinaty“ beispielsweise könnte auch auf der Düsseldorfer Kö stehen.
Seoudi setzt auf Grün
Das Familienunternehmen Seoudi, 1938 gegründet, wird in dritter Generation von den Brüdern Omar und Mohamed geleitet. Sie betreiben derzeit 19 Filialen im Großraum Kairo und an der ägyptischen Nordküste. 2015 haben sie ein eigenes Verteilzentrum in Betrieb genommen. Madinaty (auf Deutsch: meine Stadt) bezeichnet ein 8.000 Hektar großes Immobilienprojekt in der neu entstehenden Satellitenstadt Neu-Kairo. Das Projekt ist noch in der Entwicklung: Hier entsteht Wohnraum für 700.000 Einwohner, die einen modernen Lebensstil anstreben. Ladenbauer Aichinger hat die Fläche mit 1.700 Quadratmetern Fläche gestaltet: mit schwarzen Stahlelementen im Industrie-Stil und regionalen Gestaltungselementen. Regalsysteme und Aktionsdisplays stammen in allen Filialen von Wanzl, ebenso Kassentische und Beleuchtung.
Eine Wunderwelt in Pink
Ortswechsel nach London, in den angesagten Stadtteil Covent Garden. Hier kann man den weltweit größten Flagship-Store von „Charlotte Tilbury“ bestaunen. Britische Influencer sprechen von einem „Wunderland in Sachen Schönheit“ auf 400 Quadratmetern. Das Geschäft der Make-up-Herstellerin Charlotte Tilbury ist innerhalb des Stadtteils umgezogen und befindet sich nun prominent an der Ecke „Royal Opera House“ und „James Street“. Der österreichische Ladenbauer Umdasch hat bei der Planung das Ziel verfolgt, „die Marke und Energie der Marke in einen Raum zu übertragen“.
Im Ergebnis zieht sich ein geschwungener, rosafarbener Regenbogen als zentrales Designelement durch den Store und führt die Kunden in verschiedene Bereiche. Sehr viel Plüsch, Gold und knalliges Pink wecken Emotionen. Die Devise im Beautytempel lautet offenbar: „Klotzen, nicht kleckern“. Auf zwei Etagen finden die Besucher immer wieder verspielte Nischen – sie sollen einladen, die Produkte in privater Atmosphäre zu entdecken. Ebenfalls im Angebot: ein Spa-Bereich für exklusive Gesichtsbehandlungen und weitere Anwendungen. Produkte der Marke sind übrigens auch in einigen deutschen Geschäften erhältlich.
Beauty in Österreich
Ein Konzept für die Schönheit der Otto Normalverbraucher testet die Rewe Group derzeit in Österreich. In Amstetten, einer Stadt im Westen Niederösterreichs, setzt sie nach eigenen Angaben ein „Zeichen für das Drogerie-Einkaufserlebnis“. In der Billa-Plus-Filiale (Otto-Schott-Straße 2), die bereits 2001 eröffnet wurde, ist die erste „Beauty Zone“ zu sehen. Der neu geschaffenen Bereich auf 200 Quadratmetern Fläche wurde ebenfalls von Umdasch in Szene gesetzt.
Die „Drogerie-Erlebniswelt“ präsentiert 9.000 Artikel für den täglichen Bedarf, von Make-up über Pflegeprodukte für Haut und Haare bis zu Parfums. Damit will Billa im 2.300 Quadratmeter großen Nahversorger „eine Plattform für ein Einkaufserlebnis schaffen, das Funktionalität und Design vereint“. Langlebige Stahlelemente sorgen für eine gute Produktpräsentation, die eingesetzten Holzelemente für eine visuelle Teilung der Sortimente und gemütliche Atmosphäre beim Shopping. Wiederkehrend: der Schriftzug „Beauty Zone“ in zartem Pink.
Wie man mit einem eingeschränkten Budget Märkte grundlegend modernisieren kann, zeigt das Beispiel von Tigros. Das Unternehmen ist seit 1979 in Händen der Familie Orrigoni mit Sitz in Solbiate Arno in der Lombardei. Der regionale Händler betreibt 84 Verkaufsstellen, darunter einige mit eigenen Bistros „Buongusto“.
Umbau im laufenden Betrieb
Am Firmensitz in Solbiate Arno befindet sich eine 4.000 Quadratmeter große Verkaufsfläche. Ladenbauer Schweitzer hat ein Konzept entwickelt, nach dem in nächster Zeit 15 weitere Standorte modernisiert werden sollen. Der bereits erfolgte Umbau fand nachts statt und dauerte zehn Wochen, ohne Schließtage. Alle Arbeiten erfolgten nachts, ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen. Ziel war es laut Tigros, die Frischeabteilungen stärker hervorzuheben, zu sehen beispielsweise an der Fischtheke. Im Fokus der Neugestaltung standen weiter Obst und Gemüse sowie der Kosmetikbereich. Die Bedienungstheken für Fisch, Fleisch und Gastronomie sind jetzt entlang einer Linie angeordnet und unterscheiden sich farblich deutlich von den übrigen Sortimenten. Warme Holzstrukturen, neue Decken, digitale Screens und eine klare Wegeführung prägen seit dem Umbau den Eingangsbereich.
In vielen Abteilungen beweist Tigros Mut zur Farbe: Die Kosmetikabteilung präsentiert sich in knalligem Orange, der neu gestaltete Informations-Counter erstrahlt in Sonnengelb. Auch die Molkereiprodukte-Kühltheken für Angebotsware – in leuchtendem Rot – sind nicht zu übersehen.