Deutschland/Europa Zuckerindustrie wehrt sich gegen strengere EU-Klimavorgaben

Die deutsche Zuckerindustrie fordert Änderungen an den neuen Emissionsvorgaben der Europäischen Union. Die Branche warnt vor zusätzlichen Kosten während der laufenden Umstellung auf eine klimafreundliche Produktion.

Dienstag, 23. Juni 2026, 13:30 Uhr
Lebensmittel Praxis
Die Zuckerindustrie fordert Änderungen an den neuen ETS-Benchmarks der Europäischen Union. Die Branche sieht ihre Investitionen in eine klimaneutrale Produktion durch zusätzliche Kosten belastet. Bildquelle: Dennis Möbus/Südzucker

Die EU-Kommission hat gemeinsam mit den Mitgliedstaaten neue Benchmarkwerte für Industrieanlagen im europäischen Emissionshandelssystem beschlossen. Die Benchmarks bestimmen, wie viele CO₂-Zertifikate Unternehmen künftig kostenlos erhalten. Werden die Vorgaben überschritten, müssen zusätzliche Zertifikate erworben werden.

Der Wirtschaftsverband Zucker sieht die Transformation der Zuckerproduktion durch verschärfte ETS-Benchmarks, also Referenzwerte im Emissionshandel, gefährdet. Nach Ansicht des Verbands berücksichtigt die EU-Kommission die tatsächlichen Investitionszyklen der Industrie nicht ausreichend. Laut Verband verschärften Vorgaben zu erheblichen Mehrkosten für die Branche. Die Unternehmen hätten ihre CO₂-Emissionen in den vergangenen Jahrzehnten bereits um mehr als 60 Prozent reduziert und arbeiteten an einer klimaneutralen Zuckerproduktion bis 2045.

Der Verband verweist darauf, dass die Umstellung auf klimaneutrale Produktionsverfahren umfangreiche Investitionen erfordert. Dazu gehören neue Anlagen, Anpassungen bestehender Produktionsstandorte sowie teilweise auch der Ausbau von Energieinfrastruktur und Netzanschlüssen.

Verband fordert Überprüfung der Berechnung

Nach Angaben der Branche werden in den kommenden Jahren Investitionen in Milliardenhöhe notwendig sein. Gleichzeitig stehen die Unternehmen nach Verbandsangaben durch sinkende Zuckerpreise und steigende Kosten unter wirtschaftlichem Druck.

Kritik übt der Verband insbesondere an der Berechnungsmethode der Benchmarks. Diese orientiert sich derzeit an den besten 10  Prozent der Anlagen eines Sektors. Der Verband fordert stattdessen eine Bemessung auf Basis der besten 50 Prozent der Unternehmen, um die Transformation praktikabler zu gestalten.

Mit Blick auf die geplante Reform des Emissionshandelssystems fordert die Branche eine stärkere Berücksichtigung realistischer Umsetzungszeiträume für Investitionen in klimafreundliche Produktionsverfahren.

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