Marktrundgang Das E-Center Eble setzt konsequent auf Regionalität

Der Kaufmann Michael Eble hat im Jahr 2024 zwei E-Center in Trier übernommen. Seither modernisiert er sie mit viel Engagement und zahlreichen eigenen Ideen.

Freitag, 13. März 2026, 07:40 Uhr
Jens Hertling
Artikelbild Das E-Center Eble setzt konsequent auf Regionalität
E-Center Eble: Die Edeka übernahm den Standort im Jahr 2003. Unter der Leitung von Michael Eble entstand 2025 im laufenden Betrieb ein modernes, komplett neu konzipiertes und kundenorientiertes E-Center. Der Kaufmann Michael Eble ist seit 2018 selbstständig. Er betreibt derzeit drei Märkte.
Das Herz-Symbol kennzeichnet den Eingang zum ca. 5.549 Quadratmeter großen Markt. Bildquelle: Ingo Hilger

Wer den Edeka-Markt von Michael Eble im ehemaligen Ratio in der Zurmaiener Straße in Trier betritt, merkt schnell: Das hier ist mehr als ein Ort für den schnellen Wocheneinkauf. Zwischen Theken, Regalen und Gastronomie entsteht ein Konzept, das weit über „volle Regale“ hinausgeht. Eble spricht von „Platz für Verrücktheiten“ und „Erlebniswelten“ – Begriffe, die beim Rundgang durch den Markt plötzlich sehr konkret werden.

Aufgewachsen im badischen Herbolzheim, fand der heute selbstständige Kaufmann früh seinen Weg in den Lebensmitteleinzelhandel. Nach einem Edeka-Studium der Betriebswirtschaft übernahm er Verantwortung als Marktleiter bei Edeka Rees in Waldkirch bei Freiburg. 2018 folgte der Schritt in die Selbstständigkeit: In Saarburg eröffnete er auf 1.880 Quadratmetern seinen ersten eigenen Markt. Schon damals rückte er ein Thema in den Mittelpunkt, das bis heute die Grundlage all seiner Entscheidungen bildet: Regionalität.

Eine Bühne für die Region

Für Eble ist Regionalität kein Werbe­slogan, sondern Programm. „Regional ist mein wichtigstes Gut“, betont er. In Saarburg hat er so einen der regionals­ten Supermärkte seiner Zeit aufgebaut: Bis zu 120 regionale Händler, viele davon im Umkreis von nur 15 Kilometern, liefern in sein Sortiment. Sein Markt wird so zur Bühne für die gesamte Region (siehe LP 4/2024, S. 68, Regionalität bringt den Erfolg).

Schon früh ist ihm klar, dass er nicht bei einem Standort bleiben will. Der Gedanke an mehrere Märkte ist von Anfang an da – nicht aus bloßem Expansionsdrang, sondern aus Kalkül: Eigenproduktionen, besondere Sortimente und aufwendige Konzepte lassen sich besser stemmen, wenn sie auf mehrere Häuser verteilt werden und Synergien genutzt werden können.

Mitte 2023 eröffnet sich ihm die Chance, diese Vision zu verwirklichen. Aus der Edeka-Zentrale kommt das Angebot, gleich zwei Märkte in Trier zu übernehmen: das E-Center in Trier-West, ­einen etablierten und ertragsstarken Standort mit rund 3.000 Quadrat­metern, und den Markt im ehemaligen Ratio in Trier-Nord – deutlich schwieriger, aber mit beeindruckenden 5.500 Quadratmetern Verkaufsfläche. Ebles Plan: Der starke Markt in Trier-West soll den schwächeren Standort im Norden stützen.

Im März 2024 übernimmt er das E-Center in Trier-West, im November 2024 folgt das jetzige E-Center im früheren Ratio. Bemerkenswert: Der erste große Umbau startet nicht im starken, sondern im schwächeren Markt. Der Grund ist pragmatisch – in Trier-West verzögert sich die Baugenehmigung, im Ratio kann es sofort losgehen. So läuft Trier-West zunächst im alten Stil mit dem bewährten Standardlayout weiter. Inhaltlich aber trägt der Markt bereits klare Eble-Handschrift: regionale Produkte, Eigenproduktion und eine neue Führungsmannschaft. 2026 soll hier der umfassende Umbau folgen.

In Trier-Nord zeigt sich nach der Übernahme rasch: Ein bisschen neue Farbe reicht nicht. Die Kühlanlagen sind am Ende, das Inventar überaltert, der Standort wirkt wie aus einer anderen Zeit. Was dann beginnt, ist kein gewöhnlicher Umbau, sondern ein radikaler Eingriff. Doch noch bevor der Mietvertrag unterschrieben ist, steht sein Konzept. „Bevor ich etwas unterschreibe, habe ich bereits einen Plan – wie, wo und was“, sagt Eble.

Nur 14 Bauwochen

Ende Juli 2025 starten die Bauarbeiten. In nur 14 Wochen wird das Gebäude, wie Eble es formuliert, „komplett gedreht“. Alte Fliesen, Beleuchtung, Elektrik, Kühltechnik – alles kommt raus. Regale, Kassen, Theken, Gastronomie werden vollständig ausgebaut. Zurück bleibt eine leere Hülle. Danach beginnt der Wiederaufbau im Akkord: neue LED-Beleuchtung, moderne Elektrik, neue Kühlmöbel, ein neuer Fliesenbelag, flachere Regale mit 1,60 Meter Höhe für mehr Überblick, moderne Bedien- und Obsttheken und eine neu gestaltete Gastronomie.

Gearbeitet wird auch am Wochenende und oft bis tief in die Nacht. Die Führungsmannschaft übernimmt praktisch die interne Bauleitung, viele Mitarbeiter packen selbst mit an. Für das Privatleben bleibt in dieser Zeit kaum Raum. Umso bemerkenswerter: Trotz der Intensität des Umbaus bleibt die Kundenstruktur stabil, nennenswerte Abwanderungen bleiben aus. Viele Kunden reagieren eher mit Staunen und Begeisterung auf Tempo und Konsequenz der Erneuerung.

Mit den 5.500 Quadratmetern im ehemaligen Ratio verfügt Eble nun über etwas, das im Lebensmitteleinzelhandel selten ist: sehr viel Platz. Doch anstatt einfach zusätzliche Regalreihen einzuziehen, stellt er eine andere Frage: Was macht man mit so viel Fläche, wenn man den Einkauf wirklich neu denken will? Seine Antwort: Man denkt vom Alltag der Familien her.

E-Center Eble, Zurmaiener Straße 160–168, 54292 Trier

Umbau 11/2024
Verkaufsfläche 5.549 qm
Artikel 54.000
Regionale Produkte 6.000
Mitarbeiter (Köpfe) 87
Öffnungszeiten Mo.- Sa. 7 bis 21 Uhr
Parkplätze 394
Elektro-Ladesäulen 7
Kaufkraft Ort 92,1*
Investition 5,3 Mio. Euro (in Umbau mit Lager)
Durchschnittsbon 32,50 Euro
Rücknahmeautomaten 3

* Kaufkraftindex 100 = 30.555 Euro; das entspricht einer durchschnittlichen Kaufkraft pro Kopf in Trier in Höhe von 28.154 Euro. Der Index gibt an, wie hoch die finanziellen Mittel der Bevölkerung
sind, um Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Quelle: IHK Trier und MB Research

Ziel: ein Gemeinschaftserlebnis

„Der Supermarktbesuch soll vom Stressfaktor zu einem entspannten Gemeinschaftserlebnis werden“, sagt Eble. Kinder sollen sich auf den Einkauf freuen, Eltern in Ruhe entscheiden und bewusst auswählen können. Am Ende, so die Vision, verlässt die Familie den Markt nicht genervt und erschöpft, sondern zufrieden. Im vorderen Bereich des Marktes entsteht dafür eine rund 40 Quadratmeter große Kinderwelt. Sie ist gut sichtbar und großzügig dimensioniert – mit Malecke, Spielecke, Spiel­türmen, dazu ein „Riesenrad“, an dem Kinder Mechanik spielerisch erleben können. Parallel dazu denkt Eble den gesamten Einkaufsablauf aus Kinderperspektive. Zunächst geht es zum „Elefanten“, wo es ein Stück Obst gibt. An der Theke wartet anschließend eine Scheibe Wurst auf die Kinder. Am Ende an der Kasse erhalten sie eine Eiskarte, mit der sie in der hauseigenen Gastronomie ein Softeis gratis bekommen.

Doch die „Welten“, wie Michael Eble seine Themenschwerpunkte nennt, enden nicht bei den Kindern. In der sogenannten „Erwachsenenwelt“ steht Entschleunigung im Zentrum. Kostenlose Massagesessel laden dazu ein, sich für ein paar Minuten zurückzulehnen. Fernseher sorgen für Unterhaltung, während der andere Elternteil in Ruhe durch die Regale zum Shoppen geht, so die Idee dahinter.

Aufbau einer kleinen Industrie

Parallel zu den Erlebniswelten baut Eble in seinen Märkten eine eigene kleine Lebensmittelproduktion auf. Wer hier einkauft, bekommt nicht nur Waren aus der Industrie, sondern in großem Umfang hausgemachte Produkte. In der eigenen Wurstküche werden „komplette Wurstwaren“ produziert: Rohesser, Wiener, Fleischwurst und mehr. Zwei Metzger und drei Helfer stellen weit über 1,5 Tonnen Wurst pro Woche her, beliefert werden damit alle drei Märkte.

Gleich nebenan, im früheren Fischhaus, befindet sich das zweite Produktionsherz. Heute entstehen hier Pizzen, Kuchen und frische Convenience-Produkte. Drei Vollzeitkräfte fertigen hier wöchentlich rund 500 bis 600 Pizzen in zehn Sorten, etwa 30 Kuchen in fünf Variationen und etwa 1.000 Ananasbecher. All diese Produkte tragen die Eigenmarke „Ebles schnelle Küche“ – und sind im Markt omnipräsent, von der Kühltheke bis zum Snackregal.

Sein Regionalitätskonzept rundet das Bild ab. Wie in seinem ersten Markt in Saarburg sind über 120 regionale Lieferanten an die Märkte angebunden. Rund 20 Prozent des Sortiments sind regional, mehr als 10 Prozent bio. Für Eble ist Regionalität ein System, das von persönlichen Beziehungen und langfristiger Zusammenarbeit geprägt ist.

Drei fragen an ... Michael Eble, Inhaber E-Center Eble
Michael Eble

Welche Erkenntnisse haben Sie durch den Umbau gewonnen?

Ich habe gelernt, wie man einen alten Tanker wieder flottmacht. Ich bin stolz darauf, was wir in so kurzer Zeit als Team auf die Beine gestellt haben. Das ist keine Floskel, sondern meine ehrliche Bilanz.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Gastronomie?

Mein Konzept ist einfach: frische Küche statt Convenience, dazu ehrliche Klassiker zu Preisen, die sich jeder leisten kann. Mir ist es wichtig, so zu kalkulieren, dass sich die Gäste auch mal zwei Brötchen leisten können – das ist für mich ein Ausdruck echter Wertschätzung gegenüber den Kunden.

Warum ist Ihnen Regionalität so wichtig?

Ich möchte, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. Davon sollen nicht nur die Lieferanten, sondern auch Kindergärten, Schulen und lokale Strukturen direkt profitieren.

Bilder zum Artikel

Bild öffnen E-Center Eble: Die Edeka übernahm den Standort im Jahr 2003. Unter der Leitung von Michael Eble entstand 2025 im laufenden Betrieb ein modernes, komplett neu konzipiertes und kundenorientiertes E-Center. Der Kaufmann Michael Eble ist seit 2018 selbstständig. Er betreibt derzeit drei Märkte.
Bild öffnen Die Marke „Ebles Nachbarn“ ist eine regionale Initiative von Michael Eble.
Bild öffnen Die Eigenmarke „Ebles schnelle Küche“ ist im Markt omnipräsent. Die Produkte werden auch hier hergestellt.
Bild öffnen Eine weitere Marke ist „Ebles Nachbarn“. Hier sind alle regionalen Produzenten erfasst.
Bild öffnen Auch die Käsetheke wird von regionalen Erzeugern aus Saarburg bestückt.
Bild öffnen Am „Affen“ bekommen alle Kleinkinder ein Stück Obst.
Bild öffnen Ein Wegweiser durch den Markt befindet sich beim „Elefanten“, einem Kindertreffpunkt.
Bild öffnen Im Markt stehen 2 Dry-Age-Kammern (im Bild Fleischerfachberater Richard Palzkill).
Bild öffnen Die Kinderwelt im Markt ist 40 Quadratmeter groß.
Bild öffnen Auf dem Markt gibt es auch Massagesessel mit Fernseher. Auf dem Bild sind Michael Eble (li.) und LP-Reporter Jens Hertling (re.) zu sehen.
Bild öffnen Ein Höhepunkt der Kinderwelt ist das Riesenrad, in dem Kinder Mechanik spielerisch erleben können.

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