Galeria Gläubiger stimmen Sanierungsplan zu

Galeria hat die letzte große Hürde für seine Rettung genommen: Die Gläubigerversammlung stimmte am Dienstag dem Plan zur Sanierung der angeschlagenen Warenhauskette zu. Kern des Plans ist, dass von 92 Filialen 76 übrig bleiben – Gläubiger müssen erneut auf viel Geld verzichten.

Mittwoch, 29. Mai 2024 - Handel
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Bildquelle: Matthias Mahr

Formell steht das Insolvenzverfahren vor dem Abschluss. Auch das zuständige Amtsgericht Essen hat den Plan bestätigt. Nach Ablauf der Beschwerdefrist kann es das Verfahren in den nächsten Wochen aufheben. Dann ist der Weg endgültig frei für die Sanierung des Handelsriesen und die Übernahme durch die neuen Eigentümer: Dabei handelt es sich um die US-Investmentgesellschaft NRDC und die Beteiligungsfirma von Beetz, der bis 2012 Vorstandschef des Kosmetikkonzerns Coty war. Im Juli möchte Denkhaus an sie übergeben.

Für die Beschäftigten herrscht bereits weitgehend Klarheit. Das Zittern nach der dritten Insolvenz innerhalb von weniger als vier Jahren hat vorerst ein Ende. Anders als es mancher Handelsexperte vorhergesagt hatte, geht es für Galeria weiter. Doch zahlen Unternehmen und Beschäftigte erneut einen hohen Preis. Erneut werden bundesweit Filialen geschlossen, 1.400 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz.

Die Gewerkschaft Verdi stellte vor dem Messegebäude für jede geschlossene Filiale ein symbolisches Holzkreuz auf. Der Schnitt bei Galeria erfolgt dabei längst nicht so tief wie erwartet. Experten hatten im Januar vorhergesagt, dass allenfalls 20 bis 30 Standorte erhalten bleiben. Viele äußerten Zweifel, dass sich überhaupt ein Interessent finden würde.

An der nicht-öffentlichen Veranstaltung in Essen am Dienstag nahmen rund 120 Personen teil, die rund 4.600 Gläubiger vertreten haben. Sie müssen mit der Annahme des Insolvenzplans erneut auf viel Geld verzichten. In den vergangenen Wochen hatten Vermieter, Lieferanten und andere Gläubiger wie der Bund Forderungen in Höhe von 886,1 Millionen Euro angemeldet. Voraussichtlich fließen nur bis zu 22,5 Millionen Euro - das sind 2,5 bis 3 Prozent - an sie zurück. Zahlungen aus den Ansprüchen gegen den bisherigen Eigentümer, die Signa-Gruppe des Unternehmers René Benko, könnten die Quote noch erhöhen. Weil vom finanziell angeschlagenen Mutterkonzern zugesagte Hilfen ausgeblieben waren, rutschte Galeria Anfang des Jahres erneut in die Insolvenz.

Mehr Geld bekommt der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zurück. Der staatliche Stabilisierungsfonds hatte Galeria 2021 und 2022 mit 680 Millionen Euro unter die Arme gegriffen. Ein Großteil der Ansprüche war im Zuge des 2023 abgeschlossenen Insolvenzverfahrens entfallen. Fortgeführt wurde ein sogenanntes Nachrangdarlehen in Höhe von 88 Millionen Euro. Weil dafür neue Sicherheiten für den Fall eines Zahlungsausfalls vereinbart wurden, verfügt der WSF über „vorrangige Absonderungsrechte“ aus der Insolvenzmasse. Die zuständige Finanzagentur erwartet, dass die Forderungen nun vollständig erfüllt werden. Im Zuge der neuen Insolvenz seien keine weiteren Ausfälle zu erwarten.

Den Grundstein für den Neuanfang hat der Insolvenzverwalter gelegt. Hauptziel von Denkhaus war es, den Konzern mittelständischer aufzustellen. Der Unternehmenssitz in Essen wird aufgegeben. Die Verwaltung soll 2025 - deutlich verschlankt - in eine Filiale in Düsseldorf einziehen. Die Mietbelastung soll dadurch um rund 80 Millionen Euro pro Jahr sinken. Auch der Name ändert sich. Die Warenhauskette heißt künftig nur noch Galeria, die großen, traditionsreichen Marken Karstadt und Kaufhof verschwinden. Zu eng verbunden sind diese mit den jüngsten Pleiten, heißt es.

Und dennoch sind Zweifel und Unsicherheit mit dem Ja der Gläubiger nicht verschwunden. Das liegt auch daran, dass viele wichtige Fragen noch unbeantwortet sind. Wie gelangt Galeria zurück in die Erfolgsspur? Wie behauptet man sich gegen Handelsriesen wie Amazon und neue Portale wie Shein und Temu? Und wie wird verhindert, dass das Warenhausunternehmen 2025 erneut in Schieflage gerät? 

Entscheidend wird sein, was Beetz und die Investmentgesellschaft NRDC um den früheren Kaufhof-Eigentümer Richard Baker und Sohn Jack in die Warenhauskette stecken. Im Insolvenzplan steht, dass sie „umfangreiche finanzielle Mittel“ für Sanierung und Neuausrichtung zugesichert hätten, nicht wie viel. „Die neuen Eigentümer müssen noch zeigen, dass es ihnen ernst ist. Aus dem Insolvenzplan geht das nicht hervor“, sagte der Insolvenzexperte Manfred Hunkemöller. 

Verdi-Verhandlungsführer Marcel Schäuble kritisierte: „Zu den Zielen für die Zukunft sind wenig ambitionierte Aussagen getroffen worden. Eigentlich nichts, was über die bekannten Planungen hinaus geht.“ Die Wirtschaftlichkeit von Galeria könne nicht im Wesentlichen durch Kostensenkung erreicht werden.

Bis zu 100 Millionen Euro sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren fließen, hieß es aus dem Umfeld der Investoren. Ob das genügt, ist zumindest fraglich. Handelsexperten schätzen den Investitionsbedarf bei Galeria auf über eine Milliarde Euro. Im Hinblick auf die Zukunft des Warenhausunternehmens ist vieles also weiterhin unklar.

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