Die Warnstreiks in mehreren sächsischen Brauereien gehen weiter. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastronomie (NGG) hat die Arbeitsniederlegungen für die gesamte Woche beschlossen, wie die Gewerkschaft mitteilte. Die Lieferfähigkeit der betroffenen Brauereien sei bereits stark eingeschränkt oder gehe „gegen null“. Mit jedem Streiktag wachse die Zahl der Märkte und Kneipen, die keine Belieferung mehr erhielten.
Die NGG fordert 7 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten. Das letzte Angebot der Arbeitgeber lag nach Angaben der Gewerkschaft im Jahresschnitt unter 3 Prozent. Die Arbeitgeberseite spricht dagegen von einem Angebot von „deutlich über 5 Prozent mehr Lohn“. Zwei Verhandlungsrunden blieben bislang ergebnislos. „Bisher ist leider keine Verständigung gelungen. Immer noch soll der Osten ausgebremst werden. Aber die Zeit ist vorbei, in der die Beschäftigten das hinnehmen“, erklärte NGG-Verhandlungsführer Uwe Ledwig in der Mitteilung.
Von den Streiks betroffen sind das Freiberger Brauhaus, die Radeberger Exportbierbrauerei, die Sternburg Brauerei und die Krostitzer Brauerei - alle Teil der Radeberger Gruppe - sowie die zu Carlsberg Deutschland gehörende Wernesgrüner Brauerei. Auch die Köstritzer Schwarzbierbrauerei wurde bestreikt. Der Arbeitgeberverband verwies darauf, dass in Sachsen und Thüringen insgesamt 131 Brauereien existieren, von denen aber nur 6 Prozent tarifgebunden seien. Für sechs Betriebe werde aktuell ein neuer Tarifvertrag verhandelt.
Radeberger Exportbierbrauerei sieht sich gut aufgestellt
Die Radeberger Exportbierbrauerei sieht die Auswirkungen der Streiks bisher gut abgefedert. „Ein Gros der Kolleginnen und Kollegen arbeitet auch in diesen Tagen“, betonte Hendrik Wagner, Sprecher der Radeberger Exportbierbrauerei. Die Arbeitgeber verweisen auf ein hohes Lohnniveau. Der Einstiegslohn eines Facharbeiters liege bereits bei über 4.000 Euro im Monat zuzüglich Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Zuschläge, Zulagen und weiterer betrieblicher Leistungen. Die Tarifentgelte in Sachsen und Thüringen lägen zum Teil deutlich über Westniveau. Die NGG hält dem entgegen, dass Beschäftigte in Sachsen und Thüringen über 4.000 Euro weniger im Jahr verdienten als ihre Kollegen im Westen.
Die Arbeitgeber argumentieren mit einem schwierigen Marktumfeld. Der Absatz auf dem sächsischen Biermarkt sei im ersten Halbjahr 2025 um mehr als 7 Prozent gesunken. Die Radeberger Exportbierbrauerei bezeichnete es als Ironie, dass nun ausgerechnet die wenigen Brauereien bestreikt würden, die sich noch einer Tarifgemeinschaft und einem Flächentarif verpflichtet fühlten. Die NGG droht bei ausbleibendem Einlenken der Arbeitgeber mit einer weiteren Streikwoche.
