Produktsicherheit Streit um Pestizidrückstände in Kaffee

Konventioneller Kaffee enthält einem neuen Bericht zufolge Rückstände von Pestiziden, die in der Europäischen Union verboten sind. Der Kaffeeverband weist diese Darstellung entschieden zurück. Kaffee in Deutschland sei sicher, für die Verbraucher bestehe kein Risiko.

Freitag, 26. Juni 2026, 09:59 Uhr
Manuel Glasfort
Um der Deutschen beliebtestes Heißgetränk ist ein Streit entbrannt: Enthält Kaffee gefährliche Pestizidrückstände? Bildquelle: Getty Images

Konventioneller Kaffee enthält Rückstände von Pestiziden, die in der Europäischen Union verboten sind. Dies geht aus einem Bericht von Coffee Watch, der Deutschen Umwelthilfe, dem Inkota-Netzwerk und dem Pesticide Action Network UK hervor. Die Organisationen stellten insgesamt 159 Pestizidwirkstoffe fest, die in der Kaffeeproduktion zum Einsatz kommen. 59 Prozent davon sind in der EU verboten, wie Inkota mitteilte.

Die Pestizide werden vor allem in den Anbauländern eingesetzt und gelangen über die Lieferketten nach Deutschland. „Der Bericht macht die Doppelmoral in der Kaffeebranche deutlich sichtbar: Pestizide, die in der EU als zu gefährlich eingestuft sind, werden in Kaffeeanbauländer exportiert und dort unter deutlich schwächeren Schutzstandards eingesetzt“, zitierte Inkota die Hauptautorin des Berichts, Silke Bollmohr, in der Mitteilung. Die gesundheitlichen Folgen trügen Arbeiter, ihre Familien und die Bevölkerung in den Anbaugebieten. Etwa jede fünfte Tasse Kaffee enthalte giftige Pestizidrückstände, heißt es in dem Bericht.

Die eingesetzten Pestizide stehen den Angaben zufolge mit massiven Gesundheitsschäden wie Krebs und Fortpflanzungsschäden in Zusammenhang. Menschen in den Anbauländern seien den Pestiziden unmittelbar ausgesetzt, oft ohne ausreichende Schutzkleidung. In 72 Prozent der Kaffeeproben wurden Rückstände von Glyphosat nachgewiesen. In Brasilien wurden 2015 rund 19,8 Millionen Liter Pestizide im Kaffeeanbau eingesetzt, in Vietnam hat sich der Pestizideinsatz in 25 Jahren mindestens verdreifacht. In Kenia entfallen 27 Prozent des nationalen Pestizideinsatzes auf den Kaffeeanbau, obwohl Kaffee weniger als ein Prozent der Anbaufläche einnimmt.

Kaffeeverband weist Vorwürfe zurück

Der Deutsche Kaffeeverband wies die Vorwürfe zurück. Kaffee gehöre zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland und Europa, teilte der Verband mit. Eventuell vorhandene Spuren von Pflanzenschutzmitteln würden durch den Röstprozess bei Temperaturen von bis zu 250 Grad Celsius sowie beim Brühen nahezu vollständig abgebaut. Für Verbraucher bestehe zu keinem Zeitpunkt ein gesundheitliches Risiko. Die Behauptung, Kaffee sei ein belastetes Endprodukt, sei wissenschaftlich nicht haltbar.

Ein gänzlicher Verzicht auf Pflanzenschutz würde in vielen Anbauregionen zu massiven Ernteausfällen führen und die Existenz von Millionen Kleinbauern bedrohen, argumentierte der Kaffeeverband. Die Mitgliedsunternehmen förderten vor Ort das Konzept des integrierten Pflanzenschutzes. Chemische Mittel würden dabei als letztes Mittel und unter Einhaltung lokaler und internationaler Regeln eingesetzt. Ein einseitiges Exportverbot aus der EU löse das Problem nicht, sondern führe lediglich dazu, dass Anbauländer diese Mittel aus anderen Regionen der Welt bezögen.

Neue Produkte