Zukunft des deutschen Weinbaus Kopp ruft zu einer differenzierteren Diskussion auf

„Die Berichterstattung über Insolvenzen in der Weinbranche ist teilweise übertrieben.“ Das meint Marian Kopp (Foto), Geschäftsführender Vorstand der Winzergenossenschaft Lauffener Gärtner. Er bezieht sich gegenüber der Lebensmittel Praxis auf eine Kampagne der neugegründeten Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau.

Mittwoch, 18. Juni 2025, 09:00 Uhr
Thomas Klaus und Elena Kuss
Weinbau-Experte: Marian Kopp hält die Berichterstattung zur Situation des Weinbaus teilweise für übertrieben. Bildquelle: Lauffener Weingärtner eG

Marian Kopp, Geschäftsführender Vorstand der Winzergenossenschaft Lauffener Gärtner, hat zu einer differenzierteren Diskussion über die Zukunft des deutschen Weinbaus aufgerufen. Die Berichterstattung sei „teilweise übertrieben“, meint er.

Zukunftsinitiative: vielfacher Bankrott in den kommenden Monaten

Der deutsche Weinbau steckt nach Ansicht der Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau in einer existenziellen Krise. Der Winzerverein warnt, dass in den kommenden Monaten 50 bis 60 Prozent aller Winzerfamilien in Deutschland der Bankrott droht.

Die Gründe für die prekäre Lage sieht der Verein in den niedrigsten Großhandelspreisen seit Beginn der Aufzeichnungen bei gleichzeitig stark gestiegenen Produktionskosten.

Bundesweite Kampagne läuft

Um auf die Lage aufmerksam zu machen, hat der Verein die bundesweite Kampagne „Dein Wein von Hier“ gestartet. Der Verein will mindestens 5 Prozent des Weinabsatzes zugunsten heimischer Produkte zurückgewinnen – zu fairen Preisen. Derzeit stammt nur etwa die Hälfte des in Deutschland konsumierten Weines aus heimischer Produktion. Die Initiative fordert einen Mindesterzeugerpreis für Fasswein von 1,20 Euro netto pro Liter, in den kleinen Anbaugebieten mit erschwerten Anbaubedingungen deutlich mehr.

Kopp: Entwicklung betrifft gesamte europäische Weinbranche

Marian Kopp bestätigt: „Es stimmt, dass einige kleine Weingüter still und leise schließen und die Erträge seit Jahren dramatisch zurückgehen. Auch die Rebflächen werden weniger, sowohl in Deutschland als auch in ganz Europa.“ In Bordeaux seien bereits einige Hektar verschwunden. Allerdings: „Diese Entwicklung betrifft die gesamte europäische Weinbranche, und Deutschland ist da keine Ausnahme.“

Mit Blick auf die dramatischen Prognosen des neuen Winzervereins stellt Kopp fest: Eine genaue Einschätzung zu treffen sei schwer und spekulativ. „Ich denke, wenn man von Insolvenzen spricht, ist das eher eine Metapher dafür, wie dramatisch die Lage ist.“

Weinbranche mit zahlreichen Initiativen

Marian Kopp verweist auf die zahlreichen Initiativen der Weinbrache, die es bereits gibt und die die Unternehmen stärken sollen. Ein Beispiel sei das Deutsche Weininstitut, das auch Kampagnen wie Vitaevino, die europäische Kampagne für verantwortungsvollen Weinkonsum und Weiterentwicklung, sowie die Initiative „Don't drink and drive“ unterstütze.

Kopp: Positie Entwicklungen sollten wir nutzen

Das Fazit des Weinbauexperten: „Die Weinbranche ist sehr aktiv, aber die Entwicklung bleibt herausfordernd. Der deutsche Markt zählt zu den schwierigsten weltweit. Deshalb ist es entscheidend, verantwortungsvoll zu handeln und die Vielfalt unserer Angebote zu betonen, sei es durch Hofaktivitäten, Genussreisen oder innovative Ansätze wie Zukunftsweine aus Piwi-Sorten.“ Diese böten Vorteile im Pflanzenschutz und köntnen Kosten senken. „Solche positiven Entwicklungen sollten wir nutzen.“

Winzergenossenschaft mit langer Traditionslinie

Die Lauffener Weingärtner ist eine renommierte Winzergenossenschaft aus Lauffen am Neckar, Baden-Württemberg. Die Genossenschaft hat eine lange Tradition, die bis ins Jahr 1935 zurückreicht, und vereint heute rund 850 Hektar Rebfläche. Neben klassischen Weinen engagieren sich die Lauffener Weingärtner auch für innovative Projekte, wie die Jungwinzergruppe „Vinitiative“, die den Nachwuchs im Weinbau fördert.

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