Die Menschen in Deutschland bestellen zunehmend Lebensmittel im Internet. Das Online-Bestellvolumen bei Produkten des täglichen Bedarfs stieg im vergangenen Jahr voraussichtlich um mehr als 10 Prozent, wie das Handelsforschungsinstitut IFH Köln mitteilte. Damit wächst die Branche mehr als doppelt so schnell wie der gesamte Onlinehandel.
Der Zuwachs entfällt vor allem auf Lebensmittel. Sie machen mehr als die Hälfte der Online-Erlöse im Bereich der Produkte des täglichen Bedarfs aus. Der Nettoumsatz mit Lebensmitteln lag 2025 erstmals deutlich über sechs Milliarden Euro. Zu den Produkten des täglichen Bedarfs zählen außerdem Körperpflege und Kosmetik, Drogeriewaren, Heimtierbedarf sowie Wein und Sekt.
Das starke Wachstum erklärt sich auch dadurch, dass Online-Umsätze und der Online-Marktanteil bei Lebensmitteln noch vergleichsweise gering sind, wie das Handelsforschungsinstitut IFH Köln berichtet. Bei Elektronik und Mode gilt der Onlinemarkt als gesättigt. Die zunehmende regionale Verbreitung von Lieferdiensten wie Rewe und Picnic sorge für zusätzliche Nachfrage. Schnelle Verfügbarkeit und flexible Lieferoptionen träfen den Nerv der Verbraucher. Der IFH-Experte Hansjürgen Heinick sieht auch bei Babyboomern im Rentenalter erhebliches Potenzial. Viele würden den Komfort der Haustürlieferung noch zu schätzen lernen.
Picnic legt um mehr als 30 Prozent zu
Als wichtigste Vorteile des Onlinekaufs nennen Verbraucher Bequemlichkeit und die Lieferung nach Hause sowie Zeitersparnis. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov hervor, für die im Juli gut 2.000 Menschen ab 18 Jahren befragt wurden. 60 Prozent der Befragten schätzen die Bequemlichkeit und die Lieferung nach Hause, 47 Prozent die Zeitersparnis. Viele wollen Wege zum Geschäft und Menschenmengen vermeiden. Auch Preisvergleiche und eine größere Produktauswahl spielen eine Rolle. „Nicht zu unterschätzen ist dabei die Zeitersparnis und auch, dass die Ware mitunter in die dritte Etage bis zur Wohnungstür geliefert wird“, zitierte das IFH Köln den Experten Heinick in der Mitteilung.
15 Prozent der Befragten kaufen laut der Umfrage einmal pro Woche oder häufiger Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel online, weitere 21 Prozent mehrmals im Monat und 27 Prozent einmal monatlich. Am häufigsten werden Körperpflege-, Kosmetik- und Hygieneprodukte bestellt, gefolgt von Haushaltswaren und Lebensmitteln. Von denen, die bislang noch keine Alltagsprodukte online kaufen, kann sich fast jeder Zweite vorstellen, es künftig zu tun.
Picnic und Rewe führen den Markt an
Die größten Lebensmittel-Lieferdienste in Deutschland sind Picnic und Rewe. Picnic konnte 2025 nach eigenen Angaben um mehr als 30 Prozent zulegen. Im Vorjahr lag der Umsatz bei 605 Millionen Euro. Das Unternehmen, an dem Edeka beteiligt ist, beliefert mehr als eine Million Kunden in mehr als 250 Städten. Rewe liefert in 91 Städten samt Umland. Laut dem Marktforscher NIQ liegt Rewe vor Picnic auf dem ersten Platz, allerdings sind in den Zahlen der Supermarktkette auch die Umsätze aus Click & Collect enthalten. Dabei können Kunden online bestellen und die Ware in der Filiale abholen. Berücksichtigt man nur Lieferungen nach Hause, ist Picnic inzwischen Spitzenreiter.
Picnic hat einen Mindestbestellwert von 45 Euro und liefert dann kostenlos. Bei Rewe gibt es einen Tag mit kostenfreier Lieferung in der Woche. An den übrigen Tagen kostet die Zustellung bis zu 4,90 Euro, ab 120 Euro ist sie kostenlos. Den Kunden werden in der Regel Lieferzeiten für die kommenden Tage angeboten, bei Rewe teilweise noch für denselben Tag. Bei Rewe und Picnic stehen mehr als 12.000 Produkte zur Auswahl. Beide Anbieter betonen, dass die Preise denen im Supermarkt entsprechen. Zu den großen Anbietern zählen außerdem Flaschenpost, Flink und Knuspr, das in Partnerschaft mit Amazon liefert.
Wie geht's weiter?
Die Anbieter möchten weiter expandieren. Noch stärker zum Einsatz kommen soll künftig Künstliche Intelligenz. Fast jeder Zehnte würde laut Yougov-Umfrage eine KI nutzen, die das Einkaufsverhalten analysiert und benötigte Produkte automatisch nachbestellt, weitere 19 Prozent gaben hier „vielleicht“ an. Bei Menschen unter 35 Jahren ist der Anteil höher.

