Süßwarenmarkt Verbraucher kaufen deutlich weniger Schokolade

Die Lust auf Süßes ist groß in Deutschland – aber nicht um jeden Preis. Bei Schokolade sind Verbraucher deshalb zurückhaltender. Andere Produkte sind hingegen beliebter geworden. Derweil fiebert die Süßwarenbranche ihrer Leitmesse ISM entgegen.

Dienstag, 27. Januar 2026, 13:01 Uhr
Susanne Klopsch und Manuel Glasfort (mit dpa)
Kostspieliger Genuss: Die Preise für Schokolade haben deutlich angezogen, darauf reagieren die Verbraucher mit Kaufzurückhaltung. Bildquelle: Jan C. Brettschneider

Die Verbraucher in Deutschland kaufen weniger Schokolade. Die Zahl der verkauften Packungen sank im Jahr 2025 um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie der Marktforscher NIQ vor Beginn der Internationalen Süßwarenmesse (ISM) in Köln mitteilte. Bei Weihnachtsschokolade fiel der Rückgang mit 12 Prozent noch deutlicher aus. Der Umsatz mit Schokoladenwaren stieg dennoch um 7,5 Prozent, weil die Hersteller die Preise erhöhten.

Eine Packung Schokolade kostete 2025 im Schnitt rund 14 Prozent mehr als im Vorjahr. „Für Konsumenten gibt es beim Preisanstieg Grenzen. Das führte sogar bei beliebten Events wie Ostern und Weihnachten zu Kaufzurückhaltung und Verzicht“, zitierte NIQ den Süßwarenexperten David Georgi. Laut Statistischem Bundesamt kostete eine Tafel Schokolade im Dezember knapp 70 Prozent mehr als 2020, Pralinen verteuerten sich um mehr als 50 Prozent. Die Verbraucher griffen zuletzt häufiger zu Sonderangeboten.

Laut Branchenangaben ist die Nachfrage trotz höherer Preise robust. „Die Verbraucher verzichten nicht auf Schokolade. Der Konsum sinkt, aber deutlich weniger stark als die Preise steigen“, sagte Ulrich Zuenelli, Aufsichtsratsvorsitzender des Süßwarenhandelsverbandes Sweet Global Network. Auch wird betont, dass sich Schokolade in Deutschland vergleichsweise weniger stark verteuert habe. 

Hersteller wie Mondelez, Ritter Sport oder Lindt & Sprüngli verweisen auf gestiegene Rohstoffkosten, insbesondere beim Kakao, infolge klimabedingt schlechter Ernten. Schokolade war bereits in den Vorjahren teurer geworden. Die Branche steigerte ihre Erlöse vor allem wegen der höheren Preise.

Süßwarenbranche steigert Gesamtumsatz trotz Rückgängen

Insgesamt erhöhte die Süßwarenbranche ihren Umsatz in Deutschland im vergangenen Jahr um 4,9 Prozent, wie NIQ mitteilte. Die Zahl der abgesetzten Packungen sank um 2,2 Prozent. Für einige Produkte lief es jedoch besser. Zu den Gewinnern zählten Sport- und Energieriegel, salzige Snacks wie Laugengebäck und Stapelchips, Waffeln sowie Frucht- und Weingummis inklusive Lakritze.

Einen weiteren Trend identifizierte Dr. Henning Bergmann, Hauptgeschäftsführer von Der Mittelstandsverbund – ZGV: „Ein zentrales Merkmal des Jahres 2025 war die weiter steigende Bedeutung der Handelsmarken. Ihr Anteil am Süßwarenumsatz liegt inzwischen bei rund 15 bis 30 Prozent.“ Bergmann betonte, Handelsmarken seien keine Konkurrenz zur Markenindustrie, sondern eine strategisch wichtige Ergänzung. „Sie ermöglichen preislich attraktive Angebote, schnelle Reaktion auf Trends und sichern die Sortimentsvielfalt in einem hochpreissensiblen Markt.“

Branchenverband BDSI erwartet kein einfaches Jahr

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) schaut in seiner Bilanz auf „ein schwieriges Jahr“ zurück. Die Unternehmen erlebten drastische Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Personal, Energie und Logistik. Die Menge der in Deutschland hergestellten Süßwaren und Knabberartikel sank 2025 nach Angaben des Verbandes auf 3,9 Millionen Tonnen. Dies entspricht einem Rückgang von gut 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch 2026 wird kein einfaches Jahr erwartet. Bei den Kakao- und Haselnusspreisen sei keine Entspannung zu erkennen, hieß es.

Die Branche präsentiert sich vom 1. bis 4. Februar auf der ISM in den Kölner Messehallen. Rund 1.600 Aussteller aus etwa 70 Ländern zeigen auf 100.000 Quadratmetern ihr Angebot und neue Trends, darunter auch vegane und proteinreiche Snacks. Schokolade bleibt die größte Süßwaren-Kategorie, gefolgt von salzigen Snacks, Zuckerwaren und Gebäck.

ISM erstmals in einem erweiterten Verbund

Erstmals findet die Messe für Süßwaren und Snacks in einem erweiterten Verbund statt. Neben der ISM finden zeitgleich die Pro Sweets Cologne, eine Zuliefermesse für die Süßwaren- und Snackindustrie, sowie die ISM Ingredients, eine neue Fachmesse für Rohstoffe, Inhaltsstoffe und Halbfabrikate, statt. Den Angaben der Koelnmesse zufolge entsteht so ein Messekonzept, das die gesamte Wertschöpfungskette abbildet.

Zu den zehn größten Beteiligungsländern zählen neben Deutschland Italien, Belgien, China, Spanien, die Türkei, die Niederlande, Polen, Großbritannien, Frankreich und Griechenland. Mit 39 Gemeinschaftsständen aus 29 Ländern und Regionen erreicht die Zahl der Länderpavillons nach Angaben der Koelnmesse ein Rekordniveau. Neue Pavillons kommen aus Japan, Marokko, Thailand und der Ukraine.

Ritter Sport erstmals seit 2020 wieder dabei

Zu den deutschen Ausstellern gehören unter anderem Brandt, Katjes, Lambertz, Ritter, Storz und Trolli. Ritter nimmt erstmals seit 2020 wieder teil. International stellen unter anderem Cloetta Holland, Fazer, Ferrara, Lindt & Sprüngli, Loacker, Manner, Nestlé Italiana, Orkla, Tootsie Roll und Walkers Shortbread aus. Fazer präsentiert sich erstmals mit einem eigenen Messestand.

Alle relevanten nationalen und internationalen Handelsunternehmen haben ihre Teilnahme zugesagt, wie die Koelnmesse mitteilte. Zu den registrierten Einkäufern zählen Aldi, Amazon, Carrefour, Edeka, Rewe, Rossmann, Tesco und Walmart.

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