Der Deutsche Weinbauverband sieht trotz guter Traubenqualität die Zukunft der Branche mit Sorge. „Ein guter Jahrgang allein löst nicht unsere strukturellen Probleme“, sagte Verbandspräsident Klaus Schneider bei einer Veranstaltung in Impflingen. Der Verband fordert dringend politische Unterstützung, vor allem von der Bundesregierung.
Schneider: Was fehlt, ist Konsequenz in der Politik
Die Weinbranche steht nach Angaben des Verbands unter erheblichem Druck. Sinkender Weinkonsum, steigende Produktionskosten, fehlender Bürokratieabbau und wachsender internationaler Wettbewerb belasten die Betriebe. Schneider bemängelte in diesem Zusammenhang: „Was fehlt, ist Konsequenz in der Politik.“
Prognosen, wonach in den kommenden fünf Jahren 30 Prozent der Flächen stillgelegt würden und viele Betriebe schließen müssten, kommentierte der Verbandspräsident nicht. Ein Hauptproblem ist der sinkende Weinkonsum: Er ist in Deutschland im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre um 1,3 Millionen Hektoliter auf 18,6 Millionen Hektoliter gefallen. Das hat nicht zuletzt demographische Gründe.
Schwörer: Brüssel liefert, Berlin bremst
Während die EU Fortschritte bei Förderprogrammen und Regeln für alkoholfreien Wein erzielt hat, stockt nach Ansicht des Verbands die nationale Umsetzung. Generalsekretär Christian Schwörer fasste die Lage so zusammen: „Brüssel liefert, Berlin bremst.“ Der Verband fordert besonders eine stärkere Berücksichtigung der Branche in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU.
Im Pflanzenschutz drängt der Verband auf schnellere Zulassungen wirksamer Mittel. Er nennt konkret Kaliumphosphonat für den Ökoweinbau und den Einsatz von Drohnen. Zudem fordert er abgestimmte Maßnahmen gegen Schädlinge wie Kirschessigfliege oder Japankäfer.
Weinbauverband drängt auf schnellere Zulassungen
Laut Generalsekretär Schwörer müsste die Bundesregierung die Voraussetzungen für Rodungs- oder Destillationsprämien schaffen, falls sich die Krise zuspitzen sollte. In diesem Fall würden die Winzer Geld für das Roden oder Destillieren bekommen.
Als positiv bewertet der Verband erste politische Erfolge, etwa die Rückkehr der Steuererleichterung für Dieselkraftstoff in der Landwirtschaft. Im Herbst will der Verband mit der Bundesregierung sprechen und erhofft sich neue Impulse. Allerdings habe Bundesagrarminister Alois Rainer erst nach einem Offenen Brief reagiert und den Termin auf eineinhalb Stunden begrenzt. „Jetzt müssen auf Worte Taten folgen“, forderte Schneider.