Die Lebensmittelindustrie platziert ungesunde Produkte in deutschen Supermärkten häufig an prominenteren Stellen als gesunde Lebensmittel. Dies kritisieren 68 Prozent der Deutschen in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des AOK-Bundesverbandes. 87 Prozent der Befragten fordern von der Politik stärkere Anreize für die Lebensmittelindustrie zur Zuckerreduktion in Getränken und Speisen.
Die Platzierung ist nicht das einzige Problem. 70 Prozent der 2.000 Befragten halten ungesunde Lebensmittel für günstiger als gesunde Produkte. An öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen und Raststätten sind gesunde Lebensmittel nach Ansicht von 84 Prozent der Befragten schwerer zu finden als ungesunde Produkte. Nur ein Drittel bestätigt, dass es am Arbeitsplatz oder an der Universität qualitativ hochwertige und gesunde Verpflegung gibt.
„Nie war es so einfach, so viel Falsches zu essen. Kalorienbomben sind mittlerweile überall, 24/7 und meist auch noch günstig zu bekommen“, erklärte die AOK-Vorstandsvorsitzende Carola Reimann. Sie fordert, gesunde Alternativen wie Obst und Gemüse durch eine Steuerbefreiung preislich attraktiver zu machen. 90 Prozent der Befragten unterstützen diese Forderung.
AOK fordert verbindliche Standards für Schulverpflegung
Die Umfrage offenbart weitere Handlungsfelder: 81 Prozent der Befragten wünschen sich eine verständlichere Lebensmittelkennzeichnung. Ebenso viele befürworten verbindliche Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kitas und Schulen, die nach Angaben der AOK bislang nur in fünf Bundesländern existieren.
Die Auswirkungen der aktuellen Situation sind deutlich: 59 Prozent der Menschen in Deutschland haben Probleme damit, eine gesunde Ernährung dauerhaft in den Tagesablauf zu integrieren. Fast die Hälfte der Befragten würde die eigenen Ernährungsgewohnheiten zwar gerne ändern, hält aber trotzdem daran fest. 30 Prozent sind mit ihren Essgewohnheiten unzufrieden.
