Verbraucherstudie Deutsche wollen bei Ernährungspolitik mitreden

84 Prozent der Deutschen beschäftigen sich aktiv mit ihrer Ernährung. Die Mehrheit empfindet die öffentliche Debatte darüber jedoch als polarisierend. Eine neue Studie zeigt: Drei Viertel der Befragten wünschen sich mehr Mitbestimmung in der Ernährungspolitik.

Dienstag, 01. April 2025, 09:17 Uhr
Theresa Kalmer
Nahrungsaufnahme: 84 Prozent der Deutschen setzen sich bewusst mit ihrer Ernährung auseinander. Für die Mehrheit ist Ernährung ein zentrales Thema, doch die öffentliche Debatte empfinden viele als spaltend und bevormundend. Bildquelle: Getty Images

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland setzt sich bewusst mit ihrer Ernährung auseinander, empfindet die öffentliche Debatte darüber aber als spaltend und bevormundend. Dies geht aus einer aktuellen Ernährungsstudie der Robert Bosch Stiftung und der Organisation More in Common hervor. 84 Prozent der Deutschen beschäftigen sich demnach aktiv mit dem Thema Ernährung, wie die Organisationen mitteilten.

Für die Studie mit dem Titel „Meine, deine, unsere? Was uns als Gesellschaft beim Thema Ernährung wichtig ist“ befragten die Organisationen im September und Oktober 2024 insgesamt 2.020 Personen in einer Online-Panel-Befragung. Zusätzlich führten sie sechs Fokusgruppen durch. Die Ergebnisse zeigen: 62 Prozent der Befragten sind mit ihrer Ernährung zufrieden.

Bei der Lebensmittelwahl spielen vor allem Geschmack (89 Prozent), Preis (76 Prozent) und gesundheitliche Aspekte (72 Prozent) eine wichtige Rolle. Auch gesellschaftliche Faktoren wie Regionalität und Tierwohl gewinnen an Bedeutung, teilten die Organisationen mit. Viele Befragte gaben an, sich eigentlich gesünder und nachhaltiger ernähren zu wollen. Als Hindernisse nannten sie Alltagsstress, steigende Preise und den „inneren Schweinehund“.

70 Prozent der Befragten empfinden die öffentliche Ernährungsdebatte als polarisierend. 42 Prozent fühlen sich durch andere Ernährungsstile angegriffen. Besonders deutlich zeigen sich laut der Studie Spannungen zwischen Veganern und Fleischessern, die einander oft abwertend begegnen. „Wir wollen dazu beitragen, den Diskurs rund um das Thema Ernährung zu versachlichen“, erklärte Dr. Tabea Lissner, Teamleiterin Klimawandel bei der Robert Bosch Stiftung, in der Mitteilung. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass viele Menschen mitreden und mitgestalten wollen.“

Deutsche kritisieren wirkungslose Ernährungspolitik

Die Studie offenbart auch deutliche Unzufriedenheit mit der aktuellen Ernährungspolitik: 62 Prozent der Befragten halten diese für wirkungslos. Fast zwei Drittel der Deutschen sehen großen gesellschaftlichen Veränderungsbedarf in der Ernährungspolitik. Die Menschen wünschen sich zwar klare politische Rahmenbedingungen, lehnen aber Verbote oder Bevormundung ab. Drei Viertel der Befragten wollen mehr Mitbestimmung, etwa durch Volksentscheide. 55 Prozent möchten in Bürgerräten an politischen Prozessen mitwirken. „Ernährung ist ein hochpersönliches Thema für die Menschen“, betonte David Melches von More in Common. „Daher ist es enorm wichtig, ergebnisoffen und auf Augenhöhe zu kommunizieren.“

Als besondere Herausforderungen sehen die Befragten steigende Lebensmittelpreise, Lebensmittelverschwendung sowie ungesunde Ernährung und deren Folgen für Kinder und Jugendliche. Auch das Aussterben traditioneller Lebensmittelgeschäfte und die Massentierhaltung bereiten den Menschen Sorgen, wie aus der Studie hervorgeht.

Die Robert Bosch Stiftung ist nach eigenen Angaben eine gemeinnützige, unabhängige und überparteiliche Organisation, die in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Globale Fragen arbeitet. More in Common beschäftigt sich als überparteiliche Organisation mit dem Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Anzeige

analytica 2026

analytica: die ganze Welt des Labors

Die Weltleitmesse für Labortechnik, Analytik, Biotechnologie und die analytica conference vom 24. bis 27. März 2026 in München.
Mehr erfahren

Neue Produkte

Regional-Star 2025 - Die Nominierten