NIQ-Studie Gesundheitsverhalten Deutsche misstrauen Ärzten und Trends bei Ernährungsfragen

Nur jeder vierte Deutsche orientiert sich beim Kauf von Gesundheitsprodukten an ärztlichen Empfehlungen. Stattdessen vertrauen die Verbraucher auf eigene Tests und Empfehlungen von Familie und Freunden. Hohe Preise bleiben das größte Hindernis für gesündere Ernährung.

Dienstag, 19. August 2025, 12:06 Uhr
Theresa Kalmer
Beim Wissen über Superfoods, Probiotika oder pflanzliche Proteine hinkt Deutschland deutlich hinterher. Bildquelle: Getty Images

Deutsche vertrauen bei Ernährung weder Ärzten noch Trends. Nur 26 Prozent der Verbraucher orientieren sich beim Kauf von Gesundheitsprodukten stark an ärztlichen Empfehlungen – der niedrigste Wert unter allen untersuchten Ländern. Im weltweiten Durchschnitt folgen dagegen 52 Prozent medizinischem Rat, wie eine aktuelle internationale Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen IQ (NIQ) zeigt.

Statt auf medizinische Expertise setzen die Deutschen vor allem auf eigene Produkttests (34 Prozent), transparente Informationen (32 Prozent) und Empfehlungen von Familie und Freunden (29 Prozent), teilte NIQ mit. Auch klassische Marketinganreize wie Rabatte oder einfache Rückgabeoptionen beeinflussen rund ein Viertel der Konsumenten stark. Social-Media-Influencer spielen dagegen kaum eine Rolle – nur 11 Prozent lassen sich von ihnen bei Gesundheitsentscheidungen leiten.

Fast jeder zweite Deutsche (47 Prozent) nennt zu hohe Preise als Haupthindernis für gesündere Kaufentscheidungen. Ein Drittel scheitert an fehlender Motivation (31 Prozent) oder Zeitmangel (30 Prozent). Bei Ernährungstrends zeigt sich große Zurückhaltung: Nur 22 Prozent fühlen sich mit Superfoods sehr vertraut, bei Probiotika sind es 19 Prozent. Selbst bei ballaststoffreichen Lebensmitteln liegt die Vertrautheit mit 37 Prozent deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 54 Prozent. Pflanzliche Proteinquellen wie Quinoa, Linsen oder Tofu kennen gerade einmal 20 Prozent der Deutschen sehr gut.

Verbraucher fordern faire Preise für gesunde Produkte

Eine deutliche Mehrheit wünscht sich von Unternehmen transparente Produktkennzeichnungen (74 Prozent). Fast ebenso viele Befragte fordern, dass gesunde Produkte genauso erschwinglich und zugänglich sein sollten wie ungesunde. Höhere Preise akzeptieren die Deutschen vor allem bei lokalen Produkten (67 Prozent) und tierfreundlichen Erzeugnissen (64 Prozent). Für fleischfreie Alternativen würden dagegen nur 36 Prozent mehr Geld ausgeben.

42 Prozent der Deutschen planen, in den kommenden zwölf Monaten mehr ballaststoffreiche Lebensmittel zu kaufen – der höchste Wert unter allen Lebensmittelkategorien. Superfoods und Probiotika landen mit jeweils 29 Prozent deutlich dahinter. Nur 16 Prozent wollen mehr tierische Produkte konsumieren, bei stark verarbeiteten Lebensmitteln sind es sogar nur 10 Prozent. Bei den allgemeinen Gesundheitsvorsätzen dominieren klassische Ziele: 53 Prozent möchten sich mehr bewegen, 52 Prozent mehr Zeit in der Natur verbringen.

Für die Studie befragte NIQ nach eigenen Angaben im Januar und Februar 2025 rund 19.000 erwachsene Verbraucher in 19 Ländern.

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