EU-Agrarkommissar Christophe Hansen (EVP) will angesichts des sinkenden Weinkonsums in Europa neue Absatzmärkte in Asien erschließen. Besonders Länder wie Thailand, Indien und die Philippinen stehen dabei im Fokus, wie Hansen der Deutschen Presse-Agentur sagte.
„Ich glaube, wir haben sehr attraktive Weine, auch in Deutschland“, sagte Hansen laut der Mitteilung. Vor allem nach Weißweinen gebe es eine große Nachfrage. Das habe sich auch bei einem kürzlichen Besuch in Thailand gezeigt, bei dem Hansen mit rund 100 Lebensmittelproduzenten aus der EU vor Ort war.
Als besonders vielversprechend gilt den Angaben zufolge der indische Markt. Die EU und Indien hatten sich im Januar auf die Schaffung einer Freihandelszone verständigt. Im Rahmen des Abkommens sollen die indischen Zölle auf Wein zunächst auf 75 Prozent und später auf bis zu 20 Prozent sinken. Hansen verwies darauf, dass die ausgehandelten Bedingungen besser seien als die des Hauptwettbewerbers Australien. Indien sei mit mehr als 1,4 Milliarden Menschen ein riesiger Markt, auch wenn nicht jeder dort Wein trinke.
EU verhandelt Handelsabkommen mit Thailand und den Philippinen
Neben Indien rücken auch Thailand und die Philippinen in den Fokus. Dort gebe es sowohl viele Touristen als auch einheimische Konsumenten, sagte Hansen. Mit beiden südostasiatischen Ländern verhandelt die EU derzeit über Handelsabkommen.
Europas Weinregionen stehen unterdessen vor weiteren Herausforderungen. Der Klimawandel zwingt Winzer dazu, sich anzupassen – etwa durch den Umstieg auf pilzresistente Rebsorten. Im Frühjahr traten neue EU-Regeln in Kraft, die Weinbauern zusätzliche Unterstützung bei Pflanzenkrankheiten, extremen Wetterereignissen und der Förderung von Weintourismus ermöglichen sollen. Die EU-Staaten können Mittel zudem für die Rodung überschüssiger Rebflächen einsetzen. „Das ist ein Teil Geschichte, der damit verloren geht. Deshalb hätte ich natürlich lieber, wir würden unsere Weine verkaufen können“, sagte Hansen dazu.
Der rückläufige Weinkonsum ist Teil eines größeren Trends: Welche Folgen der sinkende Alkoholkonsum für Händler und Hersteller hat, analysiert die Lebensmittel Praxis in ihrer aktuellen Titelstory.