Erste Runde ergebnislos Süßwarenindustrie ringt um Tarifabschluss in NRW

Arbeitgeber und Gewerkschaft in der Süßwarenbranche in NRW haben sich in der ersten Verhandlungsrunde nicht auf einen neuen Entgelttarifvertrag einigen können. Der Arbeitgeberverband BDSI bietet 1,4 Prozent mehr Lohn bei 24 Monaten Laufzeit – für die Arbeitnehmervertreter „völlig inakzeptabel“.

Freitag, 24. April 2026, 14:43 Uhr
Theresa Kalmer
Rund 60.000 Beschäftigte arbeiten in der deutschen Süßwarenindustrie – sie ist damit die viertgrößte Branche der Ernährungsindustrie. Bildquelle: Manuel Glasfort

Die Tarifverhandlungen für die Süßwarenindustrie in Nordrhein-Westfalen gehen in die zweite Runde. In der ersten Verhandlungsrunde zwischen dem Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) konnten sich die Parteien nicht auf einen neuen Entgelttarifvertrag einigen, wie der BDSI mitteilte.

Der Arbeitgeberverband bot den Angaben zufolge eine lineare Erhöhung der Tarifentgelte um 1,4 Prozent für alle Tarifgruppen und Auszubildenden bei einer Laufzeit von 24 Monaten an. Zusätzlich schlug die Arbeitgeberseite eine Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge vor. Der bestehende Entgelttarifvertrag läuft am 30. April 2026 aus.

Der Gewerkschaft reicht das nicht. „Das ist das schlechteste Angebot, das seit Jahren auf den Tisch gekommen ist. Völlig inakzeptabel“, erklärt Mohamed Boudih, Landesbezirksvorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NRW und Verhandlungsführer der Arbeitnehmerseite. „1,4 Prozent für zwei Jahre bedeutet für die Beschäftigten einen klaren Reallohnverlust. Das hat nichts mit Wertschätzung zu tun.“

Die NGG fordert für die Beschäftigten der Süßwarenindustrie NRW weiterhin eine Lohnerhöhung von 5,8 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, mindestens jedoch 230 Euro mehr im Monat. Damit sollen nach dem Willen der Gewerkschaft insbesondere die mittleren und unteren Einkommen spürbar entlastet werden.

Arbeitgeber argumentieren mit Branchenmisere

Der BDSI begründete sein Angebot mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Branche. Die deutschen Hersteller von Süßwaren und Knabberartikeln stünden 2026 unter erheblichem Druck durch gestiegene Energie- und Logistikkosten, unsichere Lieferketten sowie geopolitische Risiken. Hinzu kämen Belastungen durch Steuern, Arbeitskosten und Bürokratie, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe schwächten.

„Die unterschiedlichen Positionen sind deutlich geworden. Wir gehen mit der klaren Absicht in die zweite Runde, gemeinsam mit dem Sozialpartner NGG Verantwortung zu übernehmen, und zu einem Ergebnis zu kommen“, zitierte der Verband seinen tarifpolitischen Geschäftsführer Mario Mundorf.

Die zweite Verhandlungsrunde findet nach NGG-Angaben am 20. Mai 2026 statt. Sollte auch dann kein verhandlungsfähiges Angebot vorliegen, sei man bereit, den Druck zu erhöhen

Die Tarifgebiete der Süßwarenindustrie verhandeln traditionell regional. Parallel zu den Gesprächen in Nordrhein-Westfalen starten laut dem BDSI auch Verhandlungen in weiteren Gebieten. Die Branche beschäftigt nach Verbandsangaben bundesweit rund 60.000 Menschen in etwa 200 überwiegend mittelständischen Unternehmen und zählt damit zur viertgrößten Branche der deutschen Ernährungsindustrie.

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