Die zentrale Erkenntnis einer Analyse des Beratungsunternehmens A&M ist, dass der Kapitalmarkt Umsatzwachstum deutlich stärker belohnt als reine Margenverbesserungen. Das Beratungsunternehmen hatte sich mit 23 Konsumgüterunternehmen mit einem Jahresumsatz von jeweils mehr als zehn Milliarden US-Dollar (8,7 Mrd. Euro) befasst und diese befragt.
Während viele Konsumgüterunternehmen in den vergangenen Jahren auf Effizienzprogramme und Kostensenkungen gesetzt haben, erzielen Unternehmen mit nachhaltigem Umsatzwachstum signifikant höhere Bewertungsmultiplikatoren. Laut A&M lassen sich rund 64 Prozent der Unterschiede bei den Unternehmensbewertungen durch das Umsatzwachstum erklären.
Traditionelle Wachstumsmodelle zunehmend unter Druck
Laut der Analyse lassen sich rund 64 Prozent der Unterschiede bei den Bewertungsmultiplikatoren (EV/EBIT) durch Umsatzwachstum erklären. Der Bewertungsmultiplikator EV/EBIT setzt den Unternehmenswert (Enterprise Value, EV) ins Verhältnis zum operativen Gewinn (EBIT). Unternehmen mit einem Wachstum von 5 bis 8 Prozent erzielen deutlich höhere Bewertungen als Wettbewerber mit stagnierendem oder rückläufigem Umsatz. Margen allein zeigen hingegen nur eine geringe Korrelation mit dem Unternehmenswert.
Gleichzeitig geraten traditionelle Wachstumsmodelle zunehmend unter Druck. Verbraucher achten stärker auf Preise, greifen häufiger zu Handelsmarken und entdecken neue, spezialisierte Marken über soziale Medien und E-Commerce-Plattformen. Besonders große Konsumgüterkonzerne verlieren dadurch an Volumenwachstum.
Strategisches Dilemma für Vorstände und Finanzchefs
Daniel Mahler, Managing Director bei Alvarez & Marsal, erläutert: „Vorstände und Finanzchefs stehen heute vor einem strategischen Dilemma: Investieren wir in weiteres Wachstum oder konzentrieren sie sich auf Kostensenkungen. Unsere Analyse zeigt, dass der Kapitalmarkt Wachstum deutlich höher honoriert als reine Margenverbesserungen. Die erfolgreichsten Unternehmen schaffen deshalb beides gleichzeitig: Sie modernisieren ihre Kostenbasis und investieren konsequent in neue Wachstumsquellen.“
Laut A&M reichen klassische Kostensenkungsprogramme nicht mehr aus. Gefragt seien vielmehr neue Betriebsverfahren, schnellere Innovationszyklen, datenbasierte Entscheidungen sowie engere Partnerschaften mit dem Handel. Unternehmen müssten lernen, unterschiedliche Geschäftsmodelle parallel zu steuern - von hochintegrierten Mega-Marken bis hin zu autonomen, trendgetriebenen Markenportfolios.
Sechs Hebel für zukünftiges Wachstum identifiziert
Die Analyse identifiziert sechs zentrale Hebel für zukünftiges Wachstum:
- eine konsequente Ausrichtung auf Verbraucher- und Shopperbedürfnisse
- eine engere Zusammenarbeit mit Händlern
- dynamische Ressourcensteuerung in Echtzeit
- schnellere Innovationsprozesse
- eine höhere Marketing- und Vertriebsproduktivität
- eine aktive und differenzierte Portfoliosteuerung