Veggie-Bezeichnungen IHK Nord sieht Innovation durch EU-Parlament gefährdet

Die IHK Nord als Zusammenschluss der norddeutschen Industrie- und Handelskammern schaltet sich in die Debatte um ein europäisches „Veggie-Wurst“-Verbot ein. Vorsitzender Thomas Buhck (Foto) warnt unter anderem vor erheblichen Kosten. 

Mittwoch, 19. November 2025, 11:57 Uhr
Thomas Klaus
Die IHK Nord und ihr Vorsitzender Thomas Buhck halten wenig von der Idee eines „Veggie-Wurst“-Verbots. Bildquelle: IHK Lübeck

Das geplante Verbot von Bezeichnungen wie „Wurst“ und „Burger“ für pflanzenbasierte Alternativen gefährdet nach Auffassung der IHK Nord Innovation, verursache erhebliche Kosten und gehe an der Realität moderner Verbraucher vorbei. Das sind Aussagen aus einem neuen Positionspapier des Zusammenschlusses der norddeutschen Industrie- und Handelskammern. 

Hintergrund ist eine Entscheidung des Europäischen Parlaments. Dieses will Bezeichnungen wie „Wurst“, „Schnitzel“ oder „Burger“ künftig ausschließlich für tierische Erzeugnisse zulassen. Pflanzliche Ersatzprodukte dürften nicht mehr unter den entsprechenden Bezeichnungen vermarktet werden.

Verbot wäre Symbolpolitik ohne Nutzen

„Norddeutschlands Ernährungswirtschaft steht für Vielfalt, Qualität und Fortschritt – von der traditionellen Fleischproduktion bis zur pflanzenbasierten Innovation“, betont Thomas Buhck, Vorsitzender der IHK Nord. „Europa sollte diese Entwicklung fördern, nicht ausbremsen. Ein Verbot von Produktbezeichnungen ist Symbolpolitik, die niemandem hilft – weder Erzeugern noch Verbrauchern noch den Unternehmen.“

Mit rund 100.000 Beschäftigten gehört die Ernährungswirtschaft zu den stärksten Industriezweigen Norddeutschlands. Sie vereint nach Darstellung von Buhck Tradition mit Forschung, Technologie und internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Beide Segmente – klassische Erzeugung und pflanzenbasierte Alternativen – sicherten Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Exportkraft. Sollten die geplanten EU-Vorgaben in Kraft treten, müssten Hersteller ihre Markenauftritte, Verpackungen und Produktnamen umfassend anpassen – mit Folgekosten in Millionenhöhe.

Keine Bevormundung durch Regulierung

„Der Norden zeigt, dass Tradition und Innovation keine Gegensätze sind“, so Buhck weiter. „Unsere Betriebe brauchen faire Marktbedingungen – keine Vorschriften, die Millionen Euro für neue Verpackungen, Rebranding und Umetikettierungen kosten, ohne einen Mehrwert zu schaffen.“

Die IHK Nord plädiert dafür, Verbrauchern durch klare und sachliche Kennzeichnung Orientierung zu bieten – nicht durch zusätzliche Verbote. Begriffe wie „pflanzlich“ oder „auf Basis von Erbsenprotein“ seien eindeutig, praktikabel und längst im Sprachgebrauch etabliert. „Die Menschen wissen sehr genau, was sie kaufen“, sagte Buhck. „Wir brauchen Klarheit durch Information, nicht Bevormundung durch Regulierung.“

Norddeutschland Kernstandort der Ernährungswirtschaft

Norddeutschland sei ein Kernstandort der deutschen Ernährungswirtschaft und zunehmend auch ein Zentrum für alternative Proteinproduktion. Eine innovationsfreundliche Regulierung ist daher aus Sicht der IHK Nord entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Sektors zu sichern. „Wenn Europa Innovation ernst meint, muss es auch den Mut haben, neue Wege zuzulassen“, forderte Thomas Buhck. „Verbote bremsen Märkte, in denen wir eigentlich Investitionen und Gründergeist brauchen.“

Die IHK Nord appelliert an die EU-Institutionen und den nationalen Gesetzgeber, die Entscheidung zu überdenken und Rahmenbedingungen zu schaffen, die Marktneutralität, Verbrauchertransparenz und Innovationsförderung miteinander verbinden. „Wir brauchen eine Politik, die Vielfalt als Stärke versteht – nicht als Risiko“, so Buhck. „Norddeutschland kann Vorreiter einer modernen, nachhaltigen Ernährungswirtschaft sein, wenn Brüssel den Mut hat, Fairness über Formalismus zu stellen.“

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