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Interview Peter Maly Discountern kontern

Reiner Mihr | 19. Juni 2019

Peter Maly ist Bereichsvorstand Handel Deutschland der Rewe-Group. Er ist auch Mitglied der Jury zum „Supermarkt des Jahres“. Im Gespräch äußert er sich zur Rewe und den Herausforderungen der Branche.

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Muss man als Rewe-Bereichsvorstand eigentlich FC-Köln-Fan sein?
Peter Maly: Nein. Trotzdem wir seit vielen Jahren Trikot- und Hauptsponsor des 1. FC Köln sind, darf man bei Rewe auch mit anderen Vereinen jubeln oder leiden. Ich bin seit meiner Jugend Fan vom Hamburger SV. Aktuell spielt der HSV wie der FC Kölle in der 2. Bundesliga. Natürlich drücke ich auch die Daumen, dass sowohl der HSV als auch der FC Köln wieder in die 1. Bundesliga aufsteigen.

Der FC ist auf Platz 1 und steigt auf. Wo sehen Sie die Rewe-Märkte in Deutschland? Platz 3 hinter Discount und Edeka?
Zum Glück spielen wir – anders als der FC Köln – aktuell nicht in der 2. Liga. Im Gegenteil: Jahr für Jahr verzeichnen die Rewe-Märkte das stärkste Wachstum im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel. Aktuell sehe ich die Rewe ganz weit vorne in der Spitzengruppe – um beim Fußball zu bleiben.

Wo konkret sehen Sie die Rewe-Märkte klar vorne?
Ich glaube, dass wir bei vielen Themen, die den Lebensmittel-Einzelhandel in Deutschland bewegen, aktuell die Nase vorne haben. Allein beim Thema „Service“ fallen mir folgende Angebote spontan ein: Der Rewe-Servicepoint in jedem Markt ist die zentrale Anlaufstelle für Payback-Rezeptfinder und -Aktionen. Smart Shoppen mit Selbstbedienungskassen für Kunden mit wenigen Artikeln. Bargeld abheben seit 2003 ab einem Einkaufswert von zehn Euro. Hier waren wir Branchenpionier.

Mir fällt noch Online ein...
Ja, auch beim Onlinegeschäft mit Lebensmitteln ist Rewe Branchenpionier und Branchenführer: Hier erreichen wir rund 70 Prozent der Haushalte in Deutschland. Unser Lieferservice ist in 75 Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern präsent. Online bestellte Lebensmittel können vom Kunden aktuell in mehr als 220 Märkten abgeholt werden. Und der Rewe-Paketdienst ist bundesweit ausgerollt. Bei weiteren Online-Services ist Rewe Branchenführer:
Rewe Deine Küche als Ernährungs- und Rezeptratgeber
Rewe-App: 2,6 Millionen haben sich diese bereits installiert
Kunden-WLAN in rund 3.300 Rewe-Märkten.
Nicht zu vergessen unser Nachhaltigkeitsengagement wie Plastikreduktion oder gesunde Ernährung.

Was ist die stärkere Herausforderung für den Vollsortiment aktuell? Discount oder Online-Verkauf von Lebensmitteln?
Die stärkste Herausforderung für einen Vollsortimenter wie Rewe ist nach wie vor der Discounter. Er hat einen Marktanteil von 45 Prozent. Aldi und Lidl investieren viel Geld in den Umbau ihrer Märkte immer mehr hin zu kleinen Vollsortimentern. Das müssen wir immer im Auge behalten und als Vollsortimenter schnell reagieren. Mit noch mehr Service, standortspezifischen Sortimenten, absoluter Frische und Fachberatung. Der Online-Verkauf von Lebensmitteln spielt mit rund ein Prozent vom Umsatz in Deutschland noch eine unbedeutende Rolle. Aber auch hier sind wir durch unsere Online-Aktivitäten vorbereitet und fit, wenn es los geht.

Rund 3.300 Märkte in Deutschland – wie viele fahren das Rewe-2020-Konzept komplett?
Die Umstellung auf das Supermarkt-2020-Konzept ist ein kontinuierlicher Prozess. Bis Jahresende 2019 werden 500 Rewe-Märkte mit dem innovativen Konzept am Netz sein.

Ihre Bewertung – wie kommen die „neuen“ Rewe-Märkte an?
Im vergangenen Jahr ist Rewe in Deutschland einmal mehr deutlich stärker gewachsen als die Wettbewerber im Supermarkt- und Discountgeschäft. Unsere Fokussierung auf die Wünsche der Kunden vor Ort trägt also Früchte. Die Besucher unserer Märkte scheinen zufrieden zu sein. Und das ist das Wichtigste.

Welche Module von Rewe 2020 sind die entscheidenden für die Profilierung der Märkte?
Zu den wichtigsten Elementen dieses Konzepts zählen der „Marktplatz der Frische“ mit Obst und Gemüse, die neu gestalteten Servicebereiche mit Bedientheken, ein breites Convenience-Angebot und ein Gastro-Bereich. Rund 60 Prozent der Fläche eines solchen Marktes wird für Frische-Produkte genutzt. Die innovativen Sortimente werden stets auf den individuellen Standort zugeschnitten.

60 Prozent der Fläche eines Rewe Marktes nach dem „Konzept 2020“ soll für Frische-Produkte genutzt werden. Sie werden auf den jeweiligen Standort zugeschnitten.

Gastronomie im Handel ist ein vieldiskutiertes Thema. Sicher auch bei Ihnen. Welche Kriterien setzen Sie an, um einen Vollsortimenter mit einem gastronomischen Angebot wie beispielsweise in Rodgau oder Egelsbach auszustatten?
Die Zeiten, dass man ein national einheitliches Konzept hat, das dann ausgerollt wird, sind in der Handelsgastronomie vorbei. Wir setzen auf ein modulares Konzept, das standortabhängig ist. Dafür haben wir ein Tool entwickelt, aus dem wir je nach Bedarf die passenden Elemente herausgreifen. Je nach Standort kann es beispielsweise Sinn machen, lediglich einen Imbiss anzubieten oder eine Suppenküche. Sollten an einem anderen Standort mehr Platz und mehr Kundendurchlauf vorhanden sein, können weitere gastronomische Angebote dazukommen.

Gibt’s nach Konzept 2020 weitere Steigerungsmöglichkeiten? Was könnte das sein?
Stillstand bedeutet Rückschritt. Wir entwickeln selbstverständlich unsere Konzepte kontinuierlich weiter. Dabei richten wir uns immer nach den Kundenbedürfnissen aus, die sich sehr viel schneller als früher verändern. Der Kunde von morgen kann schon wieder andere Präferenzen haben. Dabei stehen mehr Frische, mehr Convenience, mehr Regionalität und Lokalität sowie mehr Nachhaltigkeit im Fokus unserer Arbeit.

Sie sind neues Mitglied in der Jury zum „Supermarkt des Jahres“. Welche Rolle spielt das „Kräftemessen“ der besten Supermarkt-Betreiber für Sie?
Ich bin stolz als Neuling in diesem Jahr zum ersten Mal der Jury zum „Supermarkt des Jahres“ anzugehören. Für mich gehört der „Supermarkt des Jahres“ seit Jahren zu den bedeutendsten Branchenevents im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Ich bin gespannt auf die Arbeit und den Austausch in der Jury und mit den Kollegen. Möge der beste Betreiber am Ende siegen.