Er ist eine Augenweide und zugleich ein Prestigeprojekt: Tegut hat in der thüringischen Stadt Weimar einen Supermarkt in einer denkmalgeschützten Halle eröffnet. Der neue Vorzeigemarkt in der Kulturstadt ist eine der Neueröffnungen des Unternehmens in diesem Jahr. Grundlage des architektonischen Konzepts war der nachhaltige Umbau der ehemaligen städtischen Schlachthalle. Bei der Restaurierung hat Tegut darauf geachtet, die ursprüngliche Struktur so wenig wie möglich zu verändern und die Schlachthalle mit viel Feingefühl zu restaurieren. So blieben unter anderem die Originalfassade und die Säulen erhalten.
Attraktiver Standort in Weimar
Der Standort im Osten Weimars ist äußerst attraktiv: Das Kirschbergquartier mit seinen rund 500 Wohnungen ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Mitteldeutschlands. Der Markt verbessert die Nahversorgung deutlich, da er fußläufig erreichbar ist und ein starkes regionales sowie Bio-Sortiment bietet. „Thüringen und insbesondere die Stadt Weimar sind für Tegut ein sehr wichtiger wirtschaftlicher Standort“, betont Waldemar Preis, Leiter des Bereichs Bau und Einrichtung bei Tegut.
Schon beim Betreten des Marktes beginnt das Erlebnis: Ein großzügiger Eingangsbereich empfängt die Kunden nun in der Mitte des Marktes. Ein Blick genügt, um die einzigartige Architektur der neuen Halle mit ihren Holzbalkendecken, historischen Säulen und dem modernen Design zu erfassen. Der Markt ist ein Ort mit Charakter und keineswegs ein x-beliebiger Supermarkt. „Wir wollten dieses Format unbedingt bewahren und im Markt umsetzen.“ Dies ist Tegut bei dem 4,5 Millionen teuren Umbau offensichtlich gelungen. „Das ist der schönste Markt, den wir je gebaut haben. Er ist nicht einfach irgendein Gebäude, sondern ein Wahrzeichen von Weimar.“ Auch das Areal rund um den Markt ist preiswürdig: Die Sanierung des gesamten Gebiets wurde 2018 mit dem Thüringer Denkmalschutzpreis ausgezeichnet.
Der Schlachthof wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, und bis 1993 wurde in unterschiedlichen Betreiberkonstellationen noch geschlachtet. 2012 begannen die ersten Sanierungsarbeiten. 2021 startete schließlich das Projekt zur Umnutzung. Ende Oktober 2023 begann die konkrete Neugestaltung. Auf einer Verkaufsfläche von 1.182 Quadratmetern werden seit diesem Jahr Lebensmittel verkauft.
In Zusammenarbeit mit Interstore und Schweitzer Ladenbau hat das Handelsunternehmen Tegut einen Vorzeigemarkt mit Frischetheken und einer Sushi-Station eröffnet. „Das Besondere an diesem Projekt ist, dass wir in Deutschland häufig gezwungen sind, neue Flächen zu erschließen. Das bedeutet, dass wir in die Natur eingreifen müssen“, sagt Waldemar Preis. In diesem Fall hat Tegut jedoch eine Halle des alten Schlachthofs wiederbelebt, die vor Jahren aufwendig saniert wurde. „Als nachhaltiges Unternehmen ist es für uns ideal, ein bestehendes historisches Gebäude zu nutzen und durch den weitgehenden Erhalt der Bausubstanz Emissionen durch Neubauaktivitäten zu vermeiden.“
Gelebter Denkmalschutz
Der Ansatz von Tegut war es, das Gebäude so zu belassen, wie es ist, und das Motto „Weniger ist mehr“ zu verfolgen. Gemeinsam mit der Hochschule Darmstadt hat der Händler eine Studie durchgeführt, die bestätigt hat, dass jedes Element eine Funktion haben muss. Fehlt diese, kann es weggelassen werden. Die 1887 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Halle stellte für das Unternehmen natürlich eine Herausforderung dar. „Wir mussten eng mit dem Denkmalamt zusammenarbeiten, um alles entsprechend umzusetzen. Auch das Veterinäramt war involviert, da offene Wände ein Risiko darstellen könnten.“
In kritischen Bereichen wie der Bedientheke, der Backstation oder dem Sushi-Bereich, in denen mit offenen Lebensmitteln gearbeitet wird, hat Tegut deshalb gemeinsam mit dem Veterinär- und Denkmalamt nach Lösungen gesucht und sie gefunden. Außerdem gab es bauliche Auflagen, die das Unternehmen umsetzen musste. So war es beispielsweise notwendig, eine Decke einzuziehen, da offene Decken nicht erlaubt sind.
Bausubstanz bleibt erhalten
Bei der Gestaltung des Marktes legte das Unternehmen großen Wert darauf, die ursprüngliche Bausubstanz zu erhalten. So blieben die Gebäudehülle, die offenen Backsteinwände und die verputzten Bereiche, wie beispielsweise im Brotbereich, unverändert erhalten. „Auch die betonierten Decken, die wie neu wirken, sind noch im Originalzustand“, sagt Waldemar Preis.
Eine weitere Herausforderung für die Verantwortlichen bestand darin, die Technik so zu integrieren, dass sie unsichtbar bleibt und die Ästhetik des Gebäudes nicht beeinträchtigt wird. „Wir haben die Leitungen entweder im Boden verlegt oder sie sehr genau an den Wänden entlanggeführt, um keine sichtbaren Verschalungen zu benötigen.“
Die nachhaltige Ausstattung umfasst auch eine Industrieflächenheizung. Diese ermöglicht eine energieeffiziente Grundbeheizung mit niedrigen Temperaturen. Die Steuerung und Überwachung aller technischen Anlagen erfolgt durch eine zentrale Gebäudeautomation.
Tegut, Wolfgang-Borchert-Bogen 1, 99425 Weimar
| Eröffnet | 2025 |
| Verkaufsfläche | 1.182 qm |
| Öffnungszeiten Mo.- Fr. (samstags bis 20 Uhr) | 7 bis 21 Uhr |
| Artikel | 14.370 |
| Regionale Produkte | 870 |
| Mitarbeiter (Köpfe) | 12 |
| Parkplätze | 44 |
| Elektro-Ladesäulen | 2 |
| Durchschnittsbon | 17,41 Euro |
| Investition | 4,5 Mio. Euro in Umbau mit Lager |
| Rücknahmeautomaten | 2 |
| Kaufkraft Ort | 89,9* |
* Kaufkraftindex 100 = 30.555 Euro; das entspricht einer durchschnittlichen Kaufkraft pro Kopf in Weimar in Höhe von 25.124 Euro. Der Index gibt an, wie hoch die finanziellen Mittel der Bevölkerung
sind, um Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Quelle: IHK und MB Research
Fünfzimmerwohnung
„Die bestehende Raumstruktur mit mehreren abgeschlossenen Bereichen ähnelt einer Fünfzimmerwohnung“, sagt Preis. Die Weinabteilung besticht durch ihre grob belassenen Wände, die an ein altes Kellergewölbe erinnern. Sie ist ein echter Hingucker. Im Sitzbereich der Bäckerei hängen Fotografien aus früheren Zeiten. Sie erzählen die Geschichte des Gebäudes und verleihen dem Raum gleichzeitig ein einzigartiges Flair.
Zur Strukturierung hat das Unternehmen Bodenfliesen mit verschiedenen Mustern verwendet. Auch gestalterisch ist die ursprüngliche Nutzung als Schlachthof noch erkennbar. So verweist beispielsweise das feine Ringgewebe in den Abhangdecken auf die Handschuhe und Schürzen der früheren Mitarbeiter. „Wir haben diese Kettenvorhänge bewusst als Designelement eingesetzt. Mit diesem historischen Element wollten wir einen Übergang zur langen Geschichte des Ortes schaffen.“
„Unser Markt ist nicht einfach nur ein Ort, an dem man schnell durchläuft. Er lädt zum Verweilen ein und bietet ein besonderes Einkaufserlebnis, das an eine Markthalle erinnert“, sagt Tegut-Bezirksleiter Matthias Zietz. Höhepunkt der neuen Filiale ist die große Theke mit Bedienung, an der es Angebote aus den Bereichen Fleisch, Wurst, Käse, Fisch und Antipasti gibt. Hier kommen funktionale Edelstahlmöbel zum Einsatz, die sich bei Bedarf auch schnell umbauen lassen.
„Aus meiner Sicht hat sich hier der Kreis geschlossen. Im 19. Jahrhundert diente das Gebäude der Versorgung der Menschen vor Ort“, sagt Bezirksverkaufsleiter Zietz. Nun sei das Handelsunternehmen Tegut hier eingezogen und habe das Gebäude wiederbelebt.
Weitere Pläne offen
Seit der Sanierungsankündigung im November 2024 hat Tegut neun Märkte geschlossen und zwei Filialen an andere Marktteilnehmer übergeben. In diesem Zeitraum wurden sieben Märkte neu eröffnet, wie die Presseabteilung des Mutterkonzerns, der Migros Zürich, auf Anfrage der Lebensmittel Praxis mitteilt. Für das nächste Jahr sind drei Neueröffnungen in Frankfurt, Fulda und Offenbach geplant. Welche weiteren Filialen aufgrund des Sanierungskonzepts schließen müssen, wird derzeit von Migros nicht kommentiert.
Drei Fragen an ...
Waldemar Preis, Bereichsleiter Bau und Einrichtung Tegut
Was gefällt Ihnen am neuen Markt am besten?
Ich schätze vor allem die Atmosphäre in unserem Markt. Dank der Ausstattung und des Wohlfühlambientes wird der Einkauf zu einem echten Erlebnis.
Was würden Sie das nächste Mal anders machen?
Nichts. Selbstverständlich gibt es immer Optimierungspotenziale. Letztendlich stellt sich jedoch die Frage: Ist es wirklich besser oder einfach nur anders?
Welche Erkenntnisse können andere Händler aus dem Beispiel des neuen Tegut-Markts gewinnen?
Für andere Handelsunternehmen ist es vor allem wichtig zu lernen, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Dies ist insbesondere in Bezug auf diesen Markt von großer Bedeutung. Ein gutes Beispiel für nachhaltiges Handeln ist die Umnutzung alter Gebäude.
