Der Bayer-Konzern hat vor dem Obersten Gericht der USA einen wichtigen Erfolg in den Rechtsstreitigkeiten um den Unkrautvernichter Roundup erzielt. Das Gericht entschied, dass Bayer nicht wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen verklagt werden kann. Tausenden Klagen dürfte damit die Grundlage entzogen werden, teilte das Unternehmen mit.
Das Oberste Gericht begründete sein Urteil damit, dass in den USA die Umweltbehörde EPA einheitliche Markierungen vorschreibe. Abweichende Anforderungen einzelner Bundesstaaten könne es daher nicht geben. Die Bayer-Aktie legte nach dem Urteil zeitweise um rund 20 Prozent zu. Der Konzern begrüßte die Entscheidung als „gut für die Wissenschaft, Landwirte und für Branchen, die auf regulatorische Klarheit für Innovationen angewiesen sind“, wie das Unternehmen in einer Stellungnahme mitteilte.
Der Fall geht auf eine Klage von John Durnell zurück, die im Oktober 2023 in St. Louis verhandelt wurde. Geschworene kamen damals zu dem Schluss, dass Bayer zu einer Krebswarnung auf dem Unkrautvernichter verpflichtet gewesen sei, und sprachen dem Kläger 1,25 Millionen Dollar zu. Bayer wählte den Fall später aus, um vor dem Obersten Gericht ein Grundsatzurteil zu erzielen.
EPA sieht kein Krebsrisiko bei Roundup
Bayer verneint ein Krebsrisiko von Roundup. Die EPA hielt mehrfach fest, sie gehe nicht davon aus, dass der Unkrautvernichter Krebs bei Menschen verursache. Deswegen seien auch keine Warnhinweise notwendig. Eine Forschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO hatte den Wirkstoff Glyphosat vor einem Jahrzehnt allerdings als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Zwei der neun Obersten US-Richter – die Linke Ketanji Brown Jackson und der Konservative Neil Gorsuch – widersprachen der Ansicht der Mehrheit.
Bayer hatte sich die Rechtsstreitigkeiten 2018 mit der Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto ins Haus geholt. Nach einer ersten Niederlage in einem Glyphosat-Prozess stiegen die Klägerzahlen. In verschiedenen Prozessen waren Klägern von Gerichten zum Teil hohe Schadenersatzansprüche zugesprochen worden, in anderen Fällen konnte sich Bayer durchsetzen.
Bayer-Chef Bill Anderson, der das Ruder in Leverkusen im Juni 2023 übernommen hatte, verfolgt das Ziel, die US-Rechtsstreitigkeiten bis Ende 2026 signifikant einzudämmen. Aus Sicht von Bayer dürfte das Urteil dazu führen, dass aktuelle Klagen abgewiesen und künftige Klagen verhindert werden – soweit sie auf angeblich fehlenden Warnhinweisen beruhen. Zugleich strebt der Konzern weiterhin die finale Genehmigung eines angekündigten großen Sammelvergleichs an.