Verbraucherzentrale „Mogelpackungen“ am Pranger

Die Lebensmittelpreise steigen zur Zeit deutlich. Hintergrund sind die dramatisch gestiegenen Kosten für Handel und Industrie. Die Verbraucherzentrale Hamburg sucht aktuell ganz gezielt nach „versteckten“ Preiserhöhungen.

Freitag, 19. August 2022 - Handel
Lebensmittel Praxis
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Im Juli waren Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 14 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Gestiegene Rohstoffpreise machen sich hier ebenso bemerkbar wie höhere Energiekosten oder Mehrausgaben für Logistik infolge der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges. Die Situation ist zum Teil dramatisch.

Auf allen Medienkanälen von Print bis Fernsehen ist aktuell die Verbraucherzentrale Hamburg aktiv und warnt vor versteckten Preiserhöhungen bei Markenartikeln, aber auch bei Eigenmarken des Handels. Formate wie etwa Stern TV bei RTL widmen den sogenannten Mogelpackungen derzeit große Aufmerksamkeit. Als „besonders negatives Beispiel“ zeigte Armin Valet, Lebensmittelexperte bei der Verbraucherzentrale Hamburg, Sonntagabend auf die Marke Rama: Habe der Preis für die klassische Rama 2008 meist bei 1,09 Euro für eine 500-Gramm-Packung mit 80 Prozent Fett gelegen, bekomme der heute nur noch einen 400-Gramm-Becher mit 60 Prozent Fett zum Preis von 2,19 Euro. Vor allem der letzte Preisschritt, der eine verminderte Streichfettmenge bei gleicher Packungsgröße beinhaltete, wurde seitens der Verbraucherschützer vehement kritisiert.

Upfield Deutschland reagierte auf die Kritik der Verbraucherzentrale: „Wie die meisten Lebensmittelunternehmen haben auch wir dramatische Kostensteigerungen in unserer gesamten Lieferkette, einschließlich unserer Rohstoffe, zu verzeichnen. Wo immer möglich, fangen wir diese Kosten auf, damit sie sich nicht auf unsere Verbraucherinnen und Verbraucher auswirken. Tatsache ist jedoch, dass die Herstellung unserer Produkte heute viel mehr kostet als noch vor einem Jahr, und das hat sich auf unsere Preise ausgewirkt. Wir möchten, dass unsere Produkte so erschwinglich wie möglich bleiben. Deshalb haben wir die Grammatur einiger unserer Produkte leicht reduziert. Diese Änderung ist auf unseren Verpackungen deutlich erkennbar. Wir sprechen zwar eine unverbindliche Preisempfehlung (UVP) für unsere Produkte aus, aber der endgültige Verkaufspreis unserer Produkte liegt immer im Ermessen des jeweiligen Einzelhändlers“, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns.

Handelsexperte Thomas Roeb, der einst als Bereichsleiter Verkauf bei Aldi Süd, seine Karriere begann und heute als Hochschullehrer über betriebswirtschaftliche Themen im Handel forscht, wies wie der bekannte Fernsehinvestor und Nonfood-Unternehmer Ralf Dümmel auf die Preissetzungshoheit des Handels hin. Und auch die Preisschwellenthematik spielt nach Aussagen der Fachleute ein gewichtige Rolle. Würden bestimmte, gelernte Preisschwellen überschritten, werde ein Produkt vom Verbraucher plötzlich als teuer wahrgenommen. Die Folge sei womöglich ein drastischer Preisrückgang.

Gestiegen ist nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg die Häufigkeit sogenannter doppelter Preiserhöhungen auf der Mogelpackungsliste des Verbandes. Gemeint sind damit Produkte, bei denen nicht nur die Füllmenge reduziert, sondern zusätzlich der Preis vom Handel erhöht wurde. Betraf das in den vergangenen zwei Jahren durchschnittlich 18 Prozent der aufgenommenen Artikel, so waren es im ersten Halbjahr 2022 bereits rund 35 Prozent.

Indes verschärft sich auch der Ton zwischen Discounter und Supermärkten in deren Werbekampagnen. Wettbewerber werden auf Social Media-Kanälen vorgeführt . Aldi Nord kontert aktuell mit dem Slogan „In jedem Discounter steckt ein Aldi“ und vergleicht in der Printwerbung auf Doppelseiten jetzt sogar offensiv Preise der Markenhersteller mit Preisen der Eigenmarken. Der Kampf um Konditionen spitzt sich zu wird nun an die Verbraucher herangetragen. Allerdings, Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg, hat auch die Handelsmarken im Blick: Auffällig ist nach seinen Aussagen, dass auch Supermärkte und Discounter bei ihren Eigenmarken immer öfter zu „verstecken“ Preiserhöhungen greifen würden. Dies habe in der Vergangenheit eher Seltenheitswert gehabt.

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