Vorhergesagt Von Bone Broth bis Braten – wie Social Media alte Fleischtrends neu auflädt

Hintergrund

Social-Media-Trends beeinflussen das Geschäft immer stärker. Welche Hypes das Potenzial haben, Sortimente zu verändern.

Mittwoch, 25. Februar 2026, 07:40 Uhr
Lina Arnold
Mark, Leber oder Herz werden als natürliche Proteinquelle gefeiert. Bildquelle: Screenshots

Das Comeback des echten Fleischs

Der große Hype um vegane Ersatzprodukte bekommt erste Risse. Auf Social Media wird wieder gebraten, gegrillt und geschmort: Steaks in der Pfanne, Braten aus dem Ofen, Feuer statt Zusatzstoffe. Das Narrativ dahinter ist ebenso schlicht wie provokant: Ich esse wieder, was mein Körper versteht. Weniger verarbeitet, ursprünglicher und mit klarer Herkunft. Ultraverarbeitete Veggie-Burger verlieren an Zugkraft, während Authentizität, Handwerk und Qualität an Bedeutung gewinnen. Für den Handel bedeutet das eine Verschiebung: weg von Fleischersatzprodukten, hin zu edlen Teilstücken aus der Theke. Fleischtheken werden wieder zum Ort des Genusses, nicht der Erklärung. Wer Qualität sichtbar macht, Herkunft leicht verständlich kennzeichnet und Klassiker neu inszeniert, trifft den Zeitgeist. Back to Basics.

Sensorischer Overload

Genuss wird wieder lauter. Der Trend geht zum sensorischen Maximalismus. Es geht nicht mehr nur um Geschmack, sondern um Textur, Kontraste und das Mundgefühl beim Essen. Fleisch soll beispielsweise knacken, schmelzen, zerfallen oder überraschen. Zart gegarte Cuts treffen auf knusprige Elemente, geschmorte Stücke werden mit Crisp-Toppings kombiniert, Oberflächen bewusst karamellisiert oder gebrochen. Der Reiz entsteht im Zusammenspiel: weich und crunchy, heiß und kalt, saftig und kross. Dabei steht weniger das Rezept im Vordergrund als das Erlebnis. Fleisch wird geschichtet oder außergewöhnlich geschnitten, um Momente zu erzeugen, die hängen bleiben und sich eben auch gut auf Social Media teilen lassen. Diese sensorischen Upgrades sollen kleine, spürbare Genussmomente im Alltag schaffen. Verkostungen im Markt oder Beratung durch das Thekenpersonal sind gute Möglichkeiten, um Kunden zu zeigen, was beispielsweise Textur ausmacht und wie sie auch zu Hause gelingt.

Nose-to-Tail als Health-Faktor

Was, wenn genau die Produkte, die lange als abstoßend galten, plötzlich als funktionale Antwort auf moderne Ernährung gesehen werden? Biohacking, Self-Optimization und Performance-Denken verändern gerade, wie über Fleisch gesprochen wird. Knochenbrühe, Knochenmark und Innereien werden neu eingeordnet. Nicht als Traditionsküche, sondern als bewusste Entscheidung für Nährstoffdichte und Natürlichkeit. Tierische Produkte in ihrer ursprünglichsten Form rücken stärker in den Fokus. Bone Broth ist dabei längst mehr als ein Küchenklassiker: Sie steht für Morning-Routinen, Collagen-Intake und funktionale Ernährung. Im Mittelpunkt steht nicht Verzicht, sondern Wirkung. Gelatine, Mark, Leber oder Herz werden als natürliche Quellen für Proteine, Mineralstoffe und Fette neu bewertet. Fleisch wird gezielt als Bestandteil eines leistungsorientierten, gesundheitsbewussten Lebensstils eingesetzt. Neben Steak und Hack gewinnen Produkte Aufmerksamkeit, die früher polarisierten: Brühen, Markknochen, Innereien. Nose-to-Tail entwickelt sich damit vom ethischen Diskurs zum Health-Statement und verschiebt die Wahrnehmung traditioneller Produkte spürbar.

Die LP-Kolumnistin Lina Arnold ist CEO von Joli und Expertin für Food-Trends und Konsumverhalten. Mit viel Gespür und Einblick in große Datenbanken zeigt sie, welche Trends den Lebensmittelhandel beeinflussen und wie Marken davon profitieren.