Elektronische Regaletiketten sind ein alter Hut? Wer so denkt, wurde bei der Messe Euroshop in Düsseldorf eines Besseren belehrt. Dass in der Technologie noch Potenzial schlummert, machte Marco Braun am Stand des französischen Anbieters Vusion deutlich. Der Vertriebsmanager im deutschsprachigen Raum präsentierte eine neue, intelligente Regalschiene, die Vusion zusammen mit Walmart entwickelt hat. Der Clou: ein verbessertes Energiemanagement mit einem zentralen Akku und ein Bluetooth-basiertes Kommunikationssystem. „Dadurch können wir eine Vielzahl neuer Anwendungsfälle realisieren“, erklärte Braun.
Er nannte als konkretes Beispiel das sogenannte Proximity-Guided In-Store Picking: „Das Regal erkennt, wenn sich jemand nähert, und kann durch blinkende LEDs signalisieren, welches Produkt für die Bestellung ausgewählt werden soll.“ Hilfreich zum Beispiel für den Mitarbeiter, der eine Click-and-Collect-Bestellung zusammenstelle, oder spannend für den Kunden, der seine elektronische Einkaufsliste abarbeite. Zudem eröffne es auch neue Möglichkeiten im Bereich Retail Media: „Wenn ein Kunde in der Nähe der Nutella-Regale ist und normalerweise drei Gläser kauft, können wir ihm eine neue Produktinnovation von Ferrero mit einer speziellen Promotion direkt auf sein Handy schicken.“
„Frische der Zukunft – warum Supermärkte ihr Geschäftsmodell neu denken müssen“ stand im Mittelpunkt einer Gesprächsrunde namhafter Handelsvertreter. Eingeladen hatte Ladenbauer Schweitzer. Durch die Runde führte Michael Gerling, CEO des EHI Retail Institutes. Eine der zentralen Fragen: Wie sieht die Bedientheke der Zukunft aus? Abschaffen will sie keiner – im Gegenteil. „Die Theke bietet ganz klar einen Mehrwert, und zwar nicht in der Größe, sondern in der Qualität“, betonte Reiner Schenke, Geschäftsführer Edeka Schenke. Für ihn bleibt die persönliche Beratung ein klares Differenzierungsmerkmal. Niklas Wiem von Edeka Niemerszein warnt jedoch vor Hybridmodellen, bei denen die Theke unter der Woche als SB-Lösung und am Wochenende als klassische Bedientheke fungiert. „Man muss sich klar entscheiden und auch mal Durststrecken überstehen“, sagte Wiem. Profil statt Kompromiss lautet seine Devise.
„Die wichtigste Währung der Zukunft ist die Zeit“, sagte Bernhard Schweitzer, CEO Schweitzer Group. Kunden wollten effizient einkaufen – ohne auf Erlebnis und Inspiration zu verzichten. Wie das gelingen kann, demonstrierte Schweitzer am Messestand mit dem Konzept der „Verdoppelung der Frische“ in Kombination mit dem Waterloop-Kühlsystem.
Dahinter steht die Idee einer integrierten Frischewelt, in der Frischware, gekühlte Prepack- und SB-Produkte sowie Tiefkühlartikel konsequent zusammengeführt werden. Ob Fisch, Fleisch und Wurst oder Käse – es entstehen klar strukturierte, in sich geschlossene Sortimentsbereiche. So steigt die wahrgenommene Kompetenz des Händlers deutlich – im besten Sinne „doppelt“. Marc Groenewoud, CEO L. Stroetmann, ist davon überzeugt und will den eingeschlagenen Weg gemeinsam mit Schweitzer weitergehen.
Kernstück des Konzepts ist das Waterloop-System, ein dezentrales Kühlsystem. Es gilt als energieeffizienter als herkömmliche CO₂-Kälteanlagen. Ein geschlossener Wasserkreislauf übernehme die Wärmeabfuhr: Das Trägermedium Wasser zirkuliert durch ein verzweigtes Rohrleitungsnetz, nimmt die entstehende Wärme aus den Kühlmöbeln auf und gibt sie über Wärmetauscher an einen zentralen Kältekreislauf weiter. Jedes Kühlmöbel im gemeinsamen Wasserkreislauf verfügt über ein eigenes Kälteaggregat. „So lassen sich Kühlmöbel ohne großen technischen Aufwand erweitern oder flexibel versetzen. Vor allem auf der Großfläche brauchen Händler die Möglichkeit, dynamisch anpassungsfähig zu sein“, sagte Bernhard Schweitzer.
Prozesse effizienter gestalten
Viele Hersteller präsentierten auf der Messe Lösungsansätze, um Prozesse im Markt effektiver zu gestalten, den Service für Kunden zu verbessern und gleichzeitig Kosten zu senken. Auf großes Interesse stieß der Leergutautomat Tomra A2. Ob Einweg- und Mehrweg-PET-Flaschen oder Pfand-Glasflaschen – die Kunden können hier ihr Leergut unsortiert in einen flachen Einfüllförderer geben. Der Automat erkennt die unterschiedlichen Gebinde und sortiert sie. Den Pfandbon löst der Kunde – auf Wunsch auch digital – an der Kasse ein.
Bizerba spricht mit dem Bestellsystem „My Order“ Kunden an, die Wartezeiten an der Bedientheke vermeiden wollen oder keine Bedienung wünschen. Der Händler muss einmalig Bilder der bestellbaren Produkte einpflegen. Der Kunde klickt auf das gewünschte Produkt, wählt die Menge aus und schließt die Bestellung ab. Anschließend erhält er eine Nummer und holt die Ware an der Theke ab.
Im Bereich Kühltechnik präsentierte Epta mit der neuen Kühlmöbel-Serie Zenith nach eigenen Angaben die ersten Modelle mit den Energieeffizienzklassen B und A. Gegenüber bisherigen Möbeln der Klasse C sind Energieeinsparungen von bis zu 29 beziehungsweise 36 Prozent möglich. Erreicht wird dies unter anderem durch dickere Türen mit optimierter Isolierfüllung, die das Eindringen von Wärmestrahlung verhindern.
Checkpoint Systems stellte mit „SFERO RFID Checkout“ die erste RFID-EAS-Antenne vor, die im Kassenbereich integriert ist. Statt Diebstahl erst am Ausgang zu erkennen, schützt das System Waren bereits beim Bezahlvorgang. Technisch ist die Antenne unauffällig in die Kasse integriert und benötigt keine aufwendigen Umbauten. Zusätzlich kann sie als RFID-PoS-Leser genutzt werden. Damit erhalten Händler Diebstahlschutz und Bezahlfunktion in einem System.
Wanzl stellte einen vakuumgedämmten Thermo Trolley vor. Damit können gekühlte und gefrorene Lebensmittel bis zu zwölf Stunden ohne Kühlfahrzeug, Trockeneis oder Kühlakkus gekühlt werden. Die Trolleys werden einfach mit vorgekühlter Ware beladen und auf klassischen Lkw transportiert. Während des Transports ist keine Kühlung erforderlich.
Vernetzt, mit Zugang zum digitalen Backplan, der für jede Filiale individuell weiß, was der Kunde zu welchem Zeitpunkt gerne kaufen möchte: Das Ladenbacken der Zukunft war ein wichtiges Thema der Messe. Ladenbauer Umdasch stellte eine Weiterentwicklung der Smart Bakery Box vor. Die Österreicher kooperieren nun mit Softwareanbieter Aiperia. Die Software steuert die tagesgenaue Planung und Übersetzung der daraus folgenden Aufgaben in den digitalen Backplan. Kombiniert ist die Lösung mit einem Umdasch-Regal, in das eine unternehmenseigene Wiegesensorik verbaut ist.
Technik entlastet Mitarbeiter
Mithilfe der technischen Peripherie soll der Handel zudem ein zentrales Problem an den Ladenbacköfen in den Griff bekommen: der Mangel an Personal, die hohe Fluktuationsrate und nicht immer ausreichende Deutschkenntnisse der Mitarbeiter auf der Fläche. Mit der modularen Systemlösung „hi bread“ mini stellte Wiesheu eine in der Vollversion komplett automatisierte Technik fürs Ladenbacken vor. „,hi bread‘ mini stellt auch in frequenzstarken Märkten eine hohe Warenverfügbarkeit sicher“, sagte Marketingleiterin Julia Rümmele-Hauser. Die Beschickung der Öfen bis zur Ausgabe der Ware in das Verkaufsmöbel seien komplett ohne Personal möglich.
Mit dem Diba Smart hat Wiesheu seinem „klassischen“ Diba mit Verschwindetür einen kompakten, budgetfreundlicheren Ladenbackofen mit verkürzter Schwenktür an die Seite gestellt. Den Heißluftofen gibt es in den Varianten Smart S sowie Smart L. Diese lassen sich bis zu einer Kapazität von 15 Backblechen kombinieren.
Für die Steuerung und Vernetzung von Backöfen, Gärschrank oder Kühltechnik entwickelte Ofenbauer Debag die Software D-connect. „Durch die cloudbasierte Architektur steht die Anwendung auch Nutzern ohne eigene Serverstruktur unkompliziert zur Verfügung“, sagte Rico Kretschmar, Vertriebsleiter national beim Bautzener Ofenhersteller. Neu ist zudem das Assistenzsystem Oven Station Assistants. Die Dresdner entwickelten es gemeinsam mit Softwareunternehmen Precibake aus München. Mit diesem arbeitete Rewe auch bei der Entwicklung seiner KI-Lösung für das Filialbacken zusammen. „Mehr als 50 Prozent der Backvorgänge werden durch Benutzerfehler beeinträchtigt, trotz bedienerfreundlicher Steuerung“, sagte Kretschmar. Das Assistenzsystem erkenne mittels markterprobter künstlicher Intelligenz (KI) und Kameratechnik Art und Menge der Backwaren bereits beim Belegen der Bleche, also außerhalb der Backkammer. Im Ofen werde das richtige Backprogramm gestartet. Das senke Energiekosten und garantiere eine gleichbleibend hohe Backwaren-Qualität, so Kretschmar.
Mit einer unternehmenseigenen Software steuert Miwe die Backöfen und optimiert den digitalen Backplan. Die technische Oberfläche erlaubt es, häufige Fehlerquellen wie das Öffnen der Backofentüren nachzuhalten und damit Backergebnisse zu verbessern. Die Software erkennt zum Beispiel auch anhand der Temperaturentwicklung nach der Ofenbeschickung, wie viele Bleche im Ofen sind, und passt die Backzeit automatisch an.