Getränketrends Kalttee verliert Tempo – Hersteller setzen auf Magnesium, Gen Z und Kai Pflaume

Hintergrund

Der große Boom bei Kaltaufguss flacht ab. Trotzdem investieren Teekanne und OTG in neue Sorten, funktionale Zusätze und jüngere Zielgruppen. Aus dem Sommerprodukt soll ein Ganzjahresgeschäft werden.

Dienstag, 26. Mai 2026, 08:27 Uhr
Elena Kuss
Kalttee soll längst mehr sein als ein Sommerprodukt: Hersteller wie Teekanne und OTG setzen auf neue Sorten, funktionale Zusätze und jüngere Zielgruppen. Bildquelle: Getty Images

Der Boom bei Kalttee geht in die nächste Phase. Nach Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten verliert die Kategorie zwar an Dynamik. Gleichzeitig investieren die Hersteller weiter massiv in Innovationen, neue Zielgruppen und funktionale Zusätze. Der Wettbewerb verschiebt sich damit zunehmend von der Frage „Braucht es Kaltaufguss?“ hin zur Frage: Wie bleibt die Kategorie relevant?

Besonders deutlich zeigt sich das bei der Positionierung. Teekanne will das Segment künftig stärker als „Kalttee“ statt „Kaltaufguss“ vermarkten. „Wir werden das Naming des Segments sukzessive Richtung Kalttee ändern“, sagt Marketingchef Christian Exner Arizaga. Hintergrund sei eine aktuelle Marktforschung. Der Begriff „Kaltaufguss“ werde von Konsumenten als weniger „tasty“ und weniger „sexy“ wahrgenommen.

Dabei hat Teekanne die Kategorie selbst maßgeblich mit aufgebaut. Seit 2012 entwickelt das Unternehmen das Segment systematisch weiter. Aus einer erklärungsbedürftigen Produktidee sei inzwischen ein eigenständiges Segment geworden, dessen Umsatz sich laut Unternehmen in den vergangenen Jahren mehr als verdreifacht habe. Heute umfasst das Portfolio sowohl die klassische „Frio“-Range als auch die Bio-Linie „Cold & Fresh“.

Junge Käufer statt klassischer Tee-Shopper

Noch ist das Marktpotenzial aus Sicht der Anbieter längst nicht ausgeschöpft. Laut Teekanne entfällt inzwischen nahezu jeder zweite Euro im Segment auf das Unternehmen. Gleichzeitig kaufen bisher nur rund ein von zehn Haushalten überhaupt Kalttee, während Tee insgesamt auf eine Haushaltsreichweite von knapp 80 Prozent kommt. Auffällig: Die Käufer sind deutlich jünger als klassische Tee-Shopper.

Auch die Ostfriesische Tee Gesellschaft (OTG) sieht die Kategorie trotz nachlassender Dynamik weiter als Wachstumsfeld. „Kaltaufguss hat sich bei uns von einem saisonalen Sommerprodukt zu einem Ganzjahreskonzept entwickelt“, sagt Geschäftsführerin Annemarie Leniger. Wachstumstreiber seien heute vor allem Meßmer Cold Tea und Meßmer Cold Tea Sport.

Magnesium, Zink und Sportfokus

OTG setzt dabei stark auf Funktionalisierung. Zusätze wie Magnesium, Zink oder Eisen sollen die Produkte stärker im Health- und Wellness-Trend verankern. Seit Anfang 2025 adressiert „Cold Tea Sport“ gezielt aktive Zielgruppen. Im April 2026 brachte das Unternehmen zudem eine limitierte Pflaumen-Variante mit Zink und Eisen auf den Markt.

Parallel versuchen die Hersteller, über neue Konsumanlässe zusätzliche Reichweite aufzubauen. OTG erweitert das Sortiment etwa mit „Trinkpause“-Produkten für Schulkinder oder nostalgisch aufgeladenen Limited Editions bei Milford. Teekanne wiederum setzt auf moderne Geschmacksprofile wie Yuzu-Minze oder funktionale Varianten mit Zink.

Innovation bleibt damit zentral für die Kategorie. Laut Teekanne war „Frio Yuzu-Minze“ 2025 die zweitstärkste Neuheit der gesamten Teekategorie. Auch funktionale Produkte entwickeln sich stark. „Neue Geschmacksrichtungen und funktionale Zusätze wie Vitamine oder Mineralstoffe sind wichtige Impulsgeber für das Segment“, sagt Exner Arizaga.

Ähnlich argumentiert OTG. „Funktionale Zusätze sind angesichts des Megatrends Gesundheit ein klarer Wachstumstreiber und zentrales Differenzierungsmerkmal der Kategorie“, sagt Leniger. Gleichzeitig würden Limited Editions Aufmerksamkeit am Regal erzeugen, Impulskäufe fördern und die Regalpräsenz absichern.

Bio verliert an Bedeutung

Beim Thema Bio zeigt sich dagegen ein differenzierteres Bild. Während Teekanne mit „Cold & Fresh“ gezielt Bio-zertifizierte Kalttees anbietet, spricht OTG von einem rückläufigen Bio-Anteil innerhalb der Kategorie. Laut Nielsen sank der Umsatzanteil von Bio-Kaltaufguss von 7,6 Prozent im Jahr 2024 auf 5,3 Prozent 2025. Die OTG selbst bietet keine Bio-Kaltaufguss-Variante an. Für viele Verbraucher stünden inzwischen Geschmack, Markenvertrauen und Funktionalität stärker im Vordergrund.

Die Hersteller reagieren außerdem zunehmend mit aufmerksamkeitsstarken Kampagnen. OTG arbeitet dabei prominent mit TV-Moderator Kai Pflaume zusammen. Die Aktivierungen sollen laut Unternehmen sowohl die „Stopping Power“ am POS erhöhen als auch Impulskäufe fördern.

Trotz aller Innovationen deutet vieles darauf hin, dass der Markt in eine neue Phase eintritt. Die starke Aufbauphase der vergangenen Jahre scheint vorerst vorbei. Entscheidend wird nun, ob es den Herstellern gelingt, Kalttee dauerhaft als Alltagsgetränk zu etablieren. Stärkster Gegner ist vielleicht der Trend zu kaltem Kaffee. Ready-to-Drink Coffee entwickelt sich im Umsatz weiter positiv. Und die recht neuen Kaffeekonzentrate zum Beispiel unter den Markten Nescafé oder Jacobs sind in den Zahlen von Yougov bisher nicht erfasst.

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