Fleischindustrie Westfleisch interessiert sich für deutsche Schlachthöfe von Vion

Der Fleischkonzern Westfleisch ist an der Übernahme der deutschen Schlachthöfe des niederländischen Unternehmens Vion interessiert. Sechs Standorte stehen zum Verkauf. Ein vorheriger Übernahmeversuch durch die Premium Food Group war vorläufig am Kartellamt gescheitert.

Freitag, 25. Juli 2025, 13:57 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Die Premium Food Group darf die Standorte des niederländischen Schlachtkonzerns Vion nicht übernehmen. Nun mischt sich Wettbewerber Westfleisch ein. Bildquelle: Vion Food Group

Der Fleischkonzern Westfleisch aus Münster interessiert sich für die zum Verkauf stehenden deutschen Schlachthöfe des niederländischen Konkurrenten Vion. Dies teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit. Weitere Details will Westfleisch am 30. Juli auf einer Veranstaltung im Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching am Ammersee bekanntgeben.

Premium Food Group sieht letztes Wort noch nicht gesprochen

Vion will sich weitgehend aus Deutschland zurückziehen. Der Konzern will drei Rinderschlachthöfe in Buchloe, Waldkraiburg und Crailsheim sowie einen Zerlegebetrieb in Hilden und zwei Häuteverarbeitungsbetriebe in Memmingen und Eching-Weichenau verkaufen. Der Standort Crailsheim verarbeitet neben Rindern auch Schweine. Vier der zum Verkauf stehenden Werke stehen in Bayern.

Die Premium Food Group, die frühere Tönnies-Gruppe, hatte bereits im vergangenen Jahr eine Grundsatzvereinbarung zur Übernahme der Standorte getroffen. Das Bundeskartellamt untersagte den Kauf jedoch im Juni nach eingehender Prüfung. Die Wettbewerbshüter befürchteten eine marktbeherrschende Stellung zum Nachteil von Landwirten und Wettbewerbern. „Die Premium Food Group hätte neben ihrer bereits dominierenden Position in der Schlachtung und Verarbeitung von Schweinen in Deutschland auch im Bereich Rinder eine Führungsposition erlangt“, begründete Kartellamts-Präsident Andreas Mundt die Entscheidung. Die Premium Food Group legte gegen die Entscheidung Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf ein. Ein Termin für die erste Verhandlung steht bislang nicht fest.

Westfleisch hat bislang nur eine kleinere Beteiligung

Die Premium Food Group hält trotz des Interesses von Westfleisch an ihren Plänen fest. „Wir haben sowohl für die Landwirtschaft als auch die Betriebe ein tragfähiges Zukunftskonzept aufgestellt, von dem wir überzeugt sind“, zitierte das Unternehmen den geschäftsführenden Mitgesellschafter Maximilian Tönnies. „Wir haben hierzu ein weitreichendes Angebot gemacht und mit der Vion einen rechtsgültigen Vertrag“, betonte Tönnies. Der Konzern erwägt neben der Beschwerde auch die Beantragung einer Ministererlaubnis beim Bundeswirtschaftsministerium. Diese Sondergenehmigung ist nur in Ausnahmefällen möglich.

Die Premium Food Group führt den deutschen Markt bei Schweineschlachtungen mit großem Abstand vor Westfleisch an. Vion gehörte in den vergangenen Jahren zu den führenden Rinderschlachtern in Deutschland. Im Jahr 2022 lag der Konzern bei der Zahl der geschlachteten Tiere deutlich vor Westfleisch und der damaligen Tönnies-Gruppe.

Eine mögliche Übernahme durch Westfleisch müsste ebenfalls vom Kartellamt geprüft werden. Nach Einschätzung von Rechtsexperten könnte dieser Vorgang jedoch weniger problematisch sein. Westfleisch ist in Süddeutschland bislang nur über eine Beteiligung an einem Rinderschlachthof in Augsburg vertreten. Das Bundeskartellamt erklärte, bislang liege keine Anmeldung von Westfleisch vor. Auch eine Anfrage oder anderweitige Kontaktaufnahme habe es nicht gegeben.

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