Trotz guter Ernte Kartoffelpreise im Supermarkt bleiben hoch

Landwirte verkaufen Kartoffeln für rund zehn Euro pro 100 Kilogramm. Im Supermarkt zahlen Verbraucher oft mehr als 1,50 Euro pro Kilogramm. Grund für die niedrigen Erzeugerpreise: ein deutlich ausgedehnter Anbau in Deutschland und Europa.

Montag, 17. November 2025, 13:16 Uhr
Lea Pichler (mit dpa)
Trotz hohen Erträgen bei der diesjährigen Kartoffelernte, gibt es für Verbraucher kaum Unterschiede im Preis von Speisekartoffeln. Bildquelle: Getty Images

Die Verbraucher in Deutschland profitieren kaum von der guten Kartoffelernte in diesem Jahr. Obwohl die Landwirte ihre Kartoffeln derzeit für nicht viel mehr als zehn Euro pro 100 Kilogramm verkaufen, zahlen Kunden in den Supermärkten oft mehr als 1,50 Euro pro Kilogramm. Darüber informierte Christoph Hambloch von der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft in Bonn. Die Verbraucherpreise liegen damit teilweise um das zehn- bis 15-fache über dem, was die Landwirte bekommen.

Experte: Preise für Landwirte ein Desaster

Zwar seien die Preise im Vorjahresvergleich durchschnittlich um bis zu sieben Cent gesunken, doch aus Sicht von Hambloch seien sie noch immer hoch. „Für die Landwirte sind die Preise dieses Jahr ein Desaster, aber auch die Verbraucher haben keinen Grund zum Jubeln“, so der Experte. Die gesamte Lieferkette, von den Packbetrieben über die Logistik bis zum Lebensmitteleinzelhandel, wolle auch Geld verdienen.

2024: Deutliches Wachstum der Anbaufläche

Die niedrigen Erzeugerpreise resultieren aus einer deutlichen Ausdehnung des Kartoffelanbaus. In Deutschland sei die Anbaufläche für Kartoffeln im vergangenen Jahr um knapp sieben Prozent auf etwas mehr als 300.000 Hektar ausgedehnt worden, sagte Sebastian Schwarz, Geschäftsführer der Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft (Unika) in Berlin. Die Ernte sei in diesem Jahr um mehr als fünf Prozent gewachsen. Auch in den europäischen Nachbarländern seien der Kartoffelanbau und damit die Erntemenge ausgedehnt worden.

Neue Konkurrenz auf dem Weltmarkt

Deutschland ist auf den Export von Speise- und Verarbeitungskartoffeln angewiesen, bekommt aber aus dem Ausland Konkurrenz. „Auf dem Weltmarkt für Tiefkühlpommes sind mit China, Indien und weiteren Ländern neue Wettbewerber eingestiegen und die Nachfrage nach europäischer Ware ist auch aufgrund der Stärke des Euro gesunken“, äußerte der Unika-Geschäftsführer. Vor allem für Kartoffeln, die zur Verarbeitung zu Chips, Knödeln oder Pommes bestimmt sind, werden schon im Vorjahr Liefermengen vereinbart. In einem Jahr mit guter Ernte ist der Bedarf gedeckt, und Kartoffeln, die ohne vertragliche Bindung angebaut wurden, finden daher keinen Abnehmer.

Produzenten, die keine Abnahmeverträge im Vorjahr ausgehandelt haben, müssen alternative Verwertungsmöglichkeiten finden. Das könne sogar die Folge haben, dass die nicht gebrauchten Kartoffeln in die Biogasanlage gehen oder als Tierfutter verwendet werden, erklärte Schwarz. Denn eine Lagerung sei zu teuer, koste Platz und Energie. Außerdem sei die Lagerfähigkeit von Kartoffeln begrenzt.

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