Jahrestagung der Fleischwirtschaft Deutsche essen mehr Fleisch – doch die Produktion wandert ab

Der Fleischverzehr in Deutschland ist 2025 zum dritten Mal in Folge gestiegen. Gleichzeitig ging die inländische Produktion zurück, weil Importe aus dem europäischen Ausland zunahmen. Die Branchenverbände warnen auf ihrer gemeinsamen Jahrestagung vor wachsenden Standortnachteilen und fordern weniger nationale Sonderregeln.

Donnerstag, 11. Juni 2026, 09:46 Uhr
Theresa Kalmer
Der Fleischverzehr in Deutschland ist 2025 zum dritten Mal in Folge gestiegen. Gleichzeitig ging die heimische Produktion zurück, während die Importe aus anderen EU-Ländern zunahmen. Bildquelle: Getty Images

Der Fleischverzehr in Deutschland ist im Jahr 2025 zum dritten Mal in Folge gestiegen. Gleichzeitig ging die inländische Produktion von Fleischwaren zurück, weil die Importe aus anderen europäischen Ländern zunahmen. Das teilten der Bundesverband der deutschen Wurst- und Schinkenproduzenten (BVWS) und der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) auf ihrer gemeinsamen Jahrestagung in Berlin mit.

Nach Berechnungen der Verbände lag der Pro-Kopf-Verzehr bei 54,9 Kilogramm Fleisch – 1,4 Kilogramm mehr als im Vorjahr. Schweinefleisch blieb demnach mit 28,3 Kilogramm pro Kopf die wichtigste Fleischart. Dass die Produktion im Inland trotz steigenden Konsums sank, führen die Verbände auf wachsende Wettbewerbsnachteile des Standorts Deutschland zurück. VDF-Vorstandsvorsitzender Martin Müller zeigte sich dennoch zufrieden: „Die aktuellen Zahlen belegen, dass Fleisch und Fleischwaren weiterhin einen festen Platz im Einkaufswagen der Verbraucher haben“, hieß es in der Mitteilung.

Die Branche erwirtschaftet nach eigenen Angaben einen Produktionswert von mehr als 45 Milliarden Euro und zählt damit zu den größten Zweigen der deutschen Ernährungsindustrie. Dennoch sehen die Verbände die Rahmenbedingungen zunehmend kritisch. Nationale Sonderregelungen gingen häufig über die Vorgaben der Europäischen Union hinaus, hohe Energie- und Produktionskosten belasteten die internationale Wettbewerbsfähigkeit, und zahlreiche neue Dokumentations- und Kennzeichnungspflichten trieben die Kosten weiter in die Höhe. Die Verbände warnen davor, dass Unternehmen Produktionskapazitäten ins Ausland verlagern könnten, wenn sich die Bedingungen nicht verbessern.

BVWS und VDF kritisieren Tierhaltungskennzeichnungsgesetz

Konkret kritisierten BVWS und VDF das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, das die Bundesregierung der Europäischen Union zur Notifizierung vorgelegt hat. Aus Sicht der Verbände besteht bei dem Gesetz weiterhin erheblicher Anpassungsbedarf, damit es den Anforderungen an eine praxisgerechte und bürokratiearme Umsetzung genüge. Auch die europäische Empowering-Consumers-Richtlinie, die Verbraucher vor irreführenden Umweltaussagen schützen soll, sehen die Verbände mit gemischten Gefühlen. Sie begrüßen zwar das Ziel, fordern aber, dass bestehende Systeme anerkannt und die Umsetzungskosten verhältnismäßig bleiben.

BVWS-Präsidentin Sarah Dhem forderte die Politik auf, bei künftigen Gesetzesvorhaben stärker auf Praxistauglichkeit und europäische Einheitlichkeit zu achten. „Neue Regelungen müssen verständlich, praktikabel und europaweit möglichst einheitlich ausgestaltet werden und dürfen nur dann eingebracht werden, wenn ihre Notwendigkeit belegt ist“, erklärte Dhem laut der Mitteilung. Zudem drängen die Verbände darauf, den Zugang zu internationalen Absatzmärkten wie China, Japan, Indonesien, den Vereinigten Staaten und Mexiko stärker voranzutreiben.

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