Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat für Freitag zu Warnstreiks im Bonner Stammwerk von Haribo aufgerufen. Die Arbeitsniederlegungen sollen alle Schichten betreffen, wie die Gewerkschaft mitteilte. An dem Standort arbeiten nach Angaben der Gewerkschaft rund 600 Menschen.
„Bei Haribo werden die Produktionsbänder nur noch auf Sparflamme laufen“, sagte NGG-Vertreterin Sarah Richter. Produktionsausfälle von Colorado, Lakritzschnecken und anderen Sorten seien zu erwarten. Es gebe einen „stinksauren Süß-Protest“.
Hintergrund ist der Tarifkonflikt in der nordrhein-westfälischen Süßwarenindustrie. Der bisherige Tarifvertrag lief Ende April aus. Die Gewerkschaft fordert ein Lohn-Plus von 5,8 Prozent bei einer Vertragslaufzeit von 12 Monaten. Der alte Tarifvertrag lief 22 Monate lang und enthielt in einem ersten Schritt ein Plus von fünf Prozent und in einem zweiten Schritt ein Plus von 2,5 Prozent.
Arbeitgeber bieten zwei Mal 2 Prozent
Die Arbeitgeber bieten einen 24 Monate laufenden Tarifvertrag, bei dem es in zwei Schritten um jeweils zwei Prozent nach oben gehen soll. Außerdem bietet der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) zwei Einmalzahlungen von jeweils 156 Euro netto. Die Lage der Branche sei angespannt, teilte der Verband mit. Die Produktionsmenge der deutschen Süßwarenindustrie sei im Jahr 2025 um knapp 4 Prozent auf 3,73 Tonnen gesunken. Zugleich blieben die Kosten für Rohstoffe, Energie und Logistik hoch. Die Forderung der Gewerkschaft sei wirtschaftlich nicht tragfähig.
Der Tarifvertrag gilt den Angaben der Gewerkschaft zufolge für rund 17.000 Beschäftigte. Neben Haribo sind auch Standorte von Lindt in Aachen, Katjes in Emmerich, Storck in Halle/Westfalen und dem Kartoffelchips-Hersteller Intersnack in Grevenbroich betroffen. Die Gewerkschaft will die Warnstreiks ausweiten, falls die Arbeitgeber kein besseres Angebot vorlegen. Die vierte Verhandlungsrunde ist für den 13. August geplant.