Krise der Branche Weinbauern-Initiative kritisiert etablierte Verbände

Die neu gegründete Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau kritisiert die etablierten Weinbauverbände: Diese hätten die dramatische Lage der Branche bisher heruntergespielt. Die Initiative ruft für den 30. August 2025 bundesweit zum „Tag des Deutschen Weins“ auf. 

Montag, 25. August 2025, 10:23 Uhr
Thomas Klaus
Ernsthafte Lage der Weinbau-Branche: Doch über die richtige Gegenstrategie gibt es keinen Konsens. Bildquelle: Getty Images

Der deutsche Weinbau steht vor einer existenziellen Krise. Bis zu 50 Prozent der Winzerfamilien in Deutschland droht innerhalb weniger Wochen das wirtschaftliche Aus. Davor warnt die neu gegründete Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau erneut. Die Lage ist demnach dramatisch, da die Trauben- und Fassweinpreise aktuell bei nur 40 bis 60 Cent pro Liter liegen - weit unter den Produktionskosten.

Auch teilweiser Verlust der kulturellen Identität

Thomas Schaurer, Gründer und Vorsitzender der Initiative, betont die Tragweite der Situation: „Halten wir diese Entwicklung nicht auf, verlieren wir nicht nur Betriebe, sondern auch ein großes Stück unserer kulturellen Identität.“ Bereits 2024 gab es ihm zufolge ähnlich niedrige Preise. Ein zweites Jahr in Folge könnte für viele Betriebe das Ende bedeuten, meint der Vorsitzende.

Als Lösungsansatz schlägt die Initiative vor, dass Verbraucher pro Jahr eine zusätzliche Flasche deutschen Weins anstelle einer importierten kaufen. Dies könnte die Zukunft der deutschen Winzerfamilien sichern, heißt es. Aktuell liegt der Konsumanteil bei nur 8 Litern deutschem Wein von insgesamt 20 Litern pro Kopf und Jahr.

Schaurer: Wir bitten Verbraucher nicht um Mitleid

Um ein Zeichen zu setzen, ruft die Zukunftsinitiative für den 30. August 2025 bundesweit zum „Tag des Deutschen Weins“ auf. An diesem Tag sollen Verbraucher gezielt eine Flasche mehr deutschen Wein kaufen. „Wir bitten nicht um Mitleid. Es geht um die Entscheidung, ob der Weinbau und mit ihm die Wertschöpfung in Deutschland erhalten bleiben soll“, erklärt Schaurer.

Initiative: Wir streben ehrlichen Dialog an

Die Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau kritisiert die etablierten Weinbauverbände: Diese hätten die dramatische Lage der Branche bisher heruntergespielt. Behauptet werde öffentlich, es handele sich nur um eine kleine Krise, die höchstens 20 bis 30 Prozent der Winzerfamilien betreffe. Die Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau wolle hingegen offen über die Herausforderungen informieren, so Thomas Schaurer. Der Verein vereint nach eigenen Angaben Winzerinnen und Winzer aus allen deutschen Anbaugebieten und strebt einen ehrlichen Dialog an, um tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Kritik an den Verbänden stößt auf Widerspruch

Die Kritik an den etablierten Weinbauverbänden stößt zum Teil in der Branche auf Unverständnis. So verweist Marian Kopp, Geschäftsführender Vorstand der Winzergenossenschaft Lauffener Gärtner, auf die zahlreichen Initiativen, die es bereits gibt und die die Unternehmen stärken sollen.  Ein Beispiel sei das Deutsche Weininstitut, das etwa auch Kampagnen wie Vitaevino, die europäische Kampagne für verantwortungsvollen Weinkonsum und Weiterentwicklung unterstütze.  Kopp ruft zu einer differenzierteren Diskussion auf 

Deutliche Worte zur Situation der Branche gibt es auch vom Deutschen Weinbauverband. Der fordert unter anderem dringend Hilfe von der Politik und insbesondere der Bundesregierung. Weinbauverband blickt mit Sorge in die Zukunft

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