Schadinsekt auf dem Vormarsch Weitere Notfallzulassungen gegen Schilf-Glasflügelzikade geplant

Ein Schadinsekt bedroht zentrale Kulturen in Deutschland. Der Industrieverband Agrar warnt angesichts der Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade vor Totalausfällen bei Kartoffeln und Zuckerrüben. Bundesminister Rainer sagt bei einem Runden Tisch zu dem Thema Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel zu.

Mittwoch, 17. Dezember 2025, 10:22 Uhr
Manuel Glasfort
Die Schilf-Glasflügelzikade bedroht wichtige Agrarkulturen wie Kartoffeln – und hat die Politik auf den Plan gerufen. Das Agrarministerium plant Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel. Bildquelle: Getty Images

Die Schilf-Glasflügelzikade bedroht zentrale landwirtschaftliche Kulturen in Deutschland. Der Industrieverband Agrar warnte bei einem Runden Tisch im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) am Dienstag vor wachsenden Gefahren für Kartoffeln und Zuckerrüben. Das Schadinsekt gefährde die heimische Versorgungssicherheit und die Wertschöpfung in ländlichen Räumen, teilte der Verband mit.

Fast täglich werden nach Angaben des Industrieverbands Agrar neue Nachweise des Schädlings bei weiteren Fruchtarten gemeldet. Ohne wirksame Bekämpfungsstrategien drohten mittelfristig Totalausfälle ganzer Kulturen. Der Verband fordert die schnelle Veröffentlichung von Versuchsvorschriften, damit Hersteller die notwendigen Zulassungsversuche für neue Pflanzenschutzmittel erstellen können. „Die Schilf-Glasflügelzikade ist eine neue Herausforderung für unsere Landwirtschaft. Wir müssen jetzt Lösungen finden, bevor ganze Ernten gefährdet sind“, zitierte der Verband seinen Hauptgeschäftsführer Frank Gemmer in der Mitteilung.

Bundesminister Alois Rainer (CSU) hat nach Angaben des Verbands zugesagt, Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel auch im Jahr 2026 vollumfänglich zu unterstützen. Bereits in diesem Jahr hatte es eine befristete Notfallzulassung gegeben. Eine rechtzeitige Bekanntgabe der genehmigten Flächen sei wesentlich, um eine ausreichende Warenversorgung sicherzustellen. Der Industrieverband Agrar fordert zudem den Einsatz hochwirksamer Beizmittel sowohl für betroffene Kulturen als auch für Wirtspflanzen wie Wintergetreide. Nur so könnten Infektionsketten unterbrochen und der Krankheitsdruck gesenkt werden.

Kartoffelverbände fordern mehr Forschung

Die Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft und der Deutsche Kartoffelhandelsverband mahnten bei dem Runden Tisch an, die praxisnahe Forschung zu intensivieren. Noch immer sei zu wenig über den Schaderreger-Wirtspflanzen-Komplex bekannt, teilten die Verbände mit. Sie plädierten für einen finanziellen Ausbau praxisnaher Projekte und die Schaffung entsprechender Personalkapazitäten in Bund und Ländern. „Die sukzessive Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade und somit der von ihr übertragenen bakteriellen Krankheiten an Kartoffeln, bedarf einer breit angelegten Bekämpfungsstrategie“, zitierte die Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft ihren Beiratsvorsitzenden Justus Böhm in der Mitteilung.

Neben der Versorgungssicherheit geht es nach Angaben der Verbände um die Wirtschaftskraft des ländlichen Raums. Zuckerfabriken, Kartoffelverarbeitung und Gemüsebau sind tragende Säulen regionaler Wertschöpfung. Ein Wegfall dieser Strukturen hätte irreversible Folgen für Arbeitsplätze und Standortfaktoren, warnte der Industrieverband Agrar. Der Deutsche Kartoffelhandelsverband betonte, der Anbaustandort Deutschland sichere nicht nur die Versorgung mit Kartoffeln, sondern auch Arbeitsplätze zumeist im ländlichen Raum.

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