Habt ihr toll gemacht! Der Markt ist super, mein Kompliment!“, ruft eine Kundin Thorben Maaß zu, während sie mit einem langen Einkaufszettel in der Hand durch die Gänge des Supermarktes in Bremen-Horn schlendert. Auch wenn die Regale eindeutig mit den Produktgruppen gekennzeichnet sind, fällt ihr die Orientierung noch schwer, denn der neue Edeka-Markt von Jürgen Maaß und Sohn Thorben hat erst vor einer Woche eröffnet. Die Kundin möchte für Altenheimbewohner Salzstangen, Lindt-Schokolade – „aber die 60-prozentige“ – und Haribo-Tüten – „aber bitte die gemischten“ (sie meint wohl die Colorado-Mischung) – besorgen. Thorben Maaß schmunzelt, begleitet sie zu den Regalen und zeigt ihr geduldig die gewünschten Produkte.
Aus Lestra wird Edeka Maaß
An diesem Freitagvormittag herrscht Hochbetrieb in dem neuen Markt. Viele Menschen freuen sich, dass an diesem traditionsreichen Standort wieder ein Vollsortimenter eingezogen ist. „Wir kommen mit dem Nachfüllen kaum hinterher“, sagt der Juniorchef und tatsächlich: Überall auf der Fläche sind Mitarbeiter in Bewegung, die Regale befüllen – präsent, aber unaufdringlich.
Bis Ende Juni befand sich hier das in Bremen bekannte Lestra-Kaufhaus mit jahrzehntelangem Ruf und einer treuen Kundschaft mit hoher Kaufkraft. In dem Lebensmittelgeschäft gab es auch viele Schreibwaren sowie Wäsche und Wolle. Der frühere Inhaber fokussiert sich nun anderweitig und verkaufte das Lebensmittelgeschäft an die Edeka Minden-Hannover. Eine Bäckerei, einen Blumenladen, eine Parfümerie und ein Tabakgeschäft, die sich mit Lestra unter einem Dach befinden, besitzt er nach wie vor.
Für Familie Maaß, die bereits zwei weitere Märkte in Bremen-Oberneuland und Lemwerder erfolgreich führt, ist der Standort ideal – allerdings auch eine Herausforderung: Das Kaufhaus entsprach nicht mehr dem aktuellen technischen Stand und musste komplett entkernt werden. Die neuen, modernen Kühlmöbel arbeiten mit CO2, beheizt wird der Markt mit der Abwärme der Kälteanlagen und einer Wärmepumpe. Die Raumtemperatur überwacht die zentrale Leitwarte in Minden. Hinzu kamen neue, helle Fußböden, energiesparende LED-Beleuchtung und ein vergrößerter Kassenbereich. Auch der Parkplatz war stark renovierungsbedürftig.
Das ehemalige Lestra-Kaufhaus war bekannt für sein hochwertiges Sortiment. Die Edekaner wissen um dieses Erbe: „Es ist ein Spagat, den früheren Kunden mit einem zum Teil außergewöhnlichen Qualitätsanspruch gerecht zu werden und gleichzeitig Kunden mit kleinerem Budget günstige Alternativen klar sichtbar zu machen.“ Beispiele dafür gibt es viele. Kürzlich kaufte ein Kunde Rinderfilet – für seine Haustiere. Zur Eröffnung verkaufte Maaß zwei Paletten Veuve-Clicquot-Champagner für 40 Euro die Flasche. „Ein Kunde nahm Ware im Wert von 3.000 Euro mit“, berichtet Thorben Maaß. Gleichzeitig freuen sich viele Schüler über süße und herzhafte Snacks aus dem SB-Backshop, und auch das Edeka-Sortiment ist bei vielen Kunden gefragt.
Modernes Store-Design
Wie kann dieser Balanceakt gelingen? Die Basis dafür ist ein modernes Store-Design mit meist schwarzen Möbeln und Rückwänden, häufig kombiniert mit hellen Holztönen. Neue Oktalite-Panels setzen den Markt und die Ware optimal in Szene. So hat jeder Bereich ein eigenes Farb- und Lichtkonzept – es ist bewusst so gewählt, damit der Kunde sofort erkennt: Hier gibt es etwas Besonderes. „Am Anfang hatten wir das Gefühl, dass der Markt zu dunkel ist. Doch als die Regale mit der Ware bestückt waren, kam das Lichtkonzept voll zum Tragen: Die Ware wird optimal ausgeleuchtet, der Rest gerät in den Hintergrund“, ist Jürgen Maaß überzeugt.
Was auch auffällt, sind die englischen Schriftzüge an den Bedienungstheken, dem Backshop und der Salatbar. Hier liest man zum Beispiel „Nice & Cheesy“, „Cheese & Co.“, „Let’s (m)eat here!“, „It’s all about baking“ oder „The Green Bar“. Der Juniorchef begründet das so: „Wir wollen einen jungen, modernen Markt, der frisch und zeitgemäß wirkt. Die englischen Claims passen perfekt ins Konzept und setzen sich von anderen Märkten ab. So entsteht ein Ambiente, das überrascht – und das das Einkaufserlebnis stärkt.“
Bedientheken sind Herzstücke
Die Sortimentsgestaltung liegt fest in der Hand von Marktleiterin Michelle Ohlrogge, die bereits während der Planungsphase entscheidende Fäden zog. „Ohne sie wären wir aufgeschmissen“, sagt Thorben Maaß anerkennend. Weniger Nonfood, dafür deutlich mehr Frische, heißt die Devise.
Gleich im großzügigen Eingang lockt die heiße Theke mit Mittagsgerichten, die zwei Köche täglich frisch zubereiten. Die Obst- und Gemüseabteilung ist nun viermal so groß, stark regional ausgerichtet und ergänzt durch eine Salatbar mit frischen Salaten aus Eigenproduktion sowie das „Ananas-Paradies“. Auch die „Naturkind“-Welt für Bio-Artikel, ein großzügiger Backshop, ein deutlich erweitertes Angebot an Trendprodukten für Vegetarier und Veganer sowie „Frei von“- und proteinreiche Sortimente sind neu. „Diese Trendsortimente gab es hier vorher fast gar nicht. Heute sind sie ein Muss“, ist Thorben Maaß überzeugt.
Zu den besonderen Highlights zählen die Bedientheken für Käse, Fleisch/Wurst mit einer eigenen Wurstproduktion sowie für Fisch. Dort sorgen erfahrene Fachkräfte für Beratung und Genuss – von Lavendelkäse über einen beleuchteten Schinkentower mit Serrano- und Mangalica-Schinken für 7,99 Euro je 100 Gramm bis hin zu Dry-aged-Beef. In der Fischabteilung gibt es zu Feiertagen ganzen Seeteufel und Stör. Und im eigenen Räucherofen veredelt das Team Forellen, Doraden, Saiblinge und Makrelen.
Allein Produkte von 420 regionalen und nationalen Streckenlieferanten hat Edeka Maaß gelistet. Auch wenn hier schon sehr viele ausgefallene Produkte dabei sind, fragen die erwartungsvollen Kunden trotzdem nach Artikeln, die sie noch „vermissen“. Thorben Maaß reagiert prompt darauf: „Auf Kundenwunsch haben wir deshalb in der ersten Woche schon einige weitere Lieferanten aufgenommen, zum Beispiel glutenfreie Produkte von Schnitzer und Suppen und Brühen von Wela.“
Edeka Maaß, Horner Heerstraße 29-31, 28359 Bremen
| Eröffnet | 13.11.2025 |
| Verkaufsfläche | 2.495 qm |
| Öffnungszeiten Mo.- Sa. | 7 bis 21 Uhr |
| Artikel | 34.000 |
| Regionale Lieferanten | 70 |
| Mitarbeiter (Köpfe) | 100 |
| Parkplätze | 200 |
| Kunden pro Tag | 3.000 |
| Kassen | 8 + 4 SCO |
| Investition | 3,6 Mio. Euro |
| Rücknahmeautomaten | 2 |
| Kaufkraft Ort | 102* |
* Kaufkraftindex 100 = 30.555 Euro; das entspricht einer durchschnittlichen Kaufkraft pro Kopf in Bremen Horn in Höhe von 31.166 Euro. Der Index gibt an, wie hoch die finanziellen Mittel der Bevölkerung
sind, um Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Quelle: Freie Hansestadt Bremen
Erfahrenes Team an Bord
Die Kaufmannsfamilie ist froh, dass sie die Mannschaft des ehemaligen Lestra-Kaufhauses übernehmen konnte – ein großer Vorteil, denn sie kennt die Kundschaft seit Jahren und bringt wertvolles Know-how mit. Eine von ihnen ist Michaela Wiktor, Fachberaterin für Wein und Spirituosen. Sie hat sich das Fachwissen über die Jahre selbst angeeignet und „brennt“ für diese Abteilung. Diese ist ein Blickfang: helle Holzregale, das Weinsortiment klar sortiert nach Anbauregionen. Zu den Besonderheiten zählen hier beispielsweise die Scharzhofberger Spätlese von der Mosel, eine Trockenbeerenauslese von Karl Pfaffmann oder der Kräuterlikör Chartreuse, der in einem Kloster aus 130 Kräutern hergestellt wird. Künftig möchte Michaela Wiktor auch Weinabende und ein Whiskytasting anbieten.
In diesem Markt treffen anspruchsvolle Kunden, die hochwertige Schinken nachfragen, auf Schüler, die für ein kleines Budget ein warmes Mittagessen suchen. Dem Ansturm im Markt nach zu urteilen, gelingt es dem Team, beide Welten zu vereinen – anspruchsvoll und bodenständig zugleich.
